Rückblick: Die englischen „Star Trek“-Romane 2014

2014 ist lange vorbei. Doch während ich früher das Schreiben von „Star Trek“-Romanrückblicken immer vor mir her schob, interessiere ich mich in letzter Zeit vermehrt dafür, meine früheren Bewertungen etwas zu systematisieren. Aus diesem Grund schreibe ich an dieser Stelle, im März 2016 einen kurzen Rückblick über die 12 Romane und 5 Ebooks, die 2014 erschienen sind.

Das Jahr 2014 brachte eine Reihe von „Star Trek“-Romanhöhepunkten. Diese sind eindeutig in der „Post Nemesis“-Zeitlinie im 24. Jahrhundert angesiedelt. Die folgende Übersicht gibt einen Überblick über den Fortschritt, den alle „Star Trek“-Serien 2014 gemacht haben.

Die ersten Schritte der Föderation

enterprise 240„Rise of the Federation“ möchte dem Leser die ersten Schritte der Föderation nach ihrer Gründung näher bringen. Nachdem es im ersten Teil gelungen ist, sich gemeinsam eines militärischen Problems (auf friedliche Art) zu entledigen, dreht sich Tower of Babel um die ersten Erweiterungen und innenpolitische Probleme. Auf der einen Seite wird gezeigt, wie der Föderationsbeitritt Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im Rigel-System befördert und auf der anderen Seite werden die starken xenophoben und isolationistischen Demonstrationen gegen die Föderation in den Mitgliedswelten beschrieben. Das ist inhaltlich überzeugend und erinnert an vielen Stellen an die Diskussion um die (Auswirkungen und Legitimität) der Europäischen Union. Allerdings fehlt es dem Roman an Spannung.

Ein erneuter Aufbruch ins Unbekannte

second natureDie größten Erwartungen der Saison lagen wohl auf der neuen Serie „Seekers“. Das Autorenteam um David Mack, Kevin Dilmore und Dayton Ward wollte an die Tradition der Originalserie anknüpfen und abgeschlossene, faszinierende und spannende Abenteuer in einer unbekannten Weltraumregion erzählen. Während der Auftaktband tatsächlich ein interessantes Szenario entwirft, verliert sich die Point of Divergence in langweiligen Wiederholungen. Insgesamt macht die Serie den Eindruck als habe sie kein Gesamtkonzept, sondern als hänge die Qualität der Charaktere und des Plots am jeweiligen Einzelabenteuer ab – das in diesem Fall völlig unnötig auf zwei Romane gestreckt und damit langweilig gemacht wird.

Crossover, oberste Direktive und Verhandlungssituationen – Die Originalserie 2014

no time like the past 240TOS beginnt das Jahr mit einem sehr guten Crossover: Aufgrund einer Zeitreise, gelangt Seven of Nine in die Vergangenheit und muss dort eine Reihe von Herausforderungen mit Captain Kirk und seiner Crew bewältigen, um sich wieder in den Delta-Quadranten zu bringen und dabei noch Captain Janeway zu retten. Die Erzählung ist nicht mit anderen Abenteuern der Voyager verbunden und das Szenario wirkt äußerst konstruiert. Aber das Zusammenspiel funktioniert sehr gut und No Time Like the Past überzeugt.

serpents in the garden 240Zwei weitere Romane in dieser Zeit wissen wiederum nicht zu überzeugen. Serpents in the Garden soll eine Auseinandersetzung mit den katastrophalen Folgen eines Bruchs der obersten Direktive sein. Kirk lieferte einst Waffen an ein Volk, dessen Gegner Waffen von den Klingonen erhielten. Die Konsequenzen sind, das sieht man viele Jahr später, katastrophal. Allerdings werden die Auswirkungen auf die Bevölkerung unzureichend dargestellt und die Handlung nimmt sehr schlechte Wendungen. Ähnlich verhält es sich mit dem Roman One Constant Star, in dem Demora Sulu in ein Paralleluniversum transportiert wird und dort zufällig auf ihren verschollenen Vater trifft. Dieser Roman ist eine Aneinanderreihung unwahrscheinlicher Zufälle und damit nicht wirklich überzeugend.

foul deeds will rise 240Der letzte Band des Jahres, Foul Deeds Will Rise, ist besser gelungen. Hier muss die Enterprise unter Captain Kirk zwischen zwei Planeten nach jahrelangem Krieg verhandeln. Auf beiden Seiten gibt es ein Interesse daran, den Krieg zu beenden, aber auch Parteien, die ihn gerne fortsetzen würden. Dieses klassische Szenario wird hier gut in Szene gesetzt.

Zwei der fünf Ebooks spielen zudem in dieser Epoche. Sie bieten jedoch eher durchschnittliche Lesekost: Eine Novelle um Dr. McCoy weiß nicht zu überzeugen, während eine Auseinandersetzung zwischen Chapel und Spock immerhin kleine Einblicke in den Charakter Chapels mit sich bringt.

Überzeugende Crossover, fantastische Schnitzeljagd und atemlose Spionageabenteuer

peceable kingdoms 240Das Romanjahr 2014 begann mit einem überzeugenden Abschluss der Crossover-Serie „The Fall. Peacable Kingdoms beendete diese sehr gute Erzählung mit einem sehr gelungenen Roman, der die Geschichte um den versuchten militärischen Putsch in der Föderation gekonnt und spannend zu Ende bringt.

the light fantastic 240Auch die anderen Romane der „Post Nemesis“-Epoche überzeugen durchgehend. Dabei fällt jedoch auf, dass es 2014 keine „regulären“ Romane aus dieser Zeit gibt. The Light Fantastic trägt zwar „The Next Generation“ im Titel, ist aber tatsächlich eine faszinierende, eindringliche und mitreißende Erzählung von Datas Suche nach seiner Tochter. Hier wird die etwas misslungene Roboterhandlung aus „Cold Equations“ in ein unerwartetes Meisterwerk verwandelt, dass im „Star Trek“-Romanuniversum noch länger in Erinnerung bleiben wird.

disavowed 240Auf andere Weise spannend ist hingegen der Spionagethriller Disavowed. Endlich unternimmt Doktor Bashir etwas, um der Sektion 31 tatsächlich das Handwerk zu legen. Der Doktor nimmt sich zunächst zwar erst einen Nebenschauplatz vor, doch die Handlung ist dicht erzählt, an einigen Stellen sogar offen witzig und unterhält sehr gut. Es ist schade, dass sowohl The Light Fantastic als auch Disavowed bisher nicht fortgesetzt wurden – sie hätten es verdient.

In diese Epoche fallen zudem die besten Ebooks des Jahres. Lust’s Latinum Lost (and Found) ist einfach eine unterhaltsame Kurzgeschichte über die Suche Quarks nach einem Erotikholoabenteuer für seine Bar. Absent Enemies stellt hingegen auf engem Raum eine durchaus komplexe Verhandlungssituation dar und macht dies auch noch auf eine spannende Art. The Collectors ist zum Jahresabschluss ein richtiges Ebook-Highlight. Auf gerade einmal 100 Seiten machen die Agenten des „Departments for Temporal Investigation“ eine Tour de Force durch die Galaxiegeschichte, die nicht nur atemlos erzählt ist, sondern auch noch zum Nachdenken anregt. Besser kann man das Novellenformat nicht ausreizen.

Die Begegnung mit dem Spiegel

big58422014 brachte ungewöhnlicherweise gleich zwei Voyager Romane. In Protectors trifft die Delta-Quadrant Flotte und vor allem die Voyager auf die titelgebenden Protectors: Lebewesen, die nicht nur eine faszinierende technische Herausforderung, sondern die Voyager scheinbar auch vor einer gefährlichen militärischen Allianz in der Region schützen. Durch sie kommt die Flotte mit der Konföderation der Planeten in Kontakt, eine Art Delta-Quadrant Föderation.

acts of contrition 240Acts of Contrition beschreibt dann eindringlich die Unterschiede zwischen der Föderation und der Konföderation. Selten wurde in einem „Star Trek“-Roman so offen darauf hingewiesen, dass die Föderation die kapitalistische Wirtschaftsordnung hinter sich gelassen hat. Die Konföderation hat dies nämlich nicht getan. Sie ist nicht an den technologischen Errungenschaften der Föderation interessiert, die das Leben aller besser machen könnte, sondern nur an denjenigen, die gute Verkaufspreise auf dem Markt der Konföderation erzielen lassen. Dieser Unterschied, das Leid der ärmeren Schichten in der Konföderation und die mit der kapitalistischen Ordnung einhergehende Umweltzerstörung sind sehr, sehr gut dargestellt. Allerdings gelingt es dem Roman nicht die Haupthandlung, die Auseinandersetzung mit einer feindlichen Allianz sowie die Allianzbildung mit der Konföderation überzeugend darzustellen.

Fazit

Wie aus dieser Beschreibung hervorgeht, bot das Romanjahr 2014 eine ganze Reihe an Highlights. insgesamt fünf Romane konnten eine sehr gute oder bessere Wertung (4 oder 5) erzielen. Einige dieser Romane, allen voran The Light Fantastic, werden noch lange in Erinnerung bleiben. Lediglich ein „Seeker“-Roman sowie zwei Romane aus der TOS-Zeit konnten keine gute (schlechter als 3) Wertung erzielen. Im Nachhinein würde ich eventuell den zweiten Voyager-Roman Acts of Contrition besser bewerten. Das würde jedoch wenig an der Gesamtnote ändern, die mit 3,4 Punkten „gut“ ist und sich deutlich in Richtung „sehr gut“ bewegt.

„Star Trek“-Romane 2014

Monat Serie Titel Bewertung
Januar The Fall Peacable Kingdoms 4
Februar VOY Protectors 3,5
März TOS No Time Like the Past 4,5
April ENT Tower of Babel 3,5
Mai TOS Serpents in the Garden 2
Juni LE One Constant Star 2
Juli TNG The Light Fantastic 5
August Seekers Second Nature 4
September Seekers Point of Divergence 2
Oktober VOY Acts of Contrition 3
November S31 Disavowed 4
Dezember TOS Foul Deeds Will Rise 3
Durchschnitt: 3,4

„Star Trek“-Ebooks 2014

Monat Serie Titel Bewertung
Februar Titan Absent Enemies 4
April TOS Seasons of Light and Darkness 2
Juni TOS The More Things Change 3
August DS9 Lust’s Latinum Lost (and Found) 3
Oktober TNG Q are Cordially Uninvited 3
Dezember DTI The Collectors 5
Durchschnitt: 3,3

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