Ein Zeichen der Hoffnung – Teil 1

Star Trek: Discovery Staffel 3 Episode 1, engl. Titel: „That Hope is You – Part 1“

Im Januar erzählte „Star Trek: Picard“ erstmals seit „Star Trek: Nemesis“ wieder temporales Neuland nach den Prequels „Star Trek: Enterprise“ und „Star Trek: Discovery„. Mit ihrer dritten Staffel verwandelt sich „Discovery“ nun vom Prequel zu einem weiteren Sequel. Das Finale der zweiten „Star Trek: Discovery“-Staffel endete mit einem bis dahin nie dagewesenen Sprung über 900 Jahre in die Zukunft. Michal Burnham zieht die U.S.S. Discovery mit einem Großteil ihrer Besatzung in eine weit entfernte Zeit, um damit gefährliche Informationen aus der Seriengegenwart zu entfernen, mit deren Hilfe eine künstliche Intelligenz alles Leben in der Milchstraße auslöschen würde. Das 32. Jahrhundert bietet Möglichkeiten, die noch keine „Star Trek“-Serie bieten konnte. Die bange und gleichzeitig spannende Frage ist, ob Burnham und die Besatzung der U.S.S. Discovery in eine phantastische, weit entwickelte Föderation der Zukunft geraten, in eine fortgeschrittene Galaxis, die ohne die Föderation auskommt oder in ein dystopisches, von Kriegen zerfressenes Ödland.

Zunächst einmal landet nur Burnham in der Zukunft. Bei der Durchquerung des temporalen Wurmloch stößt sie mit dem Schiff von Cleveland „Book“ Booker zusammen und stürzt gemeinsam mit ihm ab. Die Discovery hängt hinterher und tritt nicht gleichzeitig aus dem Wurmloch aus. Burnahm erfährt dadurch, dass noch Leben in der Galaxie existiert, ihre Mission ist gelungen. Doch gleichzeitig sieht sie sich mit der Möglichkeit konfrontiert, allein in der Zukunft gestrandet zu sein. Dieses emotionale Wechselbad der Gefühle sorgt für einen ruhigen, emotionalen und gelungenen Start in die dritte Staffel.

Was folgt ist ein kurzweiliges, aber auch generisches Abenteuer. Book sieht Burnham zunächst als Gegner und nutzt sie kurz darauf aus. Burnham erfährt zwar, dass vor mehr als hundert Jahren ein Ereignis unter dem (kreativen) Titel „The Burn“ viele Dilithium-Kristalle zum explodieren gebracht hat und damit einen Großteil der Föderationsflotte vernichtet hat. Doch ist Book vor allem hinter seinem eigenen Vorteil her und liefert Burnham daher eine ungewöhnlichen kapitalistischen Wegelagererallianz aus Orionern und Andorianern aus. Die Wege der beiden kreuzen sich jedoch wieder und sie gehen eine Zweckallianz ein, in deren Folge sich herausstellt, das Book ausgesprochen here Absichten verfolgt: Er rettet vom Aussterben bedrohte Arten vor dem Profitinteresse der Orioner und Andorianer. Dieses Abenteuer ist hektisch und unterhaltsam inszeniert. Es präsentiert altbekannte „Star Trek“-Elemente, allen voran die bekannten, erwähnten Völker, und fühlt sich dennoch nicht wirklich wie „Star Trek“ an. Wie die ersten Episoden von „Star Trek: Picard“ weitgehend auf die meisten Stilbildenden „Star Trek“-Symbole verzichtet. Da die Handlung inhaltlich dünn ist und weitgehend aus Schießereien (in beeindruckender Landschaft) besteht, wirkt das wie ein beliebiges „Science Fiction“-Abenteuer. Andererseits müssen die AutorInnen die Veränderungen des vergangenen Jahrtausends ja irgendwie und sei es durch abstrakte Städte und wilde Waffen deutlich machen. Außerdem wirken Burnhams Sternenflotteninsignien um so prägnanter je generischer ihre Umwelt dargestellt ist.

Die Episode endet letztlich so ruhig wie sie begonnen hat. Book nimmt Burnham in eines der Reservate seiner Gemeinschaft mit und hilft ihr im Anschluss sogar, einen Föderationsaußenposten zu finden. Hier zeigt sich, dass auch ohne ihre technische Stärke die Werte der Föderation weiterleben und sei es auch nur in einem träumerischen Beamten. Zugegeben: Dass Aditya Sahil vierzig Jahre lang allein die Stellung in einer zerstörten Raumstation hält, also lieber als Einsiedler lebt als die Werte der Föderation in die Welt und vielleicht in eine Gemeinschaft zu tragen, wirkt verrückt. Dennoch könnte man das Pflichtbewusstsein, dass die Diener der Föderation aus Überzeugung für die Werte dieser Gemeinschaft entwickeln, aber nicht inszenieren. Und gleichzeitig zeigen die AutorInnen, dass die Hoffnung für die Föderation noch nicht verloren ist.

„Ein Zeichen der Hoffnung“ zeigt eine Zukunft, in der die Föderation durch eine technische Katastrophe zu Fall gebracht wurde. Sie wurde ersetzt durch eine kalte, kapitalistische und eigennützige Welt, in der es dennoch Menschen wie Book gibt, denen die schwächsten Lebewesen der Milchstraße am Herzen liegen. Zwischen all dem Dunkel gibt es also Licht und Hoffnung. Während die Chemie zwischen Burnham und Book stimmt, kann die Episode ihre Zukunftsvision noch nicht ganz überzeugend verkaufen. Die Föderation ist zu Burnhams Zeiten gerade einmal etwas älter als 100 Jahre. Warum erwartet sie selbstverständlich, dass die Föderation mehr als 1 000 Jahre überlebt? Der Brand der Dilithiumkristalle scheint erst 120 Jahre zuvor eingesetzt zu haben, aber wie kommt es, dass die Föderation sich von so etwas so kurz nach dem mit unglaublicher Technologie geführten temporalen kalten Krieg, der in der Episode kurz erwähnt wird, von so etwas zu fall bringen lässt? Mit anderen Worten: Konnte das nicht vorhergesehen werden und warum wurde Dilithium nach über 900 Jahren nicht längst von einer anderen Energiequelle ersetzt? „Ein Zeichen der Hoffnung“ gibt somit nur einen ersten, unterhaltsamen Teaser in die neue Welt, in die sich Burnham katapultiert hat. Dadurch entsteht Spannung auf, aber auch Erwartungen an die nächsten Einblicke in die Herausforderungen, Fragestellungen und Abenteuer in dieser fernen Zukunft.

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