Drei Trilogien zum 50. Geburtstag – die „Star Trek“-Romane 2016

2016 feierte „Star Trek“ den 50. Geburtstag der Originalserie. Der Fokus der englischsprachigen Veröffentlichungen lag in dem Jahr daher auf Abenteuern rund um Captain Kirk und seine Besatzung. Doch auch Fans der anderen Serien erhielten in diesem Jubiläumsjahr viel Lesestoff: Während der englische Verlag Pocket Books das Jahr mit einem „Next Generation“-Event beendete, überraschte der deutsche Verlag Cross Cult die Leser mit den ersten, von deutschen Autoren verfassten „Star Trek“-Romanen.

Gute Einzelabenteuer: Deep Space Nine, Voyager und Rise of the Federation

Eröffnet wurde das Jahr jedoch mit dem „Deep Space Nine“ (DS9)-Roman „Ascendance„. Leider geriet die Erzählung, wie zuletzt einige Werke aus der Feder David R. George III, uninspiriert und langweilig. Bajor wird angegriffen, der Leser weiß längst, wie dies ausgeht und dennoch dreht sich ein Großteil des Romans um genau diese Frage. Die andere Hälfte nutzt George III um seine ewigen Beziehungsdramen auf DS9 fortzusetzen, ohne aber je wirkliche Handlungsfortschritte zu erreichen. Angesichts dieses schwachen Bandes ist es um so erfreulicher, dass vermehrt andere Autoren mit den Charakteren aus Deep Space Nine arbeiten dürfen. Jeffrey Lang zeigte im Juni mit „Force and Motion“ dass man durchaus ein interessantes, spannendes und durchaus charakterstarkes Abenteuer erzählen kann, wenn man nicht jedem Mitglied der DS9-Besatzung ein Problem andichtet, sondern sich auf einen Charakter (Nog und seine Einsamkeit) beschränkt und diesen Protagonisten in ein spannendes Setting einbaut.

„Voyager“ und „Rise of the Federation“ unterstützten den eigentlich guten Eindruck, der ersten Jahreshälfte. In „A Pocket Full of Lies“ gelingt Kirsten Beyer genau das, was der Titel verspricht: Admiral Janeway und ihre kleine Delta-Quadrant Flotte müssen durch ein dichtes Geflecht aus Lügen dringen, zu dem unter anderem eine alternative Version von Janeway selbst zählt. Der dichte und unterhaltsame Roman arbeitet einmal mehr mit temporalen Elementen und zeigt, dass der „Voyager“-Relaunch weiterhin spannende Geschichten erzählen kann. Ähnliches gilt für „Live by the Code“, in dem Christopher L. Bennett die erste wirkliche Konfrontation zwischen der Föderation und den Klingonen beschreibt. Dieser Roman ist wie alle vorherigen Bände der Reihe äußerst ereignisreich und bis auf eine etwas ärgerliche „Sektion 31“-Nebenhandlung durchaus gut.

Das Geburtstagskind: „The Original Series“-Romane zum 50. Geburtstag

Den Auftakt der „klassischen“ Geschichten zum 50. Geburtstag macht James Swallows „The Latter Fire“, eine direkte, gradlinige und unterhaltsame „Prime Directive“-Story. Kirk und seine Besatzung müssen hier das Geheimnis aufklären, wie ein neu entdecktes Volk nur wenige Jahre nach dem Erstkontakt mit Kirks Enterprise enorme Fortschritte gemacht hat. Dabei stößt Kirk Teams auf düstere Machenschaften in der Regierung dieses Volkes. Dayton Ward setzt zum Jubiläum seine Agententhriller, die hauptsächlich im 20. Jahrhundert angesiedelt sind mit „Elusive Salvation“ fort. Er fällt in dieselbe Falle wie Bennett: Ohne Not verbindet er seine eigentlich sehr gute, allein überzeugende Handlung mit einer „Sektion 31“-Fährte. Das lenkt unnötig davon ab, dass es Ward noch einmal gelingt, verschiedene Zeitebenen überzeugend miteinander zu verbinden.

In der Originalserie ist dann auch die Jubiläumstrilogie angesiedelt: Greg Cox, David Mack, Kevin Dilmore und Dayton Ward präsentieren hier eine mit jedem Band überzeugendere Trilogie. Unter dem Titel „Legacies“ verbinden die Autoren geschickt fremdartige Aliens aus einer anderen Dimension mit Protagonisten des ursprünglich abgesetzten, ersten „Star Trek“-Pilotfilms, Klingonen und Romulaner. Die Romane brauchen etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Doch bereits die Invasion merkwürdiger Schnecken im ersten Teil schafft allen „Star Trek“-Flair, den eine Jubiläumstrilogie benötigt. Während „Legacies“ bei weitem nicht so eindringlich ist wie die epische „Crucibles„-Trilogie von David R. George III zum 40. Geburtstag 2006, so ist die gradlinigere und actionorientiertere Geschichte doch sehr gut gelungen und eine würdige „Jubiläumsfeier“.

Krieg mit den Klingonen? Prometheus und Prey

Zusammen mit „Legacies“ startete eine deutsche Premiere. Die Autoren Bernd Perplies und Christian Humberg durften als erste deutsche Autoren, „Star Trek“-Romane verfassen und Cross Cult ermöglichte ihnen umgehend eine Trilogie um die neu geschaffene U.S.S. Prometheus zum 50. Geburtstag der Serie. Die Handlung ist jedoch nicht zur Zeit der Originalserie angesiedelt, sondern spielt einige Jahre nach dem letzten „Next Generation“-Kinofilm „Nemesis“. Da man den amerikanischen Romanen nicht in die Quere kommen durfte, spielt die Handlung in einer bis dahin nicht bekannten Region des Weltalls. Während der erste Roman noch mit vielen neuen Charakteren und vor allem einer vielversprechenden Handlung aufwartete, verlaufen sich der zweite und dritte Band dieser vielversprechenden Reihe leider in der Ziellosigkeit. Es ist vor allem im zweiten Band nicht wirklich klar, wo die Reise hingehen soll. Viele interessante Handlungsstränge – von der öffentlichen Meinung in der Föderation gegenüber Terroristen über Flüchtlingsbewegungen bis hin zu der Kultur der Renao – werden dadurch abgebrochen, bevor sie wirklich etwas zur Handlung beitragen können, oder verirren sich in der Bedeutungslosigkeit. Selbiges gilt für die durchaus vielversprechenden Besatzungsmitglieder der U.S.S. Prometheus, die angesichts zu vieler Nebenhandlungen kaum die Chance erhalten, sich auszudifferenzieren. Und so wünscht man sich angesichts all des nicht genutzten Potentials, dass die U.S.S. Prometheus die Chance erhält, für Einzelabenteuer, die kondensierter und charakterfokussierter sind, zurückzukehren.

Am Ende des Jahres stellte John Jackson Millers „Prey„-Trilogie alle anderen Produkte des Jahres in den Schatten. „Prey“ erzählt von internen Unruhen innerhalb des klingonischen Imperiums. Es ist eine brilliant konstruierte Tour de Force durch das klingonische Imperium, das hier von den Gespenstern der Vergangenheit wieder eingeholt wird. Miller gelingt es die „Next Generation“-Crew ganz nah an den Versuch eines einzelnen, sehr erfolgreichen Renegaten einzubinden, der das klingonische Imperium aus dem Kithomer-Abkommen mit der Föderation lösen und in den Typhon Pact mit den Romulanern einbringen möchte. Miller trifft dabei jeden Charakter und erzählt eine temporeiche, intelligente und spannende Handlung. Ein besseres Finale für den Geburtstagsjahrgang ist kaum denkbar. Gleichzeitig muss aber auch gesagt werden, dass albernere Cover (s. „The Hall of Heroes„) ebenfalls kaum denkbar sind.

Fazit: Ein sehr gutes Romanjahr

Mit einem Durchschnitt von 3,7 von 5 Punkten bei meinen Trekzone-Bewertungen, befinden sich die „Star Trek“-Romane 2016 deutlich besser an den sehr guten 4 Punkten als im Vorjahr (Durschnitt 2015: 3,1). Ausrutscher wie der DS9-Roman „Ascendance“ oder der Prometheus Abschluss „Im Herz des Chaos“ werden durch die grandiose „Prey„-Reihe, aber auch durch überzeugende (und hier nicht diskutierte) Novellen wie „Time Lock„, sehr gute Erzählungen wie „A Pocket Full of Lies“ und „Best Defense“ ausgeglichen. Zum 50. Geburtstag erhalten alle Romanserien ihren Auftritt und zeigen, dass „Star Trek“ in Romanform weiterhin lebendig, vielseitig und spannend ist.

Monat Serie Titel Autor(en) Bewertung
Januar DS9 Ascendance David R. George III 1,5
Februar VOY A Pocket Full of Lies Kirsten Beyer 4
TOS Miasma (Novella) Greg Cox 3,5
März TOS The Latter Fire James Swallow 3
April ENT RotF: Live by the Code Christopher L. Bennett 3,5
Mai TOS Elusive Salvation Dayton Ward 4
Juni DS9 Force and Motion Jeffrey Lang 3,5
Juli TOS Legacies (I) – Captain to Captain Greg Cox 3,5
Prometheus Feuer gegen Feuer Bernd Perplies & Christian Humberg 4
DS9 Rules of Accusation (Novella) Paula M. Block & Terry J. Erdman 4,5
August TOS Legacies (II) – Best Defence David Mack 4
Prometheus Der Ursprung allen Zorns Bernd Perplies & Christian Humberg 2,5
September TOS Legacies (III) – Purgatory’s Key Dayton Ward & Kevin Dilmore 4
Prometheus Ins Herz des Chaos Bernd Perplies & Christian Humberg 2
DTI Time Lock (Novella) Christopher L. Bennett 5
Oktober TNG Prey (I) – Hell’s Heart John Jackson Miller 4,5
November TNG Prey (II) – The Jackal’s Trick John Jackson Miller 5
Dezember TNG Prey (III) – The Hall of Heroes John Jackson Miller 5
Durchschnitt 3,7

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