Patterns of Interference (von Christopher L. Bennett)

Inhalt: Die junge Föderation konnte 2165 einen Krieg mit den Klingonen abwenden. Doch der Preis war hoch: Sektion 31 tauschte den Frieden mit den Klingonen gegen den Schlüssel zur Abschaltung aller „Ware“-Anlagen im Territorium der Partnerschaft. Die Völker der Partnerschaft lebten in Symbiose mit diesen eigentlich tödlichen Anlagen. Die Klingonen nutzten den Schlüssel, um die Symbiose abrupt zu beenden und in der darauf folgenden Verwirrung, den Sektor unter ihre Kontrolle zu bringen. Admiral Archer strebt als Folge aus diesem Fiasko und den durch Föderationsinteressen verursachten gewaltsamen Umsturz auf Sauria eine Nicht-Interventionsdirektive an. In der Hoffnung, weiteren Schaden dieser Art zu verhindern, soll die Föderation damit in der Zukunft daran gehindert werden, in die Belange anderer Völker einzugreifen. Doch die Entscheidungsträger der Föderation sind gespalten, ob Nicht-Intervention der richtige Weg ist.

Trip bemüht sich derweil, Sektion 31 zu Fall zu bringen. Für ihn stellt die Sektion die größte Bedrohung für die Föderation dar. Erschreckt stellt er fest, dass die Sektion Archers Vorhaben unterstützt. In ihrer Logik bedeuten weniger Interventionen durch die Föderation nicht nur weniger Gefahren, sondern auch mehr Möglichkeiten zur eigenen Intervention. Obwohl die Sektion von einem grausamen, gegen die Föderation gerichteten Vorhaben auf Sauria weiß, entscheidet sie sich nicht einzugreifen. Denn das Vorhaben soll den von der Föderation unterstützten Widerstand diskreditieren und die Bereitschaft der Föderation zu weiteren Interventionen unterminieren. Trip entschließt sich dazu, einzugreifen. Wenn es schon zu einer Katastrophe kommen muss, dann soll diese gleichzeitig das Orion Syndikat und die Sektion 31 diskreditieren.

Kritik: Die Serie „Rise of the Federation“ porträtiert die Aufstiegsschwierigkeiten der noch jungen Föderation. Mittlerweile hat sich die Sternenflotte nach ersten Konflikten zu einer schlagkräftigen, integrierten Truppe gemausert, interne Konflikte über die Geschwindigkeit des Integrationsprozesses sind ausgestanden und die Föderation expandiert stetig. Doch mit den Erfolgen kommen auch die ersten Niederlagen. Im Vorgänger hat die Föderation zwar einen Sektor vor den verheerenden Konsequenzen der „Ware“ befreit, gleichzeitig aber auch ein beeindruckendes, mit den Ware in Symbiose lebendes Sternenreich dem Joch der Klingonen ausgeliefert. Durch das plötzliche Ausschalten der Ware starben zudem Millionen an Lebewesen. Daher ist es nur konsequent, dass sich die Serie mit „Patterns of Interference“ nun dem Erstellen der wohl wichtigsten, der obersten Direkte der Föderation widmet.

Mit „Live by the Code“ und dem immer wieder eingestreuten, durch die Föderation ausgelösten Schicksals Saurias hat Bennett zwei sehr plausible Erklärungen, wie die Oberste Direktive zustande kam. Wie der Vorgänger leidet jedoch auch „Patterns of Interference“ daran, dass Bennett seine Chronik der Föderationsgeschichte unbedingt mit dem Schicksal der Sektion 31 verbinden möchte. Wie alle Teile der Reihe ist auch „Patterns of Interference“ in viele Handlungsstränge von unterschiedlicher Qualität unterteilt.

Die Haupthandlung dreht sich darum, dass wieder einmal das Orion Syndikat einen Plan hat, den Einfluss der Föderation zurückzudrängen. In Archers Plänen sehen die Anführerinnen des Syndikats eine Möglichkeit, ihre kriminellen Geschäfte ohne zu viel Sternenflotteneinmischung weiterzuverfolgen. Daher planen sie, eine Intervention der von der Sternenflotte unterstützten Rebellen auf Sauria in einer Katastrophe enden zu lassen. Die Sektion 31 nimmt dies gelassen hin. Trip ist entsetzt und mithilfe einer ihm bekannten Orionerin plant er die Schuld an der anbahnenden Katastrophe sowohl der Sektion 31 als auch dem Syndikat anzulasten. Diese Handlung ist emotional gut herausgearbeitet. Trip leidet unter den von ihm ausgelösten Ereignissen. Während des Krieges gegen die Romulaner waren seine Taten für die Sektion vielleicht noch notwendig, mittlerweile sind sie es jedoch nicht mehr. Das Feuer, das Trip antreibt, leitet auch den Roman und führt zu einigen überzeugenden emotionalen Szenen. Vor allem die immer unklar bleibende Beziehung zwischen Trip und der Orionerin Devna ist in ihrer Doppeldeutigkeit sehr schön dargestellt.

Letztlich kann aber auch Bennett den ewigen Trip-Widerspruch des Enterprise-Relaunches nicht auflösen. Die Rolle des gewissenlosen Spions, die Martin und Mangels einst erdachten, passt auf Trip schlicht nicht. Bennett gelang es in Live by the Code sehr gut, Trip endlich aus den Fängen der Sektion 31 zu lösen und wieder als funktionalen Charakter in den Relaunch einzubauen. Mit seinem Rückgriff auf die Sektion am Ende des Romans machte er dies jedoch wieder zunichte. Für den Leser bietet die Handlung jedoch keinen Mehrwehrt. Dank „Deep Space Nine 9“ wissen wir, dass die Sektion überlebt hat und dank Control kennen wir die Ursprünge der Sektion. „Patterns of Interference“ kann dem nichts Neues hinzufügen. Insofern ist Trips Schicksal die einzig erwähnenswerte Komponente des in diesem Roman beschriebenen Dramas. Und hier scheitert Bennett letztlich genau so wie Martin und Mangels. Denn zum wiederholten Male erkennt Trip, dass die offene Art der Föderation viel erfolgreicher sein kann als die Methoden der Sektion, mit denen er versucht genau diese Sektion 31 aufzuhalten. Bennett inszeniert dies als eine dramatische Erkenntnis am Ende des Romans, in deren Folge Trip erkennt, dass seine eigenen Methoden mittlerweile dem Denken der Sektion 31 verhaftet sind. Tatsächlich müsste diese Erkenntnis aber unweigerlich dazu führen, dass Trip sich denen öffnet, die ihm immer zur Seite gestanden haben. Genau dies geschieht jedoch nicht, Trip bleibt zunächst weiter im Schatten. Dieser Abschluss der Erzählung ist nach einem durchaus überzeugenden Spionage-Abenteuer äußerst unbefriedigend. Natürlich haben die vorherigen Jahre Trip verändert, doch seine Taten zeigen, dass er sich sein Naturell bewahrt hat. Es darf aber auch unter Bennett nicht wieder durchbrechen.

Anders als in manch anderem „Rise of the Federation“-Roman nehmen die Nebenhandlungen nur einen geringen Teil des Umfangs ein. Im Vergleich zu der Haupthandlung sind sie jedoch deutlich aussagekräftiger. Den geringsten Raum erhalten Admiral Archer und Captain Reed. Archer bemüht sich, eine Art Oberste Direktive durchzubringen und stößt dabei auf den erbitterten Widerstand seines Freundes Shran. Diese Dynamik ist sehr überzeugend dargestellt. In Shrans Argumentation merkt man deutlich wie sich der andorianische Admiral seit seinem ersten Auftritt in „Enterprise“ verändert hat, ohne seine andorianischen Gedankengänge gänzlich abzustreifen. Obwohl die Szenen mit Archer kurz sind und in der Regel „nur“ aus Politikgesprächen bestehen, gelingt Bennett hier eine sehr gute Inszenierung der eigenartigen Freundschaft dieser zwei für die Föderation wichtigen Sternenflottencharaktere. „Patterns of Interference“ gelingt es zudem, Malcolm eine überzeugende romantische Beziehung anzuschreiben, die sich hier niedlich entwickelt.

Einen größeren Teil der Handlung nimmt eine Erkundungsmission der U.S.S. Endeavour unter Captain T’Pol ein. Hoshi wird von einer Gruppe von Händlern gerufen, um ein Sprachproblem zu lösen. Die Unternehmer sind auf einen von sich bewegenden Pflanzen bevölkerten Planeten getroffen. Mithilfe dieser Pflanzen könnten vermutliche viele Krankheiten in der Föderation geheilt werden, das ökonomische Potential ist enorm. Doch ein Teil der Händler befürchtet, dass es sich bei den Pflanzen um intelligente Lebewesen handelt. Bald stehen sich wirtschaftliches Profitinteresse und wissenschaftliche Ethik gegenseitig im Weg. Hoshi hat Schwierigkeiten zwischen diesen Interessen zu navigieren. Dieser Handlungsstrang ist eine sehr schöne Untermalung der Bedeutung klarer Regeln beim Kontakt mit anderen Lebewesen. Denn während Archer für eine klare Nichtinterventionspolitik plädiert, zeigt dieser Abschnitt des Romans, dass es in vielen Fällen unmöglich ist, sofort zu identifizieren auf welche Situationen solch eine Politik überhaupt zutreffen würde. Bennett beschreibt die Fauna in dieser Nebenhandlung so beeindruckend, dass eine teilweise etwas rührige Handlung aus Hoshis Privatleben zurecht in den Hintergrund gedrängt wird.

Alle Handlungen drehen sich zu einem gewissen Grad um die Ereignisse auf Sauria. Der gelungenste Moment des Romans ist jedoch ein unscheinbares Abendessen, auf dem Kirks Urgroßvater verzweifelt versucht, seinen Schwiergervater in spe davon zu überzeugen, dass die Taten der Föderation während der Ware-Krise alles andere als gerechtfertigt sind. Das überzeugende Plädoyer des Historikers Samuel Kirk führt zu einer unerwarteten Reaktion, die dem Roman die entscheidende, für die Föderation so fruchtbare wie für Trip furchtbare Wendung beschert. Es sind unscheinbare Momente wie diese, in denen „Rise of the Federation“ sein ganzes Potential entfaltet. Dieser Moment überstrahlt nicht nur Trips oben beschriebene unausgegorene Reaktion auf eine weitere persönliche Niederlage. Für einen Moment lässt er vergessen, dass das Schicksal der Föderation im Romanuniversum seit David Macks Control hauptsächlich auf den Berechnungen eines Programms beruht. Hier erscheint es wieder so als sei die Föderation in erster Linie von Idealisten mit Glück und Kompromissbereitschaft erschaffen worden.

Fazit: „Patterns of Interference“ ist im Kern eine solide Spionagegeschichte, die den Weg für die Oberste Direktive der Sternenflotte ebnet. Während Trips Handlung vor allem am Ende nicht wirklich überzeugen kann und die Sektion 31-Handlung seit Control nicht wirklich vielversprechend ist, gelingt es Bennett an vielen Stellen, sehr gute Charaktermomente herauszuarbeiten. „Patterns of Interference“ macht damit auf überzeugende Art deutlich, warum die Formulierung der Obersten Direktive für viele Sternenflottenangehörige eine Herzensangelegenheit ist.

(Trekzone-)Bewertung: 3,5 / 5 Punkten

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