Erzählt „Perry Rhodan“ nach 50 Heften eine Geschichte? (Perry Rhodan 3049/50)

51 „Perry Rhodan“-Hefte in Folge! Fünf Mal habe ich bisher versucht, in die „Perry Rhodan“-Serie einzusteigen. Die größte deutsche Science Fiction Serie hat wegen ihrer schieren Größe etwas Faszinierendes. Noch faszinierender ist aber, dass sie sich stetig hält, obwohl sie in der Regel eine durchwachsene Geschichte über einen Zeitraum von zwei bis vier Jahren und 100 bis 200 Heften ausbreitet, ohne dabei wirklich begeisternde Einzelhefte (bzw. -episoden) zu präsentieren. Daher habe ich es nie länger als 30 Hefte mit der Serie ausgehalten. Mit der Jubiläumsnummer 3000 habe ich mir aber vorgenommen, wenigstens einmal einen ganzen Zyklus mit der Serie durchzustehen. Denn wer weiß, vielleicht versteckt sich ja doch etwas Beeindruckendes und Spannendes in „Perry Rhodan“, wenn man sich nur in Hartnäckigkeit und Geduld übt.

Nun hat der aktuelle Zyklus die Nummer 3050 erreicht. 51 von 100 Heften sind vorbeigezogen und der bisherige Zwischenstand ist ganz klar: Es versteckt sich auch nach mehr als 30 Heften nichts Spannendes in einem „Perry Rhodan“-Zyklus. Obwohl ich normalerweise alle vier Wochen die Hefte des vergangenen Monats bespreche, ist es nun Zeit, auf die letzten 51 Heften, inkl. der beiden noch nicht besprochenen Hefte zurückzuschauen und ein kleines Fazit zu ziehen.

Der Hintergrund des aktuellen Zyklus ist relativ simpel: Perry und seine Begleiter haben die Galaxis gerettet, mussten im Anschluss aber für 500 Jahre aussetzen. Bei ihrer Rückkehr ist die Milchstraße völlig verändert. Die Erde ist verschwunden, Arkon hinter einer undruchdringbaren Sphäre versteckt und die Liga zerbrochen. Stattdessen patrouillieren die mysteriösen Cairaner die Galaxis und sperren jeden, der sich ihnen widersetzt in brutale sogenannte „Ausweglose Straßen“, in denen ihnen der Lebenswillen abgezapft wird. Außerdem haben sich die Ladhonen, genau so brutale Weltraumpiraten, in der Galaxis festgesetzt. Und während die Cairaner jeden Zivilisten, der etwas gegen ihre Ordnung sagt, wegsperren, lassen sie die Ladhonen gewähren.

In dem letzten Jahr bzw. den vorherigen 48 Heften hat sich an dieser Situation eigentlich nichts geändert. Mehr oder weniger vier Monate haben Perry und Begleiter gebraucht, um mit den Resten der Liga und Perry altem, ebenfalls unsterblichen Freund Reginald Bull Kontakt aufzunehmen (Hefte 3000-3016). Die Punchline: Bull hat nach über 500 Jahren ebenfalls keine Ahnung, was mit der Erde los ist und was die Cairaner wollen. Na gut, die Cairaner sind aber auch ausgesprochene Geheimnisträger. Leider verbarg sich in diesen Heften keine einzige wirklich beeindruckende, erinnerungswürdige Geschichte. Hängen bleibt vielleicht die penetrante Skepsis gegenüber Bull und dessen Motiven auf Seiten Rhodans und seiner Begleiter sowie eine immerhin überzeugend geschilderte Lebensgeschichte zweier Agenten der Cairaner in Heft 3012 (die anschließend nie wieder auf interessante Weise in Szene gesetzt wurden).

Es folgten zwei Monate, in denen Perry das Sonnensystem besucht und mehr über die Cairaner herausfindet (Heft 30173025). Die Erde wurde nämlich gegen eine identische Kopie mit anderen Bewohnern ausgetauscht und wird von den Cairanern bewacht. Völlig unverständlicher Weise gewähren die Cairaner Bull Zugang zum Sonnensystem und Perry nutzt den Moment, sich dort mal umzugucken. In den darauf folgenden Verwicklungen mit den Cairanern und einem Splitter einer Datenbank erfährt Perry, dass die Cairaner einst einer Superintelligenz dienten, mit den Ladhonen zusammenarbeiten und in welcher Galaxis sie ursprünglich lebten. Wenig Ausbeute für viel Arbeit, aber immerhin dient das als Vorwand, dass man die langatmige Handlung in der Milchstraße verlässt und Perry weit weg in die Heimatgalaxis der Cairaner schickt.

Dadurch konnte die bereits langsame Handlung „endlich“ weiter gespalten werden. Während es Perry in die Ferne zieht, darf Atlan seine alte Heimat Arkon für sechs Hefte (ca. 1.5 Monate) besuchen (Hefte 3026-30 und 40/41). Der Besuch bringt keinerlei Informationen, die meisten Hefte sind langweilig, die Palastintrigen wiederholen sich und Atlan kümmert sich am Ende doch mehr darum, das Geheimnis eines Roboters herauszufinden. Dennoch gelingt es mit „Arkons Admiral“ (Nr. 3040) das einzige, für sich stehend richtig spannende Heft dieses Zyklus zu produzieren. Es endet mit einem Cliffhanger, der bis heute nicht aufgelöst ist. Und wenn man ehrlich ist, beinahe drei Monate nach diesem Heft interessiert es auch nicht mehr wirklich. Die Redaktion der Serie sieht den großen „Knall“ dieses Handlungsstrang wohl darin, dass die Cairaner unbedingt Arkon erreichen möchten und dafür Atlans Ritteraura benötigen. Wobei der gute Atlan diese Verwendung seiner Aura vielleicht nicht überleben wird (Nr. 3041). Schön und gut, nur findet Gucky im genau darauffolgenden Heft genau dasselbe heraus (Nr. 3042). Es ist zweifelhaft, wie man diese Heftplanung sinnvoll finden kann.

Nicht total überzeugend, aber immerhin gut wird die Handlung, wenn Nebencharaktere auftreten. Es scheint als seien Perry Rhodan, Atlan und Reginald Bull so verbraucht, dass man mit ihnen keine wirklichen Geschichten mehr erzählen kann. (Tatsächlich wird vieles in Rückblenden geschildert.) Die einzige Organisation, die im „Mythos“-Zyklus einen Erfolg aufweisen kann, ist die „USO“, ein einstiger Geheimdienst der Liga. In Windeseile gelingt es ihnen, in gerade einmal einem Monat, die Heimatwelt der Cairaner zu finden, die Cairaner in ein angebliches Bündnis zu drängen und sensible Informationen zu erhalten (Nr. 3031-33). Leider hört man danach nichts mehr von ihnen. Ein weiterer Ausflug zweier Spione in den Heften 3043 bis 3045 ist immerhin temporeich erzählt, inhaltlich jedoch mit einer absurden Superwaffe der Cairaner gespickt und mündet in einer unglaublich langweiligen Rückblende über Bulls Versagen, einen der letzten Residenten der Liga zu schützen. Dabei bestätigt sich wieder die Vermutung, dass solide Handlungsstränge in Langweile übergehen, sobald die „Helden“ der Serie wie Bull in 3045 oder Gucky in 3042 in die Handlung eingebaut werden.

Perry ist derweil natürlich nicht untätig, sondern besucht für zweieinhalb Monate die Heimatgalaxis der Cairaner (Hefte 3034-39 sowie 3046-49). Es stellt sich zur „Überraschung“ aller heraus, dass die Cairaner tatsächlich einen Grund hatten, ihre Galaxis zu verlassen. Ihre Superintelligenz wurde eingesperrt, die Galaxis dient nun einer angehenden Chaotarchin als Spielwiese. Nachdem Perry das herausfindet, weckt er natürlich erst einmal das Interesse dieser Chaotarchin – es wäre ja schön, sie würde mal in der Milchstraße vorbeigucken. Nach einer kurzen Gefangennahme kann Perry sich befreien, hat nun aber ständig die Handlanger der Chaotarchin im Nacken. (Sowieso wird Perry in diesem Zyklus recht regelmäßig entführt.) Und während dies einigermaßen spannend klingt, besteht der Großteil dieses intergalaktischen Ausflugs darin, den kleinsten Hinweisen nachzujagen sowie in lächerlichen Beschreibungen einre ausgesprochen inkonsequent dargestellten Beziehung eines Einsatzleiters zu Perrys Enkelin. Immerhin gelingt es mit etwas Glück, Kontakt zum cairanischen Widerstand herzustellen. Anstatt diesen an einen sicheren Ort zu bringen und dort mehr zu erfahren, bringt man die verbliebenen Gelehrten der Cairaner alle an einen Ort, wo die Handlanger der Chaotarchin ein leichtes Spiel haben, den Großteil von ihnen zu töten. Auf diese Hilfe der Terraner könnte jeder gut verzichten. Es ist aber auch erschreckend, wie wenig Konsequenzen Perry und seine Begleiter aus diesem Fiasko ziehen. Das wirkt nicht realistisch. Aber warum sollte man den Cairanern auch helfen, wenn man selbst schon die wichtigste Information erhalten hat: Es gibt in der Galaxis einen Zugang zur so genannten „Zerozone“, in der sich vielleicht die echte Erde versteckt. Da wird man natürlich hellhörig: Hat sich die Suche etwa gelohnt?

Band 3049: In der Zerozone (von Susan Schwartz) Donn Yaradua gelingt es zusammen mit Mulholland in die Zerozone vorzudringen. Dort hat sich eine Stadt des örtlichen Spinnenvolkes versteckt und möchte gerne weiterhin unentdeckt leben. Yaradua gelingt es, die Koordinaten der Erde zu erhalten, im Austausch gegen das Versprechen, das Tor zur Zerozone zu zerstören, nachdem das Terraner-Team in Richtung Erde gestartet ist. In der Zwischenzeit tricksen Perry und die Ras Tschubai die Handlanger der Chaotarchin aus. Nach dem durchaus gelungenen Heft auf der Welt der Spinnenwesen, interessiert sich „In der Zerozone“ überhaupt nicht mehr für das Volk, dass Yaradua den Zugang zur Zerozone offenbart hat. Im Gegenteil man nimmt sogar in Kauf, dass die Handlanger der Chaotarchin ihre Wut an diesem Volk auslassen. Das wirkt egoistisch und ausgesprochen unsympathisch. Die Flucht vor den Helfen der Chaotarchin ist ebenfalls nicht besonders spannend und so bleibt von „In der Zerozone“ eigentlich nur das verschenkte Potential eines eigentlich interessanten Settings in Erinnerung.

Band 3050: Solystem (von Christian Montillon) Halbzeit! Von nun an gibt es mehr Romane des „Mythos“-Zyklus als noch folgen werden. Mit welchem erzählerischen Meisterwerk versüßt die „Perry Rhodan“-Redaktion ihren Lesern diesen Meilenstein? Mit gar keinem. Perry und seine Begleiter kommen im Sol-System an, werden kühl empfangen und bereits im ersten Gespräch von Fanatikern angegriffen, die mit Gewalt zeigen wollen, dass die neue Heimat der Menschheit in der Zerozone ist. Nachdem Regierungsvertreter die Lage beruhigen können, erscheinen Tefroder, die die Auslieferung Perrys und seiner Begleiter verlangen oder mit Krieg drohen. Und da alle Liga-Technik wegen der erhöhten Hyperimpedanz nicht mehr funktioniert, würde das wahrscheinlich mit einer Niederlage der Menschen enden. Anstatt daraus aber eine interessante und vielleicht auch etwas überraschende Geschichte zu stricken, besteht die Hälfte des Heftes aus rührseligen Rückblenden in die Zeit als die Erde von unserem Universum in die Zerozone versetzt wurde und Homer G. Adams versucht, der verstörten Menschheit etwas Hoffnung zu geben. Außerdem taucht ein Thesanit auf, was ein weiteres Hilfsvolk der Cairaner ist. Alles in allem sind die geschilderten Entwicklungen durchaus plausibel. Symptomatisch für die Serie ist jedoch, dass man sich nicht einmal die Mühe macht, daraus eine zusammenhängende Geschichte zu entwickeln, die den Platz eines Heftes tatsächlich ausnutzt. Stattdessen wird mit platten Rückblenden gearbeitet, Spannung durch ständige Handlungswechsel verhindert und keine einzige überzeugende Szene konstruiert. Denn Perry und seine Begleiter sind das ganze Heft durch nur passive Figuren, die betrachten, welche Reaktionen ihre Ankunft auslöst. Hier hätte man sich wenigstens die Mühe geben können, irgendeine Art von aktiver Handlung in das „kleine“ Jubiläumsheft einzubauen. Am Ende muss natürlich ein Cliffhanger mit dem Holzhammer folgen (das Tefroder-Schiff ist natürlich mehrere Kilometer lang!). Es wird nicht einmal versucht, den Eindruck eines eigenständigen Heftes zu vermitteln. Das ist zwar keine große Überraschung, schließlich ist das Heft der erste Teil eines Vierteilers. Dennoch bietet „Solystem“ daher weder interessante Inhalte und Informationen, noch eine gelungene Geschichte.

Hätte ich mir nicht vorgenommen, zum Jubiläumsband 3000 wenigstens einmal einen ganzen „Perry Rhodan“-Zyklus durchzuhalten, wäre die Geschichte spätestens hier für mich zu Ende. Wie man in 50 Bänden so wenig Vorarbeit für wenigstens eine überzeugende, Handlungsstränge zusammenführende Erzählung leisten kann, ist mir schleierhaft. Der Zyklus hat durchaus interessante Aspekte: Die Brutalität der Cairaner, der Schrecken der Ladhonen, aber auch die Manipulation aller Daten aller Völker in der Milchstraße und damit die Auslöschung aller galaktischer Erinnerung und der Missbrauch von Informationen in der asymmetrischeN Kriegsführung. Nur nutzt die Serie keinen dieser Aspekte. Stattdessen werde permanente Wiederholungen, in denen Planeten vor der Zerstörung gerettet werden wollen oder aber mal wieder irgendwelche x-beliebigen Piraten abgewehrt werden müssen, mit einer uninspirierten Handlung verknüpft, in der der kleinste Informationsfetzen als die größte Neuigkeit des Jahrhunderts (vor allem von der Heftvorschau) gefeiert wird. Das ist ermüdend, macht kaum Lust auf die nächste Folge und ist wirklich schade. Denn die kleinen, guten Ansätze, wie die Spionagemission der USO in Heft 3032, die Konfrontation um Arkon in Heft 3040, aber auch die überzeugende Schilderung einer fremden Kultur in Heft 3048 bieten durchaus Potential. Und sogar die überstrapazierte Form der Rückblende wird einmal in Heft 3012 gut eingesetzt. Doch zwischen den permanenten Wiederholungen nie gelöster Fragen („Kann man Reginald Bull wirklich trauen?!“) und dem aktiven Desinteresse an spannenden Handlungssträngen (Rückblenden in Heft 3041 nach einem spannenden Cliffhanger in Heft 3040; die wohl langweiligste Rückblende des bisherigen Zyklus in Heft 3045, nachdem man gerade von einer potentiellen cairanischen Superwaffe in Heft 3044 gehört hat) gehen solche Elemente völlig unter. Letztlich wird in „Perry Rhodan“ alles einer unemotionalen und vor allem starren Makro-Zyklus-Handlung untergeordnet, in der sich weder einzelne Hefte noch einzelne Handlungsstränge entfalten dürfen. Dadurch verbaut sich die Serie die Möglichkeit, wöchentlich eine überzeugende Geschichte zu erzählen und ist auf Gedeih und Verderb der Qualität ihrer Zyklushandlung ausgeliefert. Und da muss man für diesen Zyklus sagen: Es hat keiner daran gezweifelt, dass Perry die Erde wiederfinden wird. Und deswegen ist dadurch auch niemals Spannung aufgekommen.

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