Zwölf Bände für ein Rendez-Vous und andere Habitatabenteuer (Perry Rhodan 3009-12)

Perry Rhodan und die Besatzung der Ras Tschubai haben die Galaxie gerettet. Dabei sind sie 500 Jahre in die Zukunft versetzt worden. Sie müssen feststellen, dass die Milchstraße die Erde vergessen hat und nun von den mysteriösen Cairanern regiert wird. Diese nutzen brutalste Technik, um die Galaxis zu befrieden. Außerdem machen sie Jagd auf Zellaktivatorträger wie Perry und Atlan. Während die Ras Tschubai nach dringend benötigten Reparaturen Ausschau hält, versucht Perry sich mit dem Rest der Liga Freier Terraner zusammenzuschließen, die von seinem alten Freund Bully angeführt werden und im Zentrum der Milchstraße gegen den Einfluss der Cairaner Widerstand leisten.

Band 3009: Clan der Saboteure (von Leo Lukas) Die Posbis auf Culsu sind bereit, die Ras Tschubai zu reparieren. Im Austausch benötigen sie jedoch die Hilfe von Atlan und Gucky, um eine abtrünnige Minderheitsfraktion in ihren Reihen aufzuspüren. Das führt zu einer gelungenen Mischung aus Erkundung von Culsu und hektischer Jagd. Hinter dem Konflikt stehen indirekt die Cairaner: Die Posbis fürchten eine Unterwanderung durch die Cairaner und haben dagegen Maßnahmen ergriffen. Doch die Wärter dieser Gegenmaßnahmen wurden mit der Zeit so paranoid, dass sie allen und jeden als Doppelagenten der Cairaner halten. Der Roman lebt jedoch hauptsächlich von den Zweifeln Atlans und Guckys in einen externen Konflikt einzugreifen. Die Lösung ist überzeugend. Alles in allem ein solider, unterhaltsamer Roman, der die Haupthandlung jedoch kein Stück voran bringt. 

Band 3010: Willkommen auf Gongolis (von Susan Schwartz) Perry Rhodan kommt seinem Ziel mit Bully zu sprechen immer näher. Nun soll er auf der belebten Station Gongolis mit einem Unterhändler Bullys sprechen, der sicherstellen wird, dass Perry tatsächlich Perry ist. Dieser Handlungsstrang wirkt total albern. Warum trifft sich Bully nicht einfach irgendwo im Weltall mit Perry? Er könnte dabei von genügend Schiffen gesichert sein und er könnte Perry dazu zwingen, mit nur wenig Bewaffnung zu kommen. Aber nein, man versucht sich auf einem überaus belebten Habitat zu treffen. Das geht natürlich schief. Unter Perry Beratern ist ein geflohener Gefangener der Cairaner. Das löst umgehend einen Alarm aus. Das einzig positive an dem Roman ist die düstere Nebengeschichte: Hier versucht ein spielesüchtiger Mann alles zu tun, um seine Schulden abzubezahlen, ohne dass seine Gattin dabei verletzt wird. Dafür begibt er sich auch auf kriminelle Pfade. Am Ende stellt sich heraus, dass seine Gattin die Abhängigkeit eingefädelt hat und das kriminelle Mastermind hinter allem ist – der Mann erfährt dies jedoch erst auf seinem Sterbebett. Abgesehen für diese zynische aber doch irgendwie bewegende Geschichte bietet „Willkommen auf Gongolis“ wenig.

Band 3011: Habitat der Träume (von Verena Themsen) Gongolis ist auch der Schauplatz des folgenden Romans. Perry kehrt diesmal ohne den einstigen Gefangenen der Cairaner zurück. Trotzdem erwarten ihn Turbulenzen. Anstatt sich gegenüber Bullys Abgesandten ausweisen zu können, wird Perry am Ende ein Zuschauer eines Schaukampfes bekannter Arkoniden in einem futuristischen Kolosseum. Das Spektakel artet bald in einen tatsächlichen Kampf aus, als die Gegner der Arkoniden den Herrscher von Gongolis angreift. Perry und seine Mitstreiter können den Angriff abwehren. Dadurch erlangen sie auch Bullys vertrauen – der einstige Freund Perrys befand sich inkognito unter den Besuchern. Mit dieser letzten Enthüllung bringt „Habitat der Träume“ die Handlung einen gewaltigen Schritt nach vorne. Seit nunmehr 12 Bänden, seit Bullys Auftakt im Epilog des Zyklusauftaktes hat man auf seine Rückkehr gewartet. Das erfolgt hier nun unspektakulärer als gedacht: Nach all dem Verwirrspiel ist Bully längst in der Nähe. Netter Einfall, aber nach all dem Vorgeplänkel etwas unbefriedigend. Immerhin ist die geschäftige Atmosphäre der Station gut eingefangen und eine Reihe französischer Wortspiele sorgen zudem für Schmunzeln.

Band 3012: Totenschiff (von Liza Grimm) Wer gedacht hat, das arkonidische Geschwisterpaar Pethora und Guulem da Gavvhad aus dem Schaukampf des vorherigen Teils wären nur eine kurzweilige Kuriosität gewesen, wird in „Totenschiff“ eines Besseren belehrt. Tatsächlich stammen die Zwillinge von dem Planeten Ghabar, auf dem ein Vital-Suppressor der Cairaner den Bewohnern alle Lebensenergie entzieht. Nur durch einen Deal mit dem Teufel können die Geschwister, ihre echten Namen lauten Odin und Dva, ihre Energie behalten: Im Austausch müssen sie für Experimente der Cairaner zur Verfügung stehen. Den beiden gelingt es zu fliehen. Doch die Cairaner bleiben ihnen auf den Versen und nach einer Ausbildung durch eine alte Arkonidin werden die beiden Assassinen einer Fraktion der Cairaner. Dieses Einzelabenteuer wirkt etwas altbacken, da es einen langen Zeitraum auf wenigen Seiten nur oberflächlich behandeln kann. Dennoch entwickelt man erstmals seit langem in diesem Zyklus so etwas wie Sympathie für die (eigentlich mordenden) Protagonisten. Außerdem wird die Brutalität der Cairaner, die ganze Gesellschaften für ihre Experimente missbrauchen, hier einmal mehr auf eindringliche Art überdeutlich. Und so ist es wieder einmal ein etwas aus der Reihe tanzendes Einzelabenteuer, dass der beste Roman ist. Ironischerweise erfährt man durch Odin und Dvas Blick auf die Cairaner, mehr über die galaktische Lage als in den drei vorherigen Abenteuern Perrys und Atlan zusammen.

Der dritte Monat seit dem Zyklusauftakt präsentiert eine leichte Qualitätsverbesserung. Die Abenteuer sind alle relativ überzeugend. Die übergreifende Handlung stagniert zwar entweder weiterhin oder nähert sich in geradezu ärgerlichen Mini-Schritten, wie dem Kontakt mit Bully, einem mit einer Lupe noch messbarem Fortschritt an. Die Erzählungen sind nicht bahnbrechend anders als die des vorherigen Monats. Gerade die Posbi-Abenteuer Atlans ähneln sich in der Atmosphäre teilweise sehr. Dafür sind die Protagonisten interessanter. Die Minderheit der Posbis auf Culsu, der Bürokrat der Einwandererbehörde auf Gongolis oder das Geschwisterpaar Odin und Dva – die Gegenspieler Atlans und Perry sind nicht mehr nur platte Figuren, sondern werden etwas vielschichtiger als noch zuvor. Während die Zyklushandlung weiterhin enttäuscht, sorgt das für bessere Unterhaltung in den einzelnen Abenteuern. Und wer weiß, nun da die Ras Tschubai kurz vor der Reparatur steht und Bully aufgetaucht ist, nimmt die Handlung vielleicht auch endlich Fahrt in Richtung Spannung auf.

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