Iya – die von Cairanern bewachte Erde der Ayee (Perry Rhodan 3017-3020)

Die Milchstraße hat Perry Rhodan in den 500 Jahren seiner Abwesenheit vergessen! Und nicht nur das, auch die Erde ist verschwunden und mit ihr das einstige politische Zentrum der Galaxis. Stattdessen sorgen nun die Cairaner mit brutalen Methoden dafür, dass Frieden in der Galaxis herrscht. Die Liga der Terraner ist auf einen kleinen Kernbereich beschränkt und sieht dem Treiben der Cairaner machtlos zu. Außerdem ist es ihr trotz der verstrichenen Jahrhunderte nicht gelungen, das Verschwinden der Erde oder die Absichten der Cairaner aufzuklären. Doch nun ist Perry Rhodan zurückgekehrt. Er kann Bull, den derzeitigen Regierungschef der Liga-Überreste, davon überzeugen, mit ihm ins Sonnensystem vorzustoßen. Dieses wird von den Cairanern von der galaktischen Öffentlichkeit abgeschirmt, der Aufenthalt dort is also ausgesprochen gefährlich. Doch Rhodan hofft, dort wichtige Hinweise auf den Verbleib der Erde und möglicherweise sogar über die Absichten der Cairaner.

Band 3017: Terra Incognita (von Susan Schwartz) Mit einer abenteuerlichen Scharade dringt Bull in das Sonnensystem vor. Er spielt den Cairanern vor, dass er den zurückgekehrten Perry Rhodan für einen Rivalen hält. Um ihm das Handwerk zu legen, spielt er vor mithilfe eines Besuches des Sonnensystems seine eigene Position zu festigen und die Position Rhodans unter den Menschen zu unterminieren. Während dieses Theaters machen sich Rhodan und einige Begleiter unbemerkt auf den Weg auf den Planeten Iya, der anstelle der Erde aufgetaucht ist. Dort retten sie zwei Ayees, die Bewohner dieses Planeten, das Leben. Dabei erfahren sie, dass die Ayee in großer Angst vor den Teaanern, den mythischen Lebensnichtern leben. Rhodan und Begleiter geben daher vor, weder Teaaner noch Terraner zu sein, und begleiten die geretteten Forscher auf den Weg in deren Heimat. Der Roman ist ein solider Auftakt für einen neuen Handlungsabschnitt. Natürlich erfährt man nichts nennenswert Neues. Außerdem ärgert es einmal mehr, dass Rhodan noch immer Zweifel gegen Bull hegt und sich z.B. fragt, wie viel an dessen Scharade der Realität entspricht. Gleichzeitig ist der Ausflug auf die Alternativerde, auf der alles unterschiedlich scheint, genetisch aber recht ähnlich ist, interessant. Die vielleicht interessanteste Frage des bisherigen Zyklus ist, warum die Cairaner so sehr am Sonnensystem interessiert sind. In „Terra Incognita“ wird deutlich, dass die Cairaner ausgesprochen nervös sind, wenn Terraner oder – aus noch ungeklärten Gründen – ein Zain-Konstrukt. Am Folgenreichsten aus diesem Heft wird wohl der Eindruck der Thesanitin Zemina Paath von Iya sein. Die Thesaniten standen irgendwie in Verbindung mit dem „Raub“ der Erde, Paath hat jedoch ihr Gedächtnis verloren. Auf Iya kommt ihr das Wort „Konvergenz“ in den Sinn. Die Tatsache, dass die kleine Frage nach der Motivation der Cairaner, der interessanteste Aspekt des Zyklus und ein intuitiver Gedanke an „Konvergenz“ der bedeutsamste Fortschritt dieses Heftes ist, spricht Bände über die Qualität des Zyklus. Abgesehen davon ist „Terra Incognita“ aber eine der stärkeren Folgen des „Mythos“-Zyklus.

Band 3018: Welt der fünf Augen (von Susan Schwartz) Rhodan und seine Gefährten begleiten die geretteten Forscher Dunyuu und Shashay in einem Luftschiff in deren Heimat. Auf dem Weg dorthin gerät der Zeppelin in einen Sturm, mithilfe ihrer SERUNS retten Rhodan und sein Team die beiden Forscher ein weiteres Mal. In deren Heimat Shabaydaa angekommen, macht sich jedoch bald Misstrauen gegenüber der frühen Rückkehr der beiden Ayee breit. Die Cairaner gehen dem Nach und setzen Dunyuu fest. Rhodan hat in der Zwischenzeit weitere Informationen über die Legende der Ayee über die bösen Teaaner erhalten. So werden die Cairaner als Entwicklungshelfer gesehen, die die Welt einst vor den Lebensnichtern der Teaaner beschützt haben. Außerdem werden Zemina Paaths Volk, den Thesaniten, Statuen gewidmet. Als Rhodan von der Entführung Dunyuus durch die Cairaner erfährt, retten sein Team und er den Ayee. Gemeinsam beschließen sie, mit einem Zug in Richtung der Hauptstadt des Planeten zu fahren, um mit der Anführerin der Ayee zu sprechen und mehr herauszufinden. „Welt der fünf Augen“ lebt von seinem überraschend hohen Tempo. Der beinahe Absturz des Luftschiffs, die Entführung durch die Cairaner, das Verhör Dunyuus und im Anschluss die Befreiung des jungen Forschers sind spannend erzählt. Erstmals vergisst man darüber die langatmige und inhaltslose Handlung des Zyklus und kann sich ganz über diese unterhaltsame und teilweise sogar überraschend informative Episode.

Band 3019: Das Rätsel von Pesha (von Uwe Anton) Rhodan und seine Begleiter fahren mit einem Zug nach Pesha, der Hauptstadt der Ayee. Auf dem Weg kommt es zu einem Zwischenfall als die Terraner die Diamanten der Ayee, die ein Geschenk der Cairaner sind, erforschen möchten. Die Ayee finden es gar nicht lustig, dass die Terraner auf einmal ihr „Eigentum“ beschädigen. Auf der Weiterreise vom Bahnhof in die Hauptstadt wird Rhodans Team angegriffen, muss sich mit Energiewaffen wehren. Das ruft die Cairaner auf den Plan. Doch nachdem sie von Cairanern umstellt sind, erhält Rhodan Rettung von unerwarteter Seite: Eine Gruppe Ayee vertreibt die Cairaner und löscht deren Erinnerung aus. Es sind die Leute der Shoijona Todoyhu, der Anführerin der Ayee. Sie wollen sich zunächst selbst ein Bild von Rhodan machen, bevor die Cairaner dieses erhalten. In einer Nebenhandlung erfährt man von der Zuneigung des cairanischen Regionalgouverneurs Paiahudse Spepher zu seiner zweiten Gattin und erfährt darüber, dass das Sonnensystem eine wichtige Rolle in einem geheimen, ihm auch nicht ganz bekannten Projekt der Cairaner ist, das das Überleben der Cairaner garantieren soll. Außerdem wird aus diesen Gedanken deutlich, dass Spepher selbst nicht weiß, dass sich die Erde einst an dieser Stelle befand. „Das Rätsel von Pesha“ ist wie die vorherigen Romane auf Iya ein dynamischer Roman. Allerdings ist er etwas schwächer als die Vorgänger. Das liegt an einigen ärgerlichen Handlungswendungen. Zunächst einmal ist es völlig unerklärlich, wie man das ungefragte Abmontieren von Diamanten (!) für eine gute Idee halten kann. Mit was für Rüpeln reist Rhodan eigentlich durch die Gegend? Und dann ist die Erzählwende, in der auf einmal Ayee als Retter auftauchen, ein wenig zu überraschend. Zuletzt irritiert die Erzählweise, in der der Leser bereits Informationen über die Cairaner erhält, die Rhodan noch nicht hat. Da Spepher selbst nichts zur Handlung des Heftes beiträgt, kann dies nur bedeuten, dass die Informationsfetzen, die hier präsentiert werden, irgendwann noch einmal präsentiert werden müssen. Außerdem erinnern Spephers Spekulationen über Bulls Motive daran, wie unrealistische es ist, dass die Cairaner den Herrscher der Liga nicht nur Zugang zum Sonnensystem gestatten, sondern ihm auch noch so viel Zeit geben, dass Rhodan geradezu ohne Zeitnot Iya erforschen kann. Alles in allem ist auch „Das Rätsel von Pesha“ eines der solideren Hefte des Zyklus, die Handlung fällt aber wieder in die ärgerliche Mischung aus Logiklöchern und Füllhandlungen zurück.

Band 3020: Die Stunde des Orakels (von Michelle Stern) Rhodan reist mit der Shoijona der Ayee zu dem Orakel Eyshu. Die Shoijona möchte dadurch herausfinden, ob von den Terranern eine Gefahr für die Ayee ausgeht. Doch auf dem Weg dorthin hat das Luftschiff ganz andere Gefahren zu bestreiten: Ein Schwarm agressiver Vögel greift den Zeppelin an, dieser muss in Folge Notlanden. Dies nutzen die Cairaner aus. Protokonsul Spepher wünscht, das Orakel zu sehen. Rohdan kann nur mit einem Trick verhindern, dass er das Orakel nur unter der Aufsicht der Cairaner sieht: Mithilfe ihrer SERUNS reisen Rhodan, die Shoijona und einige Begleiter vor, während die Cairanter dem langsamen Zeppelin der Ayee folgen müssen. Beim Orakel stellt Rhodan fest, dass Eyshu eigentlich YLA ist, die „Tochter“ des einstigen Superrechners der Terraner NATHAN. Auf der einen Seite ist „Die Stunde des Orakels“ sehr unterhaltsam. Die Handlung kommt voran und vor allem die Verwirrspiele mit den Cairanern geraten in dieser Folge unterhaltsam. Leider leidet die Handlung aber auch darunter, dass das Auftauchen der Cairaner viel zu konstruiert wirkt. Angeblich möchte Spepher unbedingt das Orakel kennenlernen. Die Cairaner scheinen auch verwundert darüber zu sein, dass die Shoijona das Orkale besucht. Aber wenn die Cairaner bereits seit Jahrhunderten auf dem Planeten sind, muss so etwas vorher schon einmal passiert sein. Ihre Verwunderung wirkt daher merkwürdig. Die Identität Eyshus ist eine wirklich Überraschung, da von dem Orakel nun aber bereits seit mehreren Heften gesprochen wird, ist es kaum eine Überraschung, dass sich jemand Bekanntes hinter dem Orkale verbirgt. Darunter leidet das Ende des Heftes ein wenig. Alles in allem ist „Die Stunde des Orakels“ eine kurzweilige Episode, jedoch unter denselben „Zufällen“ wie der Vorgänger leidet.

Der „Mythos“-Zyklus macht mit dem Besuch Iyas einen qualitativen Handlungssprung. Auf Informationen und Fortschritte wartet der Leser natürlich vergeblich. Aber die Gesellschaft der Ayee ist interessant, die Bedrohung durch die Cairaner so präsent, dass man die unlogischen Prämissen des Besuches streckenweise ganz verdrängen kann. Daraus entstehen einige spannende Momente und vor allem mehr direkte Interaktionen mit den Cairanern. Es tut der Handlung gut, dass diese aus dem Schatten geholt werden und nun nicht mehr nur noch Kopfegeldjäger auf Rhodan hetzen – auch wenn sie (noch) nicht ahnen, dass sich Rhodan unter ihnen befindet. Zuletzt erfährt der Leser durch Protokonsul Spepher auch davon, dass die Cairaner um ihre eigene Existenz fürchten und sich zu verteidigen suchen. Das ist ein naheliegender Gedanke: Die Cairaner zeigen Stärke, um sich selbst zu schützen. Nur scheinen die Cairaner absolute Mitläufer zu sein, außer der Leitungsebene weiß niemand, worum es dem Cairanischen Friedensbund eigentlich geht. Diese Informationen sind daher recht absurd, angesichts der erstmals in diesem Zyklus über vier Hefte leidlich gelungenen Erzählungen kann man aber darüber hinweg sehen.

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