Müde Entführungen (Perry Rhodan Bände 3067-70)

Perry Rhodan und Atlan haben 500 Jahre übersprungen. Sie finden eine Milchstraße, die von den mysteriösen Cairanern beherrscht wird. Außerdem ist die Erde verschwunden. Während Atlan bald ganz damit beschäftigt ist, einen Bürgerkrieg unter seinen Arkonen zu schlichten, reist Rhodan in die Heimatgalaxis der Cairaner. Er erfährt, dass die Cairaner einst für eine Superintelligenz gearbeitet haben, aber von einer angehenden Chaotarchin vertrieben wurden. Immerhin findet er einen Zugang in das Dyoversum, wo er die verschwundene Erde entdeckt. Der Großteil seiner Missionsbesatzung macht sich jedoch mit der RAS TSCHUBAI auf den Weg zurück in die Milchstraße. Dort versucht der einstige Geheimdienst der freien Milchstraßenvölker, USO, das Vertrauen der Cairaner zu erwerben, um von innen gegen die Besatzung vorzugehen.

Band 3067: Die Ägidenwelt (von Michael Marcus Thurner) Der Haluter Icho Tolot lebt weiterhin seine unkontrollierbare Drangwäsche aus. Dabei stößt er auf der Ägidenwelt auf geklonte Menschen und Blues, die in einem ewigen Kampf miteinander verstrickt sind. Auf der Heimatwelt der menschlichen Fraktion entdeckt er mit seinen Begleitern, dass es freie Enklaven auf dem Planeten gibt, die sich der Kontrolle der rigiden Führung entzogen haben. Nach einigen Gefechten und mit Unterstützung der Rebellen gelingt es ihnen, die wahren Herren hinter dem Szenario auszuräuchern: Die Cairaner haben die Klone geschaffen, um sich durch Simulationen über die Strategien der Milchstraßenbewohner zu informieren. Der Vorgänger dieses Zweiteilers litt darunter, dass die riesigen Raumschlachten durch wenige Einheiten der Terraner gestört werden konnten. Der zweite Teil hat eine deutlich stärkere Handlung, enthüllt die Hintergründe des Konflikts und schafft mit den Bewohnern der Ägidenwelt aber auch mit dem cairanischen Statthalter interessante Nebenfiguren. Alles in allem sorgt das für ein deutlich stärkeres und zumindest streckenweise spannendes Heft. Allerdings scheint es so als würden die Klone für die eigentliche Handlung des Zyklus keine Rolle mehr spielen. Stattdessen bietet dieses Heft lediglich einen Vorwand bieten, um das Zain-Konstrukt Annba, eigentlich ein sehr interessanter Charakter, der bisher allerdings kaum Platz in dem Zyklus erhielt, aus der Serie zu schreiben. Das ist schade.

Band 3068: Die Seele des Schulterreiters (von Uwe Anton) Monkey, der Lordadmiral der USO, jagt Saessbekker, eine Agenten der Phersunen in der Milchstraße. Er muss unbedingt verhindern, dass Saessbekker die Phersunen über die Anwesenheit der Cairaner in der Milchstraße informiert. Ansonsten würde rasch eine Invasionsflotte in der Milchstraße eintreffen. Ihm im Weg stehen zwei sehr mächtige Tomopaten, die Seassbekker wiederholt gegen die USO auf ihren eigenen Schiffen einzusetzen weiß. Seassbekker kann andere Lebewesen übernehmen und springt wild zwischen der Besatzung in Monkeys USO-Flaggschiff herum. Nur mit einer Fall gelingt es, den Phersunen auszuschalten. Der Roman neutralisiert eine große Gefahr, wirkt dabei aber eher wie ein Routineheft, was auch daran liegt, dass es zu einem großen Teil in dem USO-Raumschiff spielt. Und die Übernahme eines Schiffes durch Saessbekker wurde jüngst bereits spannender inszeniert.

Band 3069: Prinzessin in Not (von Verena Themsen) Nachdem er Saessbekker neutralisiert hat, verlangt Monkey von den Cairanern mehr Lizenzen (mit dem geheimen Motiv, mehr spionieren zu können). Die Cairaner stimmen zu, doch sind sie weiterhin daran interessiert, Atlan unter ihre Kontrolle zu bekommen. Sie haben Jasmyne da Ariga, Atlans tot geglaubte Tochter aufgespürt. Sie regiert den Planeten Arkhamtar. Monkey soll die junge Dame aufspüren. Allerdings sind auch die Ladhonen und verschiedene arkonische Fraktionen hinter ihr her. Sie hoffen damit Bewegung in den arkonidischen Bürgerkrieg zu bringen. Das Heft ist zu weiten Teilen aus den Augen Jasmyne da Arigas verfasst und besteht aus einer wilden Flucht vor einer ladhonischen Invasionsflotte und dem anschließenden Versteckspiel vor verschiedenen Jägern. Monkey und seinem Team gelingt es zwar rasch, Kontakt mit der Prinzessin aufzunehmen. Doch haben sie kaum kampfkräftige Unterstützung. Es gelingt ihnen nur von Arkhamtar zu fliehen, indem sie die anderen jagenden Fraktionen gegeneinander ausspielen. Das ist sehr unterhaltsam zu lesen. Alles in allem lebt „Prinzessin in Not“ von der temporeichen Flucht da Arigas und den Finten Monkeys und seines Teams. Das kann aber nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass der cairanische Plan, Atlan mithilfe seiner Tochter in eine Falle zu locken, arg kompliziert ist. Zudem ist es erzähltechnisch etwas zu einfach, eine für tot geglaubte Person aus dem Hut zu zaubern, um die Handlung voranzubringen. Immerhin wird der Ärger über diese etwas ärgerliche Entwicklung der Zyklushandlung mit einem kurzweiligen Heft gelindert. Was man auch nicht vergessen darf: Das Cover des Hefts ist das mit Abstand trashigste und albernste des bisherigen Zyklus. Es hebt sich dadurch angenehm durch die generischen und nichtssagenden Weltraumbilder (s. nächstes Heft) und die misslungen in der Gegend herumstehenden Figurenbilder (s. vorheriges Heft) ab.

Band 3070: Die Physik des Friedens (von Michelle Stern) Monkey hat die Prinzessin da Ariga gerettet. Doch dann machen ihm die beiden Tompaten Ly und Genner an Bord einen Strich durch die Rechnung: Sie entführen die Prinzessin. Atlan macht sich umgehend mit dem Flaggschiff der Liga, der THORA, auf den Weg um die Entführer zu stoppen. Er weiß, dass es sich dabei um eine Falle handelt – schließlich wollen die Cairaner, die die Tomopaten an Bord von Monkeys Schiff untergebracht haben, Atlan in ihre Gewalt bekommen. Dabei gerät er in einen obskuren Friedenskongress, auf dem auch die Cairaner vertreten sind. Während des Kongress kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den Entführern und Atlans Team. Am Ende der Auseinandersetzung ist Atlan zwar am Leben, doch die Tomopaten haben Gucky entführt. Es schien ihnen von Anfang an darum zu gehen, Gucky zu entführen. Michelle Sterns Episode ist kurzweilig und spannend. Atlan fliegt bewusst in eine Falle, um seine – wie sich mittlerweile herausgestellt hat – Enkelin zu retten. Die Überraschung, dass es den Tomopaten eigentlich um Gucky geht, ist sehr gelungen. Weniger gelungen ist jedoch einmal mehr der Hintergrund des Hefts. Die Tomopaten sind zweifelhafte Gesellen. Warum vertrauen die Cairaner ihnen? Etwa die Hälfte des Heftes besteht aus Szenen, in denen einer der Tomopaten mit da Ariga herumspielt. Das wirkt hochgradig unprofessionell und etwas zu albern. Es ist außerdem unverständlich, dass sie da Ariga entführen konnten. Monkey hat ihnen von Anfang an misstraut, warum konnte er die Entführung dann nicht verhindern? Die Handlung bringt den Zyklus kein Stück voran und zeigt einmal mehr, dass zentrale Charaktere der Serie, Atlan und Monkey, überraschend unfähig sind, Gefahren richtig einzuschätzen. Jasmyne da Arigas Entführung wirkt wie eine große Ablenkung von der nicht vorhandenen Zyklushandlung. Der Erkenntnisgewinn ist gering, die Tomopaten als Gegner uninteressant und die ständig neuen Entführungskonstellationen wirken viel zu konstruiert, um Spannung aufzubauen.

Die Juni-Hefte können das Niveau des Mais nicht halten. Die Handlung im Dyoversum war zwar erkenntnisarm, aber spannend. Die Ägidenwelthandlung wird mit einem soliden und kurzweiligen Abenteuer abgeschlossen. Die hier geschaffene Simulation aus Klonen ist gigantisch und faszinierend. Diese Entdeckung bleibt aber ohne Folgen für den Zyklus, man erfährt nicht einmal, welche relevanten Lektionen die Cairaner aus ihrer aufwendigen Simulation gezogen haben. Und während die USO und Monkey eigentlich Garanten für die wenigen sowohl spannenden als auch inhaltlich relevanten Episoden dieses Zyklus waren, enttäuschen sie in diesem Monat. Die Jagd auf Staessbekker gerät unspektakulär, die von den Cairanern aus dem Hut gezauberte Prinzessin da Ariga wirkt eher wie ein spätes Ablenkungsmanöver von der nur äußerst schleppend vorankommenden Zyklushandlung. Da Arigas erster Auftritt in Band 3069 ist zwar immerhin kurzweilig und Guckys Entführung eine kleine Überraschung. Angesichts der Irrelevanz der Handlung und der planlos agierenden Atlan und Monkey wirkt der Nebenschauplatz dieses Monats so müde wie die überalterten männlichen „Helden“ der Serie. So bleibt zu hoffen, dass Guckys Entführung etwas Bewegung in den müden Zyklus bringt.

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