Spannung im Dyoversum (Perry Rhodan Bände 3063-66)

Die Cairaner beherrschen die Milchstraße. Die Erde ist verschwunden. Doch Perry Rhodan hat sie wiedergefunden! Unser Planet befindet sich mittlerweile im parallelen und weitgehend unbewohnten Dyoversum. Die Tefroder sind das einzige den Terranern bekannte Volk, das auch in diesem Universum existiert. Sie stehen den Neuankömmlingen alles andere als wohlgesonnen gegenüber und als Perry auftaucht kommt es zum Kampf. Die RAS TSCHUBAI hat derweil in der Heimatgalaxis der Cairaner mehr über die chaotarchischen Kräfte erfahren, die die Cairaner von dort vertrieben haben. Außerdem konnten sie die Superintelligenz, für die die Cairaner einst arbeiteten, befreien. Nun ist das Schiff auf dem Rückweg in die Milchstraße, um die Erkenntnisse der Mission zu teilen.

Band 3063: Ceres (von Susan Schwartz und Christian Montillon) Perry Rhodan wurde auf Zeut Vitalenergie entzogen. Als er die Ursache für den Angriff auf seinen Zellaktivator sucht, werden er und sein Team überwältigt und auf eine Station auf dem Asteroiden Ceres versetzt. Hier weilt die einzige Überlebende eines Teams von Cairanern, die mit der Erde in das Dyoversum wechseln sollten. Sie hat keinerlei Verständnis von dem Wert menschlichen Lebens, aber einen Hang zu Spielen. Rhodan verbringt den Großteil des Romans damit, mit der bereits seit Kindheitstagen nur von Robotern aufgezogenen Konsulin um das Leben seiner Kameraden zu spielen. Dabei erfährt er einige Informationen über die Cairaner. Die Episode ist durchaus spannend und der bisher beste Teil der schleppenden Dyoversums-Handlung. Es ist natürlich absurd, dass sich Rhodan überhaupt auf diese Mission begibt. Es stehen Friedensverhandlungen mit den Tefrodern ab, die einzig und allein von seiner Präsenz abhängen. Dass er sich kurz vorher in Lebensgefahr begibt und die Mission nicht auf die Zeit nach den Verhandlungen verschiebt ist fahrlässig und verantwortungslos. Außerdem sind die Informationen der Konsulin absolut wertlos. Wir erfahren, dass die Cairaner etwas mit dem Verschwinden der Erde zu tun hatten. Das Gegenteil wäre eine Überraschung gewesen. Wir erfahren außerdem, dass die Cairaner lange vor dem Verschwinden der Erde in der Milchstraße aktiv waren. Auch das ist bereits aus anderen Handlungssträngen bekannt. Sieht man aber über diese beiden Schwächen hinweg, so gelingt es dem Heft tatsächlich, einen cairanischen Charakter interessant zu porträtieren. Die Konsulin ist ohne Erwachsene aufgewachsen und verfolgt einen Auftrag, dessen Tragweite sie selbst nicht ganz versteht. Am Ende stellt sie sich als lebensmüde Dame heraus, die keine Kraft mehr für einen Neuanfang ohne Einsamkeit hat. Das ist ein berührendes Ende für eine dynamische und vielschichtige Episode.

Band 3064: Ferrol (von Susan Schwartz und Christian Montillon) Was macht man als Hoffnungsträger der Menschheit, wenn man gerade knapp dem Tod entronnen ist? Man stürzt sich in die nächste gefährliche Mission! In diesem Fall untersucht Rhodan im Wega-System eine Festung der Topsider, die überraschend keine Funksignale mehr aussendet. Dabei stoßen er und sein Team auf eine gefährliche, sternförmige Spezies, die allen Wesen im Umkreis die Lebensenergie absaugt. Scheinbar waren diese Sterne verantwortlich, bereits frühere Zivilisationen des Wega-Systems im Dyoversum zu vernichten. Das Heft ist abgesehen von der weiterhin unwahrscheinlichen Prämisse spannend und konzentriert sich auf die ersten (wissenschaftlichen) Kooperationen zwischen Topsidern und Terranern. Dadurch erhält Rhodan erstmals ein Lob von einer Topsiderin, was sich in den anstehenden Verhandlungen positiv auswirken könnte. „Ferrol“ ist zum ersten Mal seit langer Zeit ein Heft, dass eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, die ohne Anbindung an die (langatmige) Rahmenhandlung Interesse erweckt.

Band 3065: Beteigueze (von Susan Schwartz und Christian Montillon) Die Verhandlungen zwischen Menschen und Topsidern beginnen auf Vurayur im Beteigueze-System. Rhodan stößt unter den dortigen Terranern auf einige Vanothen, die es vorziehen im Dyoversum zu bleiben, selbst wenn ein Weg zurück in die Milchstraße entstünde. Es ist daher rasch klar, dass die Gefahr eines Anschlags in diesem Heft von den Vanothen ausgeht. Überraschend positiv gestaltet sich ein konstruktives Gespräch mit einem moderaten Vanothen – ein kleines Beispiel wie man einen gesitteten Dialog trotz gänzlich unterschiedlicher politischer Ansichten führen kann – sowie ein genau so konstruktives Gespräch zwischen Perry Rhodan und den Hauptverhandlungsführerinnen der Topsider. Außerdem ist die Atmosphäre Vurayurs mit seinen vielen tödlichen Tierarten sehr spannend. Dass die Gefahr am Ende durch eine Kooperation der Sicherheitsdienste beider Seiten ausgeht, ist überraschend, aber auch etwas unwahrscheinlich. Beide Seiten wissen, dass es vor allem im Militärapparat Kräfte gibt, die auf einen Krieg drängen. Daher müssten diese Personen eigentlich besonders intensiv kontrolliert werden. „Beteigueze“ endet mit einem Friedensschluss. Damit endet der zweite Block im Dyoversum. Die Handlung kam zwar kaum voran. Denn letztlich erreicht man hier in acht Bänden einen Frieden mit den Topsidern, ohne dass man dabei überhaupt intensiv interagierte. Das geht so weit, dass die Gehegemutter der Topsider nach 500 Jahren (!) erstmals eine Antwort auf die Frage bekommt, was die Motive der Menschheit im Dyoversum sind. Dass ihre zahllosen Botschafterinnen auf der Erde das nie rausbekommen haben, erscheint völlig unwahrscheinlich. Aber die Tatsache, dass in der Milchstraße und im Perry-Universum generell 500 Jahre lang gar nichts passiert ist und allein Rhodans Rückkehr überall auf zauberhafte Art für Ereignisse sorgt, ist ja leider nur einer der vielen Schwachpunkte der „Mythos“-Zyklushandlung.  Dafür enthielten die Hefte dieses zweiten Blocks für die „Perry Rhodan“-Serie für sich stehend ausgesprochen überzeugende Abenteuer, denen es immer gelang von der dünnen Rahmenhandlung abzulenken und Spannung aufzubauen. Das ist angesichts misslungen Start dieses Abschnitts sowohl überraschend als auch erfreulich.

Band 3066: Drangwäsche (von Michael Marcus Thurner) Icho Tolot, der Haluter auf der RAS TSCHUBAI, kommt in die Phase seiner Drangwäsche. In dieser Zeit könnten Haluter ihre unglaubliche Kraft nicht mehr richtig kontrollieren und müssen sich anderswo austoben. Kurzerhand macht die RAS TSCHUBAI auf ihrem Flug in Richtung Milchstraße Halt in einer unbekannten Galaxis. Während das Schiff selbst neue Ressourcen sammelt, versucht Tolot abseits des Schiffes mit nur wenigen Begleitern die Drangwäsche zu durchstehen. Dabei gerät sein Team in eine Schlacht, in der die Blues – überraschenderweise in dieser Galaxis aktiv – einen beinahe wehrlosen Planeten angreifen. Kurz darauf tauchen auch Terraner auf. Tolot und seine Getreuen schlagen sich gut in der Schlacht, halten die Blues über weite Strecken auf bis Verstärkung eintrifft. Doch am Ende stellt sich heraus, dass es sich zumindest bei den Terranern gar nicht um Terraner handelt, sondern um Wesen, die so manipuliert sind, dass sie sich für Terraner halten. Das etwas an der Schlacht faul ist, ist von Anfang an klar. Natürlich können sich Nachfahren der Milchstraßenvölker in anderen Galaxien ausbreiten. Dass dies aber gleich mit zwei Völkern in derselben Galaxis passiert, ist unwahrscheinlich. Daher ist die Überraschung am Ende des Heftes auch keine wirkliche Überraschung. Außerdem leidet das Heft an dem klassischen Problem der Serie, das Raumschlachten nicht wirklich überzeugen. In „Perry Rhodan“ muss es regelmäßig krachen, das heißt dutzende bis hunderte Schiffe sind beteiligt. Gleichzeitig ist es nun einmal einfach, eine Schlacht aus der Perspektive eines Schiffes zu schildern, anstatt Emotionen durch die Beschreibung eines Massenkonflikts zu erzielen. Daher wirken z.B. Gefechte der RAS TSCHUBAI mal wie eine Auseinandersetzung eines Schiffes mit einem anderen, nur damit man dann kurz darauf erfährt, dass die RAS TSCHUBAI eher eine kleine Flotte in einem großen Trägerschiff ist. Das führt zu solch einem inkonsistenten Bild, dass Raumschlachten (zumindest im „Mythos“-Zyklus) eher ärgerlich als spannend sind. „Drangwäsche“ treibt dieses Problem auf die Spitze: Eine extrem kleine Untereinheit der RAS TSCHUBAI hält die Blues streckenweise auf und kann ihnen allein gar schwere Verluste zufügen. Man denkt sich also das ganze Heft über, dass die Blues entweder ein Volk inkompetenter Militärs sind oder einfach miserable Raumschiffe besitzen. In jedem Fall kann von ihnen gar keine wirkliche Gefahr ausgehen. Die andere Alternative wäre natürlich, dass das Heft durch und durch unrealistisch ist. Keine dieser Gedanken tragen dazu bei, Spannung oder Freude bei „Drangwäsche“ zu empfinden.

„Drangwäsche“ gelingt es also weder Interesse an Icho Tolots Problemen mit seiner Drangwäschenphase noch an der gigantischen Raumschlacht, die jedoch von wenigen und kleinen RAS TSCHUBAI Beibooten erfolgreich durcheinandergebracht wird, zu wecken. Abgesehen von diesem Heft, hebt dieser Monat das Niveau nach den durchschnittlichen April-Heften kräftig. Die Handlung stagniert zwar weiterhin und es steht zu befürchten, dass sich daran bis kurz vorm Ende des Zyklus auch nichts mehr ändert. Dafür gelingt es zumindest auf dem Nebenschauplatz des Terraner-Topsider Konflikts im Dyoversum drei überzeugende, spannende und für sich interessante Geschichten zu präsentieren. Während der erste Block im Dyoversum in vier Heften mit einer ewig langen Rückblende und einer noch längeren Ankunft Rhodans gar nichts erzählte, präsentiert dieser Block in jedem Heft ein Abenteuer. Jede von ihnen hat große Inhaltsschwächen, kann diese aber durch ihre gelungenen Charaktere und vor allem die Dynamik ihrer Abenteuer leicht vergessen machen. Perry Rhodan wird sich im Dyoversum jetzt darauf konzentrieren, die Erde zurück in das Sonnensystem unseres Universums zu versetzen. Wer weiß, vielleicht gelingt es im nächsten Viererblock des Dyoversums ja noch einmal vier gute Geschichten zu erzählen. Vor allem die Hefte 3063 bis 65 schaffen Vorfreude auf den nächsten Besuch im Dyoversum.

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