Worfs Brüder (Next Generation Episode 20)

Die Enterprise-Besatzung findet auf einem schwer beschädigten Frachter die beiden Klingonen Korris und Konmel. Es stellt sich heraus, dass diese vor der klingonischen Flotte fliehen. Sie finden, dass der friedliche Zustand, in dem sich das Imperium befindet, unnatürlich für die Klingonen ist. Daher haben sie versucht, Konflikte anzuzetteln und sollen als Verräter exekutiert werden. An Bord gelingt es ihnen, Worf an seine klingonischen Wurzeln zu erinnern. Letztlich hilft er den beiden jedoch nicht, sondern übergibt sie, als ihre wahren Absichten enttarnt werden, der Sicherheitsabteilung. Als Korris und Konmel aus ihrem Gefängnis ausbrechen, stellt Worf jedoch sicher, dass beide einen „würdigen“ Tod finden.

Kritik:
Der erste größere Auftritt der Klingonen in „The Next Generation“ überzeugt. Dabei startet die Episode schwach. Wieder einmal wird versucht, ein scheinbar absolut neuartiges technisches Phänomen zu zeigen. Bei der Bergung der Überlebenden auf dem beschädigten Frachter, sendet Geordis Visor seine visuellen Daten an den Hauptschirm der Enterprise. Das Bild ist verblüffend. Dass es Captain Picard aber so sehr fasziniert, dass er die eigentliche Mission des Außenteams darüber vergisst, wirkt unglaubwürdig. Insgesamt gelingt es in der ersten Staffel selten, die vermeintliche Überraschung über technische Neuheiten glaubwürdig darzustellen. Wie bei der ersten Erkundung des Holodecks (immerhin ebenfalls eine Entwicklung, die schlicht von Föderationstechnikern erfunden wurde) geht das auch hier schief.

Mit der Entdeckung der Klingonen nimmt das Tempo der Folge zu. Die Motivation der beiden Krieger ist von Anfang an zweifelhaft. Es handelt sich bei ihnen allerdings nicht um Worfs leibliche Brüder. Viel mehr gelingt es ihnen, eine geistige Verbindung zu Worf aufzubauen. Sie wecken in ihm das Bedürfnis nach Schlachten und Kämpfen. Worfs Loyalität wird dabei tatsächlich herausgefordert. Erschreckend ist, wie schnell Captain Picard und Commander Riker Worfs Loyalität in Frage stellen. Sie sagen ihm das natürlich nicht deutlich, machen sich aber rasch Sorgen. Dabei sind diese zu dem Zeitpunkt noch gar nicht begründet. Es ist schließlich verständlich, dass Worf die Chance, mit anderen Klingonen zu kommunizieren, nutzt.

Die Handlung um Worf macht diese Episode sehr gut. Man erfährt nicht nur seine Hintergrundgeschichte und die Ursache, warum er überhaupt in der Föderation lebt. Zusätzlich kann man miterleben wie er in der Entscheidung „Volk“ oder „Sternenflotte“ eindeutig die Sternenflotte wählt. Dieser innere Konflikt ist viel besser inszeniert als einige Episoden zuvor Rikers Herausforderung durch Q.

Ergänzt wird dieser Haupthandlungsstrang durch interessante Einblicke in die klingonische Kultur. Dazu gehört nicht nur das Totenritual, sondern auch die Tatsache, dass die Klingonen keine Geiseln nehmen, obwohl es ihnen helfen würde. An dieser Stelle ist es wieder erschreckend, mit welcher Ablehnung Picard und Riker dem Totenritual begegnen. Picard stellt fest, er hätte in Worf einen komplett anderen Charakter in dem Moment des Rituals gesehen. Gerade als Captain eines Föderationsschiff, auf dem verschiedene Lebewesen mit vielen verschiedenen Traditionen dienen, müsste Picard deutlich toleranter auftreten.

„Worfs Brüder“ ist eine überzeugende Episode, die nach einem eigenwilligen Start mit Worfs innerem Konflikt, den Einblicken in die klingonische Kultur und dem ebenfalls gelungenen Showdown eine sehr gute Handlung aufbaut. Einzig Picards und Rikers intolerante Haltung, die gar nicht zu ihrem Wesen passen mag, ist ein äußerst schwacher Moment der Episode. Trotzdem ist die Folge sehr gut. 4,5 von 5 Punkten.

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