Rikers Versuchung (Next Generation Folge 10)

Inhalt: Die Enterprise trifft ein zweites Mal auf das mächtige Wesen Q. Wieder einmal kommt der Kontakt zu einem schlechten Zeitpunkt. Diesmal ist das Schiff eigentlich auf dem Weg zu einer Föderationskolonie, auf der es ein Unglück gegeben hat. Mehrere hundert Menschen harren der Hilfe der Enterprise. Doch Q spielt mit der Crew lieber ein Spiel, in dessen Rahmen er Riker testen möchte.

Kritik: Der Auftritt Qs ist diesmal weitaus dramatischer. Im Pilotfilm ging es schließlich lediglich darum, zu der Station Farpoint zu gelangen. Eine direkte Gefahr bestand erst später durch den Angriff anderer mächtiger Aliens. Hier aber stehen direkt Menschenleben auf dem Spiel.

Interessant ist, dass Q offensichtlich das Interesse an Picard verloren hat. In seinen Augen ist er zu sehr an die Regeln der Sternenflotte gebunden. Stattdessen spielt er ein Spiel, in dessen Verlauf er Rikers Fähigkeiten testen möchte.

Das Spiel ist eine wirkliche Enttäuschung. Denn es geschieht nichts, außer dass Aliens in napoleonischen Uniformen die Brückencrew angreifen. Als es heikel wird, offenbart Q Riker, dass er ihn mit den Fähigkeiten eines Qs ausgestattet hat. Damit kann Riker das Spiel leicht für sich entscheiden. Ein wirklicher Test ist das nicht.

Der erste Höhepunkt der Episode ist das folgende Gespräch zwischen Riker und Q. Q offenbart darin, dass die Qs besorgt über den Forschungsdrang der Menschen sind. Der Drang zur Weiterentwicklung könnte die Menschen in wenigen Jahrhunderten zu noch mächtigeren Wesen als den Q machen. Ob das ernst gemeint ist oder einer von Qs Witzen wird nicht ganz deutlich, doch es ist vorstellbar, dass Q es ernst meint.

Riker lehnt es ab, den Q beizutreten. Seine Fähigkeiten muss er jedoch behalten, was Picard Sorgen macht. Er befürchtet, die Macht könnte Riker korrumpieren. Daher ringt er seinem ersten Offizier das Versprechen ab, seine Fähigkeiten nicht einzusetzen. Bei der Rettungsmission steht Riker daher vor einem Dilemma. Mit seiner absoluten Macht wäre es leicht für ihn, verstorbene Koloniemitglieder wiederzubeleben. Aufgrund seines Versprechen unterlässt er das und hat große Gewissensbisse.

Daraufhin möchte er Picard beweisen, dass er seine Fähigkeiten zum Guten einsetzen kann. Dafür möchte er jedem Brückenmitglied seinen innigsten Wunsch erfüllen. Auf diese Weise will er auch das Vertrauen seiner Freunde zurückgewinnen. Es stellt sich aber heraus, dass keiner seine innigsten Wünsche wirklich erfüllt bekommen möchte. Sie sind meist nämlich zu fundamental, als dass sie einfach so erreicht werden könnten und die betreffende Person gleichzeitig glücklich machen würde. Riker muss dadurch einsehen, dass Picard Recht behält. Hätte Riker seine Gabe einfach dafür eingesetzt, alle glücklich zu machen, wären viele unglücklicher geworden, da Riker sich nicht in jeden hineinfühlen kann.

Damit ist zwar noch nicht gesagt, dass Riker in Zukunft seine Gabe automatisch missbrauchen würde. Deutlich ist aber, dass ein Zusammenleben mit Menschen nicht mehr möglich ist, wenn Riker absolute Macht hat. Diese Lektion versteht Riker und lehnt daher Qs Angebot ab. Der möchte nicht aufgeben, hat zuvor aber mit Picard gewettet, dass er das tun würde, wenn Riker sein Angebot ablehnt.

Das der Episode zugrunde liegende Spiel enttäuscht. Die Frage, wie ein guter Mensch mit absoluter Macht umgeht, ist aber sehr interessant. Natürlich kann sie in einer 45 Minuten langen Fernsehfolge, zudem in der ersten Staffel einer Serie nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Die Verzweiflung, die man Riker anmerkt, während er versucht, wenigstens ein Brückenmitglied mit seiner Gabe glücklich zu machen, ist aber sehr überzeugend. Rikers Lernprozess wirkt authentisch. So zeigt sich zum Schluss auch Riker einsichtig, dass die Menschheit zur Zeit weder reif für absolute Macht, noch für jemanden mit absoluter Macht in ihrer Mitte ist.

„Rikers Versuchung“ ist daher trotz des misslungenen Einstiegs eine sehr gute, etwas nachdenkliche Episode mit einem sehr interessanten Thema. 3,5 von 5 Punkten.

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