Schweyk im zweiten Weltkrieg

Vor zwei Jahren las ich das Stück kurz vor Weihnachten. Die Aufführung des Berliner Ensembles auf der Probebühne des Theaters am Schiffbauerdamm in Berlin setzt das Stück unterhaltsam um. Der brave Weltkriegs-Veteran Schweyk sieht sich während des zweiten Weltkriegs einem schwierigen Problem ausgesetzt. Sein bester Freund ist verfressen und steht kurz davor sich freiwillig bei der Deutschen Armee zu melden, um mehr Essen zu erhalten. Das möchte Schweyk verhindern, indem er ihm Fleisch zukommen lässt. Doch dabei gerät er mit der SS aneinander, muss für sie Hunde klauen, Zwangsarbeit verrichten und landet zuletzt wieder als Soldat vor Stalingrad, wo er Hitler trifft.

Die Inszenierung ist an vielen Stellen komisch. Die Schauspieler sprühen vor Witz, an vielen Stellen lacht das komplette Publikum. Das Stück ist hinreichend absurd, um Vorlagen zu bieten. Die tolle Musik von Hans Eisler rundet das Ganze ab. Schweyk besitzt auch in dieser Inszenierung einen unerschüttlichen Optimismus, mit dem es ihm gelingt, die wiedrigsten Situationen zu überleben.

Brecht stellte mit dem Stück eine tragische Situation komisch dar. Die Handlung spielt in Prag, meistens in einer Kneipe. Niemand darf das sagen, was gedacht wird, schließlich lauern an allen Ecken Gestapo- und SS-Spitzel. Trotz der amüsanten Stimmung des Stückes wird dieser Aspekt an vielen Stellen erschreckend deutlich. Abgeschwächt wird das lediglich dadurch, dass die Nazis allesamt wie Karrikaturen wirken. Das ist zwar erschreckend, aber immer lustig.

Schweyks Freund ist kurz davor, zur Armee zu gehen, da ihm sonst nichts bleibt. Das wird mit einem sehr gelungenen Lied kommentiert. Darin wird beschrieben, wie ein deutscher Soldat von den verschiedensten europäischen Städten während des zweiten Weltkriegs Dinge nach Hause schickt. Nur aus Russland schickt er den Witwenschein. Wie in „Mutter Courage“ wirkt der Krieg zunächst als ein Bereicherungsfeld für den „kleinen“ Mann. In diesem Stück wird gleich zu Beginn festgestellt, dass an diesem Krieg niemand etwas gewinnen kann, außer der sicheren Führung. Nachdenklich stimmt, dass heute noch Jugendliche in der Armee eine Chance sehen, aus ihrem bisherigen, kärglichen Leben zu entfliehen. Eine Gesellschaft sollte vermeiden, dass junge Menschen in eine Lage kommen, in der das Militär der einzige Ausweg ist.

Dem Wahnsinn und der Grausamkeit der Nazi-Behörden wird zum Schluss das Leid der deutschen Soldaten gegenübergestellt. Freimütig berichten sie von ihren Raubzügen, nur um festzustellen, wie schlecht es ihnen in Russland geht. Dabei wird, deutlich, dass sie ausschließlich auf ihre Führung gehört haben und nun am Sterben sind. Das und eine Parodie des Horst-Wessel-Marsches sind zwei weitere gelungene, ernste Szenen des Stückes.

Die „Schweyk“-Inszenierung ist sehr lustig, unterhaltsam und führt – im Sinne des epischen Theaters – sowohl zum Nachdenken als auch zu einer kriegskritischen Haltung führt.

 

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