Project Daedalus (Star Trek Discovery, Episode 2×09)

Die Discovery ist auf der Flucht vor Sektion 31 und dementsprechend auch vor der Sternenflotte. Admiral Cornwell nutzt die Situation, um mithilfe der Discovery in das Hauptquartier der Sektion vorzudringen. Dort halten extremistische Admirale nämlich das Gefahrenanalyseprogramm „Control“ unter Verschluss, das die Sternenflottenführung dringend benötigt. Die Besatzung weiß jedoch nicht, dass Airiam von der Sonde aus der Zukunft gehackt wurde und daher alle Informationen der Crew an die Sektion weitergibt. Die Discovery erwartet daher ein aggressiver Empfang.

„Project Daedalus“ ist eine sehr gelungene Episode, die die Haupthandlung gekonnt vorantreibt und gleichzeitig eine abgeschlossene Erzählung präsentiert. Die Discovery muss das Hauptquartier der Geheimorganisation Sektion 31 infiltrieren. Das ist alles andere als einfach. Zu allem Überfluss scheint Airiam, die für die Analyse und den Zugang zu Control unerlässlich ist, für den Feind zu arbeiten. In „Project Daedalus“ erfährt der Zuschauer mehr über Airiam: Die junge Frau verlor einst ihren Verlobten und weite Teile ihres Körpers in einem Shuttleunfall. Daher ist sie nun auf Roboterimplantate angewiesen. Die gesamte Folge ist für sie ein Kampf gegen den Virus in ihrem Kopf. Das ist sehr überzeugend inszeniert. Genau so überzeugend ist das Finale, in dem Tilly an Airiams Gefühle appelliert und in dem Airiam auf dramatische Weise Burnham davon zu überzeugen versucht, dass man sie töten muss, um die Discovery und ihre Besatzung zu retten. Das ist eine spannende und gelungene Zuspitzung. Natürlich wirkt es etwas konstruiert, dass man bisher in der Serie nichts über Airiam erfahren hat und dies nun „nur“ geschieht, um den Charakter aus der Handlung zu schreiben. Da die Hintergrundgeschichte jedoch überzeugend geschrieben ist und die Ereignisse flüssig und spannend voranschreiten, übersieht man diesen Punkt gerne.

Etwas weniger überzeugend ist das plötzliche Auftauchen Admiral Cornwells. Auf der einen Seite ist es schön, dass die Discovery nach dem Bruch mit der Sternenflotte und Sektion 31 nicht mehrere Folgen lang auf der Flucht gezeigt wird. Auf der anderen Seite wirkt es etwas plötzlich, dass Admiral Cornwell auf einmal eine Verschwörung von Seiten der Sektion gegen die Sternenflottenführung wittert. Und wenn der Zugang zu Control für die Admiralität tatsächlich so wichtig ist, warum gibt man ihn dann der Sektion? Und warum wehrt sich nur Cornwell, wenn der Zugang verwehrt wird? Da die Strukturen, in denen die Sektion in dieser „Star Trek“-Epoche eingebettet ist, noch immer nicht kennt, wirkt das etwas durchwachsen.

Andererseits ist Control selbst ausgesprochen spannend. Wie in den Romanen scheint das Computerprogramm außer Kontrolle zu geraten und einen eigenen Weg zu verfolgen. Welche Ziele es in „Star Trek: Discovery“ verfolgt, ist noch unklar. Steht Control tatsächlich mit der möglichen Zerstörung alles Lebens in der Milchstraße in Verbindung? „Project Daedalus“ verrät dies noch nicht. Außerdem verrät die Episode nichts über das titelstiftende Projekt Daedalus. Die Information, das Control sich verselbstständig hat, seine Vorgesetzten ermordet und weiteres plant, in Verbindung mit den Hinweisen auf das Projekt Daedalus ist genau die richtige Mischung aus Erkenntnis und Cliffhanger.

Daneben mischen sich in der Nebenhandlung viele starke und einige schwache Szenen. Burnham und Spock verletzen sich auf geschwisterliche Art weiterhin. Spock scheint in Burnhams Verhalten eine geradezu endlose Arroganz und Selbstüberschätzung zu sehen. Das Streitgespräch ist recht überzeugend dargestellt. Andererseits macht es aber auch überdeutlich, dass Burnham tatsächlich den Drang hat, für alles die Verantwortung zu übernehmen. Das macht den lächerlichen Grund für den Streit zwischen den beiden Charakteren zwar etwas verständlicher, weist aber auch wieder auf diesen schwachen Punkt der Handlung hin. Genau so merkwürdig ist es, dass Spock sehr gut über die Beziehung zwischen Stamets und Dr. Culber informiert ist. Warum wissen eigentlich Gäste wie Spock und Pike immer sofort Bescheid, welche Konflikte an Bord der Discovery ausgetragen werden?

Alles in allem ist „Project Daedalus“ aber eine spannende Episode, mit einem guten, persönlichen Erzählansatz, dem es gelingt auf überzeugende Art die Handlung voranzutreiben und Sympathie für einen bis dahin unbekanntes Brückenmitglied der Discovery aufzubauen. Das hält weiterhin das hohe Erzählniveau der zweiten Staffel, ist fesselnd und lässt die Wartezeit auf die nächste Folge sehr lang erscheinen.

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