Plastik im Apfelgarten (ARD Radiotatort)

Der Gebrauchtwagenhändler Bulke ist tod. Aufgefunden mit einer Plastiktüte über dem Kopf, hat er sich vermutlich umgebracht. Kommissar Haas ermittelt; er hat das Gefühl, es handelt sich hier um Mord. Eine erste Fährte führt in die albanische Automafia. Als Haas erfährt, dass das Gelände des Gebrauchtwagenhändlers für eine Shopping-Mall vorgesehen wurde, fragt er sich, ob es sich nicht doch um eine brutale Lösung eines brutalen Mietstreits handelt.

Wie der erste Fall wird auch „Plastik im Apfelgarten“ nicht etwa aus der Sicht Haas erzählt. Der Zuhörer erlebt den Fall wieder aus der Perspektive zweier Mitarbeiter Haas. Diesmal ist es sein Kollege sowie seine Sekretärin. Das ist eine nette Kontinuität zum vorherigen hessischen Tatorts. Nebe war damals der einzige Kommissar, der direkt in der ersten Person seinen Fall erzählt hat. Haas ist nun der einzige Kommissar, der allenfalls indirekt auftaucht. Die Rahmenhandlung, Haas Kollege und seine Sekretärin kommen sich im Verlauf das Gespräches auch durch viel Alkohol näher, ist zwar stilistisch nett, inhaltlich aber nicht besonders überzeugend.

Kommissar Haas funktioniert auch im zweiten Fall. Er ist kein Sympathieträger, seine Mitarbeiter fühlen sich von ihm regelmäßig vor den Kopf gestoßen. Bei seiner Arbeit, vor allem mit Nicht-Polizisten, entwickelt der Kommissar jedoch ein ungeahntes Einfühlungsvermögen. Dadurch produziert er Ergebnisse, die sonst niemand produzieren könnte. Auf diese Weise funktioniert die Figur Haas sehr gut. Etwas verwirrend ist jedoch, dass der gerade versetzte Kommissar Haas sich hier um einen jahrzehntealten Parkplatz streitet. Befinden sich die Finanzpolizei und die Kripo etwas im selben Gebäude?

Der Fall selbst funktioniert nicht wegen des recht simpel konstruierten Immobilienskandals. Stattdessen sind es die vielen skurrilen und doch gut getroffenen Charaktere, die den Fall überzeugend machen. Der reiche exzentrische Erbe, die kosovarische Kioskbesitzerin, die eitle Maklerin und der albanische Möchtegernverbrecher und Schönling, sie alle bevölkern „Plastik im Apfelgarten“ und werden von Haas in Windeseile auseinandergenommen. Das ist inhaltlich zwar dünn, aber genau so unterhaltsam wie der mal störrische, mal geniale Kommissar Haas. Alles in allem überzeugt der neue hessische Radiotatort in seiner zweiten Episode so vor allem mit Flair und Ambiente und weniger mit seinem Fall.

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