This is not a Wardrobe Door (von A. Merc Rustad)

Die beinahe 7-jährige Ellie kann Zera nicht mehr besuchen. Zera lebt in einer anderen Dimension hinter der Tür Ellies Kleiderschrank. Doch diese Tür ist nun eine gewöhnliche Kleiderschranktür. Ihr Umfeld reagiert gleichgültig auf Ellies Sorge um Zera, hält sie für kindliche Fantasien. Zera sorgt sich derweil um ihre Freundin. Sie trifft auf einen sichtlich verbitterten Portalwächter: Die meisten Menschen vergessen andere Dimensionen ab einem gewissen Alter. Dies verletzt ihn so sehr, dass er alle Portale geschlossen hat. Zera versucht verzweifelt den alten Wächter davon zu überzeugen, dass nicht alle Menschen gleich sind.

„This is not a Wardrobe Door“ greift das Motiv anderer Dimensionen hinter Kleiderschranktüren auf und vertieft es ein wenig. Mit Filmen und Geschichten wie „Hook“ und dem bald erscheinenden „Christopher Robin“ gibt es zahlreiche Erzählungen, die die Veränderung von träumenden Kindern zu ernsten und meistens verbitterten Erwachsenen nachzeichnen. Diese Entwicklung verläuft hier anders ab. Ellie hört nicht auf zu träumen, sondern wünscht sich in ihre Fantasiewelt zurück. Es gibt also Menschen, die sich ihrer (kindlichen) Fantasie nicht entledigen.

Die sehr knappe Kurzgeschichte lebt von ihrer überzeugenden Konstruktion. Ellies Perspektive erfährt man ausschließlich durch Briefe, die sie in Abständen mehrerer Jahre an den Portalwächter schreibt. Zeras Reise zum Portalwächter hingegen erliest man sich direkt. Daraus erfährt man auf der einen Seite von dem verbitterten und verletzten Portalwächter. Spannender ist aber, dass Ellie gleichgesinnte findet: Sowohl ihre Mutter wie auch ihre erste Freundin hatten in der Vergangenheit Zugang zu anderen Dimensionen und haben diesen ebenfalls verloren. Ellie ist also nicht der einzige Mensch, der sich seine Fantasie bewahrt hat.

In Verbindung mit den queeren Elementen dieser Erzählung schafft „This is not a Wardrobe Door“ eine überraschend dichte Atmosphäre. Es ist die Stärke der Verbindung Zera-Ellie, Ellies Genuss daran, bei Zera alles sein zu können, was sie sich wünscht, die es am Ende noch mehr Menschen ermöglicht, in ihre Fantasiewelten zurückkehren zu können. Zentral ist dabei wie bei „Not by Wardrobe, Tornado, or Looking Glass„, dass es sich hierbei nicht um eine Weltflucht handelt. Ellie genießt unsere Dimension, sie möchte aber noch mehr Auswahl haben. Und für diese Auswahl setzt sie sich in dieser so kurzen wie berührenden Geschichte erfolgreich ein.

Die Kurzgeschichte „This is not a Wardrobe Door“ von A. Merc Rustad ist 2016 im „Fireside„-Magazine erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2017“, herausgegeben von Charles Yu und John Joseph Adam.

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