Zweite Ernte (ARD-Radiotatort)

Jac Garthmann hilft seinem alten Freund Vogel. Dieser hat sich einen Arm gebrochen und kann daher sein Lokal nicht mehr betreiben. Jac springt für einen Abend ein. Doch am Ende seiner Schicht wird er niedergeschlagen. Es stellt sich heraus, dass Vogel hohe Schulden hat. Und diese werden nun von einem skrupellosen Inkasso-Unternehmen eingetrieben. Vogel möchte die Polizei aus der Affäre heraushalten, doch Jac lässt seine alten Beziehungen zum LKA spielen. Tatsächlich entdeckt Kommissar Döring, dass Vogels Fall bei einem mafiösen Inkassounternehmen anhängig ist. Kurz darauf steht Vogels Restaurant in Flammen und in den Trümmern findet sich eine Leiche.

Wen kennt man wirklich? Jac irrt sich in dieser Episode gleich in zwei Menschen. Auf der einen Seite verliebt er sich Hals über Kopf in die schöne Leslie – obwohl sich bereits zu Beginn der Folge abzeichnet, dass sie für die gewalttätige Inkassofirma arbeitet. Andererseits vertraut er seinem alten Freund Vogel, hat ihm sogar seine Erbschaft für die Vergrößerung seines Restaurants geliehen. Doch Vogel betrügt ihn und verschweigt seine wahren Geldsorgen. Jac wurde einst vom LKA angeheuert, um undercover Kriminelle zu überführen. Das gelang ihm in der Regel mit seiner Intuition. Sie täuscht ihn in „Zweite Ernte“.

„Zweite Ernte“ thematisiert arbeitet aber auch auf interessant Art mit seinen Charakteren. So wirkt Vogel zunächst wie das naive Opfer eines ruchlosen Inkassounternehmens. Im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass Vogel bei weitem nicht so unschuldig ist wie er sich gibt. So hat er die 12.000€, die der sonst so mittellose Jac aus einer Erbschaft erhalten hat, von vornherein abgeschrieben. Freundschaft sieht anders aus. Der interessanteste Aspekt des Radiotatorts ist die Hintergrundgeschichte Leslies. Eine angeblich verantwortungslose Mutter, die nicht mit Geld umgehen konnte, weckte in ihr einen Hass auf Menschen, die anderen Leuten mit ihrer egoistischen Geldnutzung schaden. Das Inkassogeschäft als gerechte Strafe für diejenigen die über ihre Verhältnisse leben? Obwohl man in Leslie aufgrund ihrer Straftaten natürlich nicht die „Gute“ sieht, gelingt es „Zweite Ernte“ so gut wie seit langem keinem Radiotatort, Sympathie für unsympathische Taten aufzubauen.

Angesichts der perfekt geschützten, mafiösen Strukturen der Mafia müssen sich Jac und Döring am Ende aber doch nur mit den Handlangern der wahren Kriminellen abgeben. Jacs Rückkehr nach zwei-Jahren Radioabstinenz ist dadurch nicht nur spannend sondern angesichts seiner persönlichen Enttäuschungen und den davon kommenden Inkassochefs auch tragisch.

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