Zwischen Apokalypse und Hölle (Maddrax Band 450-474)

Mit Band 474 ist ein weiterer Unterzyklus und damit ein weiteres Jahr im Maddrax-Universum vergangen. Am Ende des vorherigen Zyklus haben die Friedenswahrer enthüllt, dass sie die Menschen auf der Erde vor der drohenden Katastrophe durch den herab stürzenden Mond retten möchten. Nur der Leser wusste, dass sie die Menschheit für ihre Gehirne braucht. Die Friedenswahrer scheinen wie in einem schlechten Horrofilm ihre Energie aus Gehirnen zu beziehen.

Matt kehrt jedoch erst einmal unwissend zur Erde zurück. Hier erwarten ihn viele Naturkatastrophen, die durch den herannahenden Mond ausgelöst werden. Außerdem begleitet ihn Weltuntergangsstimmung wohin immer er reist: Denn Matt ist dafür zuständig mit einer dramatischen Präsentation allen Menschen, die er für würdig betrachtet, auf den Mond einzuladen. Das ist eigentlich eine grandiose Idee, um die verschiedensten Orte des Maddrax-Universums mal wieder zu besuchen. Mithilfe eines Sprungfeldgenerators der Friedenswahrer kann Matt innerhalb von Sekunden um die Erde reisen. Leider wird diese Chance völlig vertan. Matt besucht auf seiner Reise hauptsächlich unbekannte Orte. Die einzelnen Erzählungen sind zwar häufig gelungen, erzeugen aber weder nostalgische Atmosphäre noch bringen sie wirklich neue, kreative Elemente in die Handlung ein. Am Ende erlebt man zwar Agatha und die amerikanischen Städte wieder, viele andere wichtige Orte werden jedoch ausgespart.

Auf Novis, wo die Friedenswahrer die Menschen in Zukunft halten wollen, sieht die Lage nicht besser aus. Die Geplänkel zwischen Aruula und Xaana auf der einen und den Friedenswahrern sind zwar nett zu lesen. Die endlosen Intrigen unter den Friedenswahrern und die genau so zahlreichen Momenten, in denen Aruula beinahe über die wahren Motive der Aliens aufgeklärt werden, nutzen sich jedoch mit der Zeit ab. Insgesamt bleibt dieser Handlungsstrang wie die Reise auf der Erde weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das liegt vor allem daran, dass in diesen Abenteuern – die für sich betrachtet ebenfalls unterhaltsam und solide aufgebaut sind – deutlicher auf der Erde wird, dass die Haupthandlung schlicht stagniert.

Denn während die Charaktere permanent rätseln, was um sie herum vor sich geht, weiß der Leser dies längst. Während Matt und Aruula sich fragen was die Friedenswahrer tatsächlich vor haben, fragt sich der Leser längst warum sie menschliche Gehirne benötigen. Diese Dissonanz wurde das ganze Jahr über beibehalten, ohne dass daraus erzählungstechnisch irgendein Vorteil erwachsen wäre.

Drei Nebenhandlungen bereichern den Zyklus. In einer Nebenhandlung gerät die politische Situation auf dem Mars langsam außer Kontrolle. Dies war im vorherigen Zyklus noch eine angenehme Abwechslung. Hier nutzt sich das Muster langsam ab. Zwischen den Waldmenschen und den Mars-Extremisten sitzt die Präsidentin Nomi wie ein naives, gutgläubiges und gutmütiges Mädchen, ohne jemals in eine handelnde Lage zu kommen. Die Handlung rennt unaufhörlich auf eine Katastrophe zu und die gut angelegten Protagonisten werden nicht wirklich genutzt. Das ist schade. Deutlich überzeugender ist Starnpazz Reise auf Aquus. Diese Unterwasserwelt hat bisher nur gute Abenteuer abgeliefert und auch diese Nebenhandlung – die leider nur zu Beginn des Zyklus eingebaut wurde – weiß zu überzeugen. Eine weitere Nebenhandlungen um zwei Daa’muren sorgt ebenfalls für etwas kreativere Einzelabenteuer, die allesamt überzeugen können (auch wenn die Motivation des Daa’muren Grao nicht immer überzeguend geschildert ist.)

Insgesamt kommt in diesem Zyklus also wenig voran. Einen dynamischen Moment gibt es, als die Evakuierung der Erde endlich beginnt. Eine äußerst aggressive Techno-Community kapert in einem unbeschreiblich brutalen Vorgang ein Evakuierungsschiff und übernimmt kurz darauf die Macht auf Novis. Hier wird Maddrax brutal spanennd. Aber anstatt dies zu nutzen, inszeniert die Serie einen Angriff auf das Wurmloch, dass die handlungstragenden Personen auf der Erde (Matt, Xij, Tom und Hordelab) in alle Windrichtungen verstreut. Im Anschluss erhält jeder Charakter einen Einzelroman, das das gerade aufgekommene Tempo der Handlung wieder abrupt drosselt.

Dabei gilt auch hier: Die einzelnen Abenteuer (z.B. dieser Charakterepisoden) sind durchaus gelungen und unterhaltsam.  Außerdem ist es die größte Stärke von „Maddrax“, dass die Serie – anders als die meisten ihrer seriellen Konkurrenten – in jeder Folge eine abgeschlossene und daher mit einem kompletten, unterhaltsamen Spannungsbogen ausgestattete Geschichte zu erzählen. Doch während es in den Bänden 400 bis 449 gelang, in jedem Abenteuer auch ein kleines Puzzle der Haupthandlung zu enthüllen, so ist in diesem Abschnitt 25 Bände lang Stillstand. Erst in Band 474 wird geradezu überhastet, die Handlung voran getrieben – und gleich mit einer persönlichen Schmonzette wieder überdeckt. Nach vielen faszinierenden Abenteuern im System der Friedenswahrer sagt man nach diesem Jahr: Glücklicherweise endet der Großzyklus mit den kommenden 25 Bänden. Denn das zwingt die Autoren der Serie, in den guten zweiwöchentlichen Abenteuern, die sie abliefern, wenigstens ein paar Puzzleteile für die Gesamthandlung zu verbauen. Die Helden der Serie stecken nun in der „Hölle“ von Novis – nach dem ruhigen letzten Jahr stehen nun alle Zeit auf sich überschlagende Ereignisse.

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