Vaulting Ambition (Star Trek: Discovery)

Die Discovery ist weiterhin im Spiegeluniversum gefangen. Michael Burnham und Captain Lorca wurden von der Imperatorin Georgiou aufgespürt und werden auf ihr Flaggschiff beordert. Michaels Tarnung fliegt hier schnell auf. Nachdem Georgiou erfährt, dass Burnham aus einer anderen Dimension stammt, bietet sie ihr einen Deal an: Im Austausch gegen die Pläne für den Sporenantrieb würde sie der Discovery helfen, in unsere Dimension zurückzukehren. Während Michael entscheidet, spitzt sich die Situation für die beiden Offiziere mit medizinischen Problemen, Stamets und Ash Tyler, auf der Discovery zu.

„Vaulting Ambition“ ist die nunmehr dritte Episode im Spiegeluniversum. Der Folge ist deutlich anzumerken, dass sie wie ihre Vorgängerin eine reine Brücke zu einem noch unbekannten Finale ist. Sie ist extrem kurz und wirkt trotz dreier Handlungsstränge gestreckt: Stamets kämpft darum, sich nicht im Sporennetzwerk zu verlieren, in Tylers Körper kämpfen seine klingonische und seine menschliche Identität und Michael muss sich gegenüber der Imperatorin beweisen. All dies hätte das Potenzial bereits in dieser Folge ein schmissiges Finale zu liefern. Doch stattdessen entpuppt sich jeder Handlungsbogen als Brücke für ein (mögliches) Finale in der kommenden Episode.

Am interessantesten sind die Abschnitte mit Stamets und Tyler. Stamets begegnet im Sporennetzwerk seinem Spiegeluniversumsgegenüber. Es wird schnell klar, dass dieser Stamets nichts Gutes im Sinn hat. Stamets Schritte im Netzwerk sind angenehm mysteriös, etwas gruselig und binden den ermordeten Dr. Culber sehr gut und emotional in die Handlung ein. Am Ende drohen die Experimente des Spiegeluniversums-Stamet das gesamte Sporennetzwerk zu zerstören – mit möglicherweise fatalen Folgen für alle Universen. Dieser Handlungsstrang ist der Stärkste der Episode: Er bietet überzeugende Emotionen, einen gelungenen Abschied für Culber und das Potenzial für eine interessante „Star Trek“-Erzählung in kommenden Episoden. Das alles kann dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Ereignisse zwar Stamets wieder zu Bewusstsein bringen, letztlich aber nur ein Einstieg in die Handlung rund um das vergiftete Sporennetzwerk sind. Das Ende dieses Abschnitts bleibt offen.

In Tylers Körper kämpft Tylers Identität mit der Voqs. Während Tyler selbst daher keinen wirklichen Auftritt erhält, glänzt Commander Saru. Er überzeugt L’Rell, dem leidenden Tyler zu helfen. Seine Methoden, die Klingonin zu dieser Tat zu überreden, sind sehr gelungen. Doch auch hier bleibt alles offen: L’Rell setzt am Ende zum klingonischen Todesritual an. Das könnte aber auch lediglich eine falsche Finte sein. Ob Voq mit dieser Episode aus der Serie geschrieben wurde, bleibt offen. Zuletzt ist die Erklärung, was nun hinter Tyler steckt, etwas übertrieben: Voq wurde nicht mit einer künstlichen Identität versehen, sondern die Identität eines tatsächlich existierenden Sternenflottenoffiziers wurde irgendwie aus dessen Körper herausoperiert, in Voqs Körper eingesetzt und dieser anschließend zu einem Menschen umoperiert – das ist verwirrend und erscheint etwas phantastisch. Letztlich schaffen also auch diese kurzen Szenen lediglich das Fundament für weitere Erzählungen.

Michael Burnham wird von der Imperatorin überraschend schnell zum Tode verurteilt: Georgiou glaubt, Michael arbeite mit Lorca zusammen. Michael bleibt daher nichts anderes übrig, als ihre Identität zu enthüllen. Während sie vor dem Deal steht, der Imperatorin das Geheimnis des Sporenantriebs zu verraten, stellt sich Captain Lorca als der wahre Bösewicht heraus: Er war die ganze Zeit seine Spiegeluniversumsversion. Zeichen dafür – und Spekulationen darüber – gab es zuhauf. Seit dem Eintritt in das Spiegeluniversum war diese Theorie jedoch extrem vorhersehbar. Lorca hat sich seit dem Beginn der Serie schlicht zu kühl und brutal verhalten. Überraschend ist lediglich, dass Lorca eine Liebesaffäre mit Michaels Spiegeluniversumsversion hatte. Möglicherweise trifft Michael in einer der kommenden Episoden auf eine Version ihrer selbst. Abgesehen von diesem interessanten Aspekt bleibt dieser Haupthandlungsstrang schwach: Auch hier plätschert die Episode lediglich als Vorbereitung für die kommende Folge dahin. Die „Lorca-Überraschung“ ist äußerst vorhersehbar und das innige Verhältnis zwischen Georgiou and Michael im Spiegeluniversum nicht tragend genug, um diesen Handlungsstrang bemerkenswert zu machen.

Alles in allem ist „Vaulting Ambition“ eine reine Brückenepisode: Sie ist unterhaltsam, was jedoch in erster Linie daran liegt, dass drei interessante Handlungsstränge ohne wirkliche Antworten in extrem kurzer Zeit präsentiert werden. Die Qualität der Episode wird jedoch ausschließlich von der Auflösung des Spiegeluniversumshandlungsstrangs abhängen. Erst dann stellt sich raus, ob „Vaulting Ambition“ die brillante Vorarbeit für ein würdiges und spektakuläres Finale oder doch nur eine Budget sparende Füllfolge ist.

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