The Wolf Inside (Star Trek Discovery)

Die Discovery ist im Spiegeluniversum gefangen. Die einzige Hoffnung auf eine Rückkehr in unsere Dimension liegt in den Daten über die U.S.S. Defiant. Sie geriet einst in das Spiegeluniversum und brachte dem terranischen Imperium einen enormen Technologievorsprung. Michael Burnham soll diese Informationen in ihrer Spiegelposition als Captain der U.S.S. Shenzhou mit dem hier als Verräter verfolgten Captain Lorca als Gefangenen auslesen und an die Discovery weiterleiten. Diese Aufgabe wird für Burnham zu einer enormen Belastung: Sie muss nach außen alle ihre Prinzipien verraten, um in der Hierarchie des brutalen terranischen Imperiums nicht als Schwächling und somit potenzielles Anschlagziel zu gelten. Ihre Bewährungsprobe erhält sie, als die Führung des Imperiums ihr befiehlt, das Hauptquartier einer Rebellengruppe auszuschalten.

„The Wolf Inside“ legt es, wie die bisherigen „Discovery“-Folgen ganz darauf an, den Hauptcharakter Michael Burnham zu testen. In dieser Episode muss sie nun gegen ihre moralischen Grundsätze handeln, um von der Besatzung der Spiegel-Shenzhou nicht für verdächtig gehalten zu werden. Das beinhaltet die brutale Exekution von ‚Kriminellen‘, die schlicht ins All gebeamt werden. Gleich der Beginn der Episode macht die Schwere der Herausforderung deutlich: Die Shenzhou erhält den Befehl, die Spitze der Rebellen auszuschalten. Obwohl Burnhams Geheimidentität auf der Shenzhou die einzige Hoffnung für die Discovery-Besatzung auf eine Rückkehr in unsere Dimension ist, hält sich Burnham weiterhin an die Gesetze der Sternenflotte. Das bedeutet, dass sie mit allen Mitteln versucht, die Vernichtung der Rebellen zu verhindern.

Auf der einen Seite führt das ihre Tests auf überzeugende Art fort. Denn unter den Rebellen trifft sie auf Sarek, aber auch auf Voq, der in dieser Dimension der Anführer des Widerstands ist. Diese Begegnungen sind sehr gut inszeniert und überzeugend gespielt. Burnhams Motivation an ihrer Mission ist jedoch alles andere als überzeugend. Sie möchte herausfinden, wie es möglich ist, das die eigentlich so stolzen Klingonen friedlich mit anderen Spezies zusammenarbeiten. Die Antwort ist so schlicht wie selbstverständlich: Es ist der gemeinsame Feind in der Form des Terranischen Imperiums, der die Zusammenarbeit erst möglich gemacht hat. Dazu kommt zwar eine etwas liberale Auslegung der Worte Khaless, doch es ist unwahrscheinlich, dass sie Burnham in unserer Dimension jemals etwas nutzen werden. Diese Unterhaltung, die für die Rebellen wertvolle Zeit verschlingt, wirkt unsinnig.

Insgesamt leidet die Episode darunter, dass entscheidende Dialoge etwas zu lange inszeniert wurden. In „The Wolf Inside“ erfahren endlich auch die Offiziere der Discovery, dass es sich bei Ash Tyler eigentlich um einen umoperierten Voq handelt. Dieser verhält sich impulsiv, gibt seine Tarnung viel zu früh auf. Andererseits kann er an seiner Umwandlung nichts ändern, immerhin hat L’Rell diesen Prozess in Gang gesetzt und er wurde nur durch die Stärke Tyler-Persönlichkeit verschoben. Nach Voqs Rückkehr ist seine Lage eigentlich zu jedem Zeitpunkt aussichtslos. Dadurch bleibt fraglich, was seine Mission eigentlich ursprünglich bewirken sollte (außer der vagen Hoffnung, hinter das Geheimnis des Sporen-Antriebs zu gelangen). Während die Enthüllung also nicht ganz überzeugen kann, sorgt sie doch für den stärksten „Star Trek“-Moment der Episode: Denn trotz der Wut Michaels, dass ihr Liebhaber und Gefährte Tyler in Wirklichkeit ein gegen sie arbeitender Klingone ist, nutzt sie die Gesetze des Spiegeluniversums, indem auf einen tätlichen Angriff die umgehende Exekution folgt, nicht aus. Stattdessen hält sie sich nicht nur an die Gesetze der Sternenflotte, sondern nutzt diese überraschend zu ihrem Vorteil aus. Der darauf folgende Moment gehört zu den stärksten der Folge.

Ebenfalls überraschend ist, wie schnell die Schiffe in diesem „Star Trek“-Ableger reisen. Sowohl die Shenzhou als auch die Discovery sind auch ohne den Sporen-Antrieb in wenigen Einstellungen genau dort, wo sie gerade gebraucht werden. Dadurch gelingt es Michael zum Beispiel durch einen Trick, wichtige Daten an Bord der Discovery zu beamen. Entweder haben sich die beiden Schiffe dabei die ganze Zeit in der Nähe voneinander befunden oder irgend ein Drehbuchautor rechnet bei allen Raumschiffen mit einem Sporenantrieb. Ebenfalls verwunderlich ist, dass die Discovery vom Flottenkommando im Spiegeluniversum keine Befehle zu erhalten scheint. Angesichts der engen Kontrolle der Shenzhou, erscheint dies merkwürdig. Ebenfalls verwunderlich, aber inhaltlich deutlich überzeugender, ist die Tatsache, dass Captain Lorca in dieser Episode wieder seine dunkelsten Ratschläge hervorbringt. So empfiehlt er Burnham zum Beispiel, die Rebellen zu vernichten. Das passt nicht wirklich zu einem Sternenflottenoffizier aus unserer Dimension. Es ist daher durchaus möglich, das Lorca doch aus dem Spiegeluniversum geflohen ist und keineswegs der Captain aus unserer Dimension ist.

Die Folge endet mit einem Knall: Michaels Deal mit den Rebellen wird durch den plötzlichen Auftritt des Imperators zunichte gemacht. Michael, die gerade erfahren musste, dass ihr Liebhaber in Wirklichkeit ein Klingone ist, begegnet dabei erwartungsgemäß ihrer einstigen Vorgesetzten Philippa Georgiou. Da alles vorherige (Spiegeluniversumsgesetze, Sarek, Tyler/Voq) in der Episode bereits ein Test war, ist dies für Burnham – die sich für den Tod Georgious in unserer Dimension verantwortlich fühlt – die größte Herausforderung. Dieses Ende ist also nicht überraschend, bietet aber dennoch viel Potenzial für die kommende Folge.

Nachdem „Despite Yourself“ das Spiegeluniversum in „Discovery“ überzeugend etabliert hat, erhöht „The Wolf Inside“ das Tempo deutlich. Mehrere Handlungsstränge werden hier verfolgt und sowohl die Action wie auch die emotionalen Szenen sind dichter und spannender erzählt. Inhaltlich ist die Folge schwer zu beurteilen: Wie überzeugend die Spiegeluniversumsfolgen dieser ersten Staffel sind, wird viel von der (möglichen) Auflösung des Handlungsbogen in der kommenden Woche abhängen.

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