Headlong Flight (von Dayton Ward)

Inhalt: Im Jahr 2386 befindet sich die Enterprise-E auf einer Forschungsmission im „Odyssean Pass“. Dabei stößt die Besatzung auf einen merkwürdigen Planeten. Der Planet sticht aus dem System heraus, da er an seinem Ort eigentlich gar nicht existieren dürfte. Da die Enterprise-Besatzung Lebenszeichen auf dem Planeten entdeckt, entsendet Captain Picard ein Außenteam – obwohl die Enterprise eine Warnung erhält, den Planeten nicht zu betreten.

Auf dem Planeten erfährt Worf, der das Außenteam leitet, dass der Planet aufgrund eines verunglückten Experiments dazu verdammt ist, zwischen verschiedenen Dimensionen zu wechseln. Die Wissenschaftler, die sich auf der Oberfläche befinden, glauben nicht daran, das Problem jemals lösen zu können. Bald darauf verschwindet der Planet wieder aus unserer Dimension.

Um das Außenteam zurückzuholen, bringt Picard die Enterprise näher an den springenden Planeten und gerät in dessen Dimensionsfeld. Zur selben Zeit untersuchen in unterschiedlichen Dimensionen Captain William T. Riker von der U.S.S. Enterprise-D im Jahr 2367 sowie Commander Sarith des Bloodied Talons im Jahr 2366 das Phänomen. Sie alle werden in unsere Dimension gezogen. Captain Picard muss die unterschiedlichen Protagonisten aus verschiedenen Dimensionen an einen Tisch bringen, denn nur gemeinsam kann man dem Planeten entkommen – dessen regelmäßige Sprünge mit der Zeit die Stabilität des Planeten gefährden und somit alle drei Schiffe in goße Gefahr bringen.

Kritik: „Headlong Flight“ entwickelt ein klassisches Befreiungsszenario. Auf einem entfernten Planeten hat sich die lokale Bevölkerung selbst in Gefahr gebracht und ein Außenteam gerät unwissentlich in den Gefahrenherd. Die Besatzung der Enterprise muss unter Zeitdruck agieren, da sonst alle Beteiligten vom Tod bedroht sind. Das ist ein klassisches, nicht militärisches sondern auf technische Fragen konzentriertes Szenario, das zum Herzblut von „Star Trek“ gehört. „Headlong Flight“ macht in der Umsetzung dieses Klassikers vieles richtig.

Der springende Planet ist erst einmal nicht besondes spannend. Ward hätte die Wahl, ihn mit einem besonders interessanten Volk auszustatten. Glücklicherweise hat er sich dagegen entschieden. Denn die Handlung mit Schiffen aus drei Dimensionen ist sehr überzeugend. In der Dimension, aus der die Enterprise-D stammt, ist Riker Captain, da Picard im Kampf gegen die Borg nicht gerettet werden konnte. Riker ist von dem Erlebnis traumatisiert, hadert mit sich selbst und mit seinem Führungsstil. Es gibt zudem noch weitere kleine Unterschiede in dieser Dimension (so lebt z.B. Tasha Yar noch). Die Romulaner haben in ihrer Dimension eine noch verhärtetere Einstellung gegenüber der Föderation entwickelt, ihnen fällt es daher enorm schwer, der Sternenflotte zu vertrauen.

Aus diesem Dimensionsmix arbeitet Ward zwei überzeugende Ebenen heraus. Zunächst einmal sind Rikers Selbstzweifel sehr gut getroffen. Ihm fehlt in erster Linie das Vertrauen in ihn selbst. „Headlong Flight“ ist daher in erster Linie ein überzeugender Roman darüber, wie Riker an sich selbst arbeitet und den schweren Verlust Picards verarbeitet. Das Verhältnis zwischen dem Picard aus „unserer““ Dimension und Riker ist sehr überzeugend. Ward gelingt es in den Szenen zwischen den beiden Männern eine implizite Vertrautheit zu schaffen, in der wenig gesagt und doch viel vermittelt wird. Denn gerade Picard ist durch seinen Zeitvorsprung an strikte Regeln über das Weitergeben von Informationen gebunden. Dennoch übermittelt er vereinzelt ausgewählte Informationen, um möglicherweise Tragödien zu verhindern, die auch er nicht verarbeiten kann. Dieser subtile Handlungsstrang ist sehr überzeugend.

Ebenfalls gelungen, wenn auch etwas vorhersehbarer sind die Schwierigkeiten der Romulaner, Vertrauen zu den Föderationsakteuren aufzubauen. Besonders die Tatsache, dass die Konstellation zwei zu eins gegen die Romulaner steht, ist clever. Denn für die paranoiden Romulaner ist dies natürlich intuitiv eine gefährliche Situation. Commander Sariths Deutungsversuche der menschlichen Gesten sind unterhaltsam und bieten eine überzeugende zweite Erzählebene.

„Headlong Flight“ ist auf all diesen Ebenen grundsolide und liest sich über weite Strecken relativ spannend. Dem Roman fehlt jedoch das Besondere: Zwar steuert er auf eine emotional überzeugende Abschlussszene zu, ist dabei über weite Strecken jedoch zu vorhersehbar und vermeidet gewichtigere Themen wie sie zum Beispiel jüngst in „The Face of the Unknown“ von Christopher L. Bennett angesprochen wurden. Das sorgt immer noch für einen guten Roman, der jedoch im Schatten besserer „Star Trek“-Werke steht.

Fazit: „Headlong Flight“ bietet eine grundsolide, gradlinige Handlung mit überzeugend getroffenen Protagonisten und einigen sehr starken Szenen. Obwohl das Verbinden mehrerer Dimensionen ein spannender Ansatz ist und charakterlich gelingt, fehlt dem klassischen Befreiungsszenario die innovative Komponente, die es von ähnlichen Werken absetzen könnte.

(Trekzone-)Bewertung: 3 / 5 Punkten

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