Der neue Phantomias greift an (Lustiges Taschenbuch Premium Band 7)

phant3In der Reihe „LTB Premium“ wird die italienische Phantomias-Serie neu aufgelegt. Weitere Informationen befinden sich in der Vormerkung zu der Rezension des ersten Teils. „Der neue Phantomias greift an“ enthält die Kapitel 10 bis 14 der Serie, die direkt an die Handlung des zweiten Bandes anschließen. Außerdem befinden sich wieder mehrere Kurzepisoden in dem Comic-Buch.

„Abenteuer in Neuseeland“ schließt direkt an die Sporenproblematik aus „Invasion der Sporen“ an. Die gefährlichen Evronianer möchten die Erde erobern und haben dafür eine Reihe von Sporen über der Erde abgeworfen, in der junge Evronianer gezüchtet werden. Phantomias macht sich zurecht Sorgen, wo sich wohl weitere Sporen befinden. Auf seiner Suche stellt er fest, dass in einer Maori-Siedlung in Neuseeland eine Kolonie entstanden ist. Während der Bekämpfung dieser Bedrohung kommt er in Kontakt mit Konrad Kiwis Mutter. Die Haupthandlung ist eher konventionell und nicht gänzlich überzeugend. Das liegt vor allem daran, dass man das Militär, das in der vorherigen Folge noch eine große Rolle spielte, hier vermisst. Dafür ist der Auftritt von Kiwis Mutter ausgesprochen unterhaltsam und die Nebenhandlung um Konrad Kiwi erlaubt in dem ewigen journalistischen Antagonisten des Phantomias auch mal etwas positives zu sehen. Das verhilft dem dritten Band zu einem ordentlich bis guten Auftakt.

„Silizium“ geht ebenfalls auf die Sporen ein: In „Invasion der Sporen“ wurde am Ende enthüllt, dass ein Farmer in der Nähe von Entenhausen einige Sporen zurückhält, da er sie für wertvolles Kürbissaatgut hält. In „Silizium“ kommt es zu einer explosiven Kombination: Zwei, die negative Computerintelligenz und Antagonist zu Phantomias großem Helfer Eins, kehrt zurück und bemächtigt sich der Sporen. Er züchtet damit eine Evronianer Armee, die Phantomias in Schach halten und Eins zerstören soll. Zweis Rückkehr ist sehr gut in Szene gesetzt, sowohl seine Überlebensstrategie nach seiner vorherigen Niederlage in „Zwei“ als auch sein neuer Plan sind sehr überzeugend. Überhaupt nicht überzeugen kann hingegen das Ende: Die Evronianer holen sich ihre Brut zurück und zerstören Zwei dabei. Hier ist es völlig unverständlich, warum sie diese Situation nicht ausnutzen, um wenigstens etwas Zerstörung auf der Erde anzurichten. Auf diese Weise wirkt dies wie eine verzweifelt Idee, um Phantomias gegen Zweis Übermacht bestehen zu lassen. Immerhin gibt es zum Abschluss noch einen unterhaltsamen Moment: Donald kann nicht mehr als Hausmeister im Ducklair Tower arbeiten. Um weiterhin einen Lebensunterhalt zu haben und mit Eins zusammenarbeiten zu können, heuert er daher beim Kanal Doppelnull unter Konrad Kiwi an – dem journalistischen Gegenspieler Phantomias. Das verspricht einige augenzwinkernde Szenen in der Zukunft.

„Quelle des Mondes“ ist die dritte Thematisierung der Sporen in „Der neue Phantomias greift an“. Diesmal handelt es sich um Hinterlassenschaften der Evronianer in Afrika. Die Handlung ist dabei etwas krude und deutet darauf hin, dass die Evronianer bereits vor Jahrtausenden auf der Erde waren. Damals haben sie keine Wesen gefunden, die sie ausbeuten können – heute ist das anders. Dieser Start wirkt etwas verloren in der Handlung und erweckt einen zusammenhangslosen Eindruck. Hier überzeugen vor allem überraschend knallige Bilder und eine sehr einfühlsame Handlung zwischen Xadhoom und Phantomias. Auch das Militär tritt hier wieder auf und stellt sich auf die Seite von Phantomias. Insgesamt wirkt diese Episode streckenweise etwas sentimental, versucht auf mäßig überzeugende Art einen enormen Cliffhanger in der Mitte der Handlung aufzubauen und hinterlässt am Ende viele Fragezeichen. Das ist etwas ungewöhnlich, hält aber zumindest das Interesse an der Haupthandlung aufrecht.

„Trauma“ ist eine ungewöhnliche Episode. Das liegt nicht nur daran, dass die Sporen keine Rolle spielen. Die Evronianer erkennen, dass sie Phantomias aus dem Verkehr ziehen müssen. Dafür verwenden sie ihren ehemaligen General Trauma, der nach einigen Experimenten seine Gegner dadurch besiegt, dass er ihre Ängste ins Unermessliche steigert. Für Phantomias ist das eine riesige Herausforderung. Natürlich könnte man aus dieser Folge enorm viel machen und ganz tief in Donalds Psyche eindringen. Das wäre für einen Disney-Comic aber viel zu viel erwartet. Auch die hier gebotene oberflächliche Darstellung von Phantomias Ängsten ist überzeugend und beinahe eindringlich. Sehr gelungen ist hier zudem, dass auch „gewöhnliche“ Verbrecher Entenhausens gezeigt werden. Natürlich hat Phantomias viel damit zu tun, die Erde vor der außerirdischen, evronianischen Bedrohung zu schützen. Aber es ist gut, ihn auch einmal in seiner Kernaufgabe als Beschützer Entenhausens vor dem Verbrechen zu erleben. Insgesamt ist „Trauma“ damit nicht nur ungewöhnlich, sondern auch sehr gelungen.

Der Abschluss, „Urk“, ist eine sehr solide, allein stehende Erzählung. Urk ist aus einer Parallelwelt, in der die Indianer nicht ausgerottet wurden, sondern ihre Zivilisation weiterentwickeln konnten. Auch hier kam es zu einem Krieg (mit den Wikingern), den die Indianer jedoch auf Augenhöhe führen konnten. Während der Ereignisse um den Zeitpiraten, wurde Urk in diese Dimension transportiert. Dabei ist auch eine Geheimwaffe der Wikinger in unsere Welt gelangt, gegen die Phantomias, Klarissa und Urk gemeinsam kämpfen. Urk ist ein ungemein sympathischer Zuwachs in Phantomias Freundeskreis, auf den hoffentlich noch einmal zurückgegriffen wird. Nach vier Kapiteln, die alle die Evronianer in den Mittelpunkt stellten, ist „Urk“ eine sehr angenehme, warmherzige und gelungene Abwechslung.

Abgeschlossen wird auch dieser Band mit fünf Kurzepisoden, in denen sich der Zeitpirat als überraschend verantwortungsvoller Vater herausstellt und Konrad Kiwi als junger Journalist mal wieder von einer Falle in die nächste tappt. Das ist unterhaltsam, aber nicht besonders spektakulär.

Insgesamt ist auch der dritte Band des neuen Phantomias sehr überzeugend. Besonders gelungen ist, dass die Handlung um die evronianischen Sporen konsequent fortgesetzt wird und in dem richtigen Maß Fragen beantwortet und neue aufgeworfen werden. Gleichzeitig wird die Haupthandlung mit „Trauma“ und „Urk“ gleich zwei Mal auf sehr überzeugende Weise gebrochen. Das unterhält trotz kleiner Detailschwächen ungefähr so gut wie die guten Vorgänger.

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