Der neue Phantomias (LTB Premium Band 2)

phant1Vorbemerkung: Donald Duck ist der ewige Pechvogel Entenhausens. Bereits in den 70er Jahren fügten die Disney-Autoren, inspiriert von amerikanischen Superhelden, ihm ein Alter Ego hinzu: Phantomias. In dieser Rolle war Donald zunächst der Rächer der Schwachen und wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Ordnungshüter in Entenhausen. Italienische Autoren griffen dieses Konzept 1996 auf und kreierten den „neuen“ Phantomias. Diese Serie unterschied sich fundamental von den gewöhnlichen, normalerweise harmlosen und friedlichen Disney-Comics. Phantomias wurde härter, die Geschichten schneller und vor allem komplexer. Während die Serie in Italien riesige Erfolge feierte, konnte sie sich in Deutschland nicht durchsetzen. In der Stadtbücherei meines Heimatortes gab es dennoch die damals produzierten Hochglanzalben der ersten zehn Episoden. Seit 2011 legt der Ehapa-Verlag die Reihe im Rahmen der „Lustiges Taschenbuch Premium“-Reihe im Wechsel mit der Serie „Mickey X“ wieder auf. Mit einigen Jahren Verspätung, das erste, hier besprochene Buch ist nur noch als E-Book oder über Ebay zu beziehen, verfolgt nun auch die Gedankenecke den Weg des „neuen“ Phantomias.

Das Band „Der neue Phantomias“ erhält die ersten fünf Kapitel der italienischen Serie. Den Auftakt bildet „Die Evronianer“. Dagobert Duck hat den Ducklair Tower gekauft. In diesem massiven Gebäude möchte er verschiedene Unternehmen ansiedeln, Donal soll der Hausmeister werden. Durch einen Zufall trifft Donald auf eine nicht verzeichnete Etage, in der er auf das Computergenie Eins stößt. Es ist nicht nur in der Lage, den Turm technisch zu kontrollieren, sondern verfügt zudem über verschiedene Analyse- und Konstruktionsmöglichkeiten. Als die Evronianer, ein außerirdisches Volk, dass andere Rassen in gedankenlose Zombies verwandelt, auftauchen, unterstützt Eins Phantomias mit neuen Waffen und bietet den Ducklair Tower als neue Basis an. Dieser Prolog führt den wichtigsten neuen Partner, Eins, sowie die neuen Hauptgegner, die Evronianer, ein. Das ist dicht erzählt und bietet dennoch genügend Platz, viele Rätsel offen zu lassen. Zum Beispiel ist weder die Herkunft von Eins völlig geklärt, noch die der Evronianer und ihrer Ziele. Zuletzt tauchen bereits in diesem Auftakt einige Journalisten auf. Darunter befindet sich Konrad Kiwi, der eine große Antipathie gegenüber Phantomias hegt. Man merkt: In dieser Geschichte sind tatsächlich viele Aspekte bekannter Superheldengeschichten enthalten. Hier werden sie zu einem dichten, überzeugenden und unterhaltsamen Mix zusammengeführt.

Obwohl der Schock der Evronianer noch nicht nachgelassen hat, taucht im zweiten Kapitel ein weiterer Außerirdischer auf. Hierbei handelt es sich um den titelgebenden „Zeitpirat“. Phantomias und Eins brauchen eine Weile bis sie herausfinden, was der Zeitpirat vor hat und was er überhaupt ist. Bemerkenswert an dieser Episode ist vor allem wie radikal Phantomias Gegner dargestellt sind. Der Zeitpirat ist äußert brutal und nur schwer zu besiegen. Außerdem verbündet er sich mit Konrad Kiwi, der Phantomias in dieser Episode das Leben äußerst schwer macht. Dies sorgt für eine überraschend dunkle Atmosphäre, die nur dadurch aufgelockert wird, dass hier Klarissa eine neue Verbündete von Phantomias die Bühne betritt. Alles in allem kann der zweite Teil das Niveau des ersten voll und ganz halten.

Im dritten Kapitel kehren die Evronianer zurück und setzen Phantomias arg zu. In dunkelster Stunde tritt die titelgebende „Xadhoom!“ auf den Plan. Sie hat einst ihr Volk an die Evronianer und schwört nun Rache. In ihrem Hass gleicht sie dem ganz frühen Phantomias (worauf im Comic allerdings nicht Bezug genommen wird). Mit ihr erhält Phantomias in einer spannenden und gelungenen Episode eine ambivalente Verbündete, die äußerst unberechenbar ist.

Xadhoom tritt in dem darauffolgenden „Gefahr von der Venus“ gleich noch einmal auf. Nachdem bereits der Zeitpirat auf Konrad Kiwi als Feind Phantomias aufmerksam wurde, gelingt dies auch den Evronianern, die ihn umgehend entführen. Phantomias ist Kiwi zwar in Abneigung verbunden, versucht ihn dennoch zu befreien. Hierbei baut er auf die Unterstützung Xadhooms. Diese Episode artet leider arg in Prügeleien aus. Sie wird durch das geniale Zusammenspiel zwischen Kiwi und Phantomias und einer ordentlichen Prise Humor am End gerettet.

Zum Abschluss untersucht das fünfte Kapitel mit dem Titel „Zwei“ die Herkunft Eins. Im Computer findet sich eine unbekannte und äußerst bösartige Sub-Routine Zwei. Für die Bekämpfung muss Phantomias mit dem Schöpfer des Dualair Towers dem jetzigen Eremiten Everett Duclair zusammenarbeiten. Die Episode hat eine dunkle, technikkritische Stimmung und klärt gleichzeitig einige Geheimnisse um den Duclair Tower auf.

Der Band wird mit drei Zusatzkapiteln um Konrad Kiwi und einem Epilog abgerundet. Die Zusatzkapitel beleuchten Kiwis neuseeländische Vergangenheit, in dem Epilog beendet Phantomias die Zusammenarbeit mit Daniel Düsentrieb, seinem vorherigen technischen Unterstützer. Der Epilog funktioniert dadurch als direkteste Brücke zwischen dem alten und dem neuen, modernen und hoch technisierten Phantomias. Das funktioniert überraschend gut und ist auf wenigen Seiten sehr berührend.

Die kurzen Bewertungen machen deutlich, dass der Start des „neuen“ Phantomias ausgesprochen gelungen ist. In fünf Teilen werden drei neue Partner sowie drei Gegner in die Handlung eingeführt. Der Erzählraum umfasst nun die gesamte Erde sowie Teile des Alls. Außerdem muss Phantomias mit dem All, der öffentlichen Meinung sowie der Zeit gleich drei Fronten im Auge behalten. Trotz dieser Vielfalt nehmen sich die Autoren dennoch die Zeit die Ursprünge für den technischen Entwicklungsschritt des Phantomias zu beleuchten. Es gelingt ihnen immer eine spannende und dunkle Atmosphäre aufzubauen und diese an entscheidenen Momenten mit einer Prise Humor abzurunden. Das ist sehr unterhaltsam, spannend und insgesamt sehr gelungen.

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