War of Honor (von David Weber)

War_of_honordt. „Ein neuer Krieg“ / „Honors Krieg“

Die politische Lage im Sternenkönigreich Manticore ist prekär. Im vorherigen Band konnte die Zentristenregierung einen überwältigen Erfolg über die Volksrepublik Haven erringen. Kurz vor dem Abschluss der Kriegshandlung wurden jedoch die entscheidenden Parlamentarier in einem Anschlag getötet und die Regierung wurde durch eine merkwürdige Allianz aus Konservativen, Liberalen und Progressiven ersetzt. Diese haben vor allem das Ziel, die überkommenen, konservativen Strukturen des Königreiches, die ihnen Einfluss ohne Wahlerfolg garantieren, zu bewahren. Dafür nutzen sie den weiter anhaltenden Kriegszustand, in dem sie die Friedensverhandlungen mit Haven immer weiter verzögern. Gleichzeitig reduzieren sie den Wehretat, um sich die Zustimmung der Bevölkerung mit teuren Wahlgeschenken zu erkaufen. Dabei ignoriert diese merkwürdige Koalition völlig, dass sowohl die Haveniten als auch die Andermani ihre Flotten aufrüsten, um dem Königreich Territorien streitig zu machen. Honor Harrington bekämpft diese Politik im Parlament aufs Entschiedenste. Als Oppositionelle wird sie daher bald auf einen äußerst gefährlichen Posten versetzt: Die Silesianische Konföderation ist das erste Ziel der Andermani Expansion. Da die Regierung Manticores diese Bedrohung nicht sieht, erreicht Honor ihr Ziel, an dem sie scheitern soll, mit einer viel zu kleinen Flotte, während in der Ferne die Republik Haven die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen vorbereitet.

Die „Honor Harrington“-Serie greift auf ein realistisches und faszinierendes Universum zurück. David Weber ist es mit seinen Büchern gelungen, lange aber ungemein spannende und schnell erzählte Weltraumabenteuer zu erzählen, die man nicht aus der Hand legen möchte. „Honors Krieg“ ist mit über 800 Seiten der bisher längste Roman der Reihe und leider auch der erste Fehlgriff der Serie.

Das liegt erstens an der breiten politischen Handlung dieses Romans. Keine Frage: Die Situation ist enorm clever konstruiert und wird von den Protagonisten regelmäßig auf scharfe Art analysiert. Das Problem ist, dass dies zu äußerst langatmigen Passagen führt. Weber informiert seine Leser in der Regel über die Vorgänge auf allen Seiten. Man weiß also, was Honor Harringto und ihre Unterstützer denken und planen. Gleichzeitig erlebt man aber auch alle Strategiesitzungen der manticorianischen wie der havenitischen Regierung. Dadurch werden Diskussionen nicht nur ständig, aus anderer Perspektive wiederholt, diese Erzählform nimmt der Handlung zudem alle Spannung. Immerhin ist man immer darüber informiert, was die „Gegenseite“ gerade plant. Immerhin lässt Weber seine Leser über die wahren Absichten der Andermani etwas im Unklaren.

Zweitens ist der eigentliche Kern der Handlung, die interstellare politische Handlung, äußerst schwach. Auch hier skizziert Weber wieder eine komplexe Situation, in der die Interessen der Manticorianer, Andermani und Haveniten eigentlich konvergieren, aufgrund des opportunistischen Verhaltens der manticorianischen Regierung aber zu einem Konflikt führen. Dieser ist jedoch auch im Sinn einiger Kräfte innerhalb der havenitischen Republik. Auch über diese dramatischen Konstellationen ist der Leser informiert. Weber versucht jedoch nicht einmal, aus dieser Situation, Spannung oder gar so etwas wie Dramatik aufzubauen. Stattdessen sorgt sein nüchterner Stil der vielen verschiedenen Intrigen in diesem Handlungspunkt vor allem für Langeweile.

Um diese schwache Handlung etwas besser wirken zu lassen, fügt Weber der Geschichte eine noch schwächere Seifenoperhandlung hinzu. Honor ist in einen populären, alten und vor allem verheirateten Admiral verliebt, der diese Gefühle erwidert. Aus politischen Gründen ist dieses Verhältnis, das bis zum Schluss nicht einmal stattfindet, äußerst heikel. Aber auch diesem Handlungsabschnitt gönnt Weber keine Bewegung. Wie in der politischen Handlung kommt es selten zu Ereignissen, die Geschichte scheint bis zum Schluss still zu stehen.

Der Kern des Romans ist dann der finale Konflikt zwischen Manticore und Haven. Aufgrund der inkompetenten High Ridge Regierung werden die Streitkräfte des Königreiches von einem republikanischen Angriff überrascht. Diese Raumschlachten, eigentlich eine große Stärke Webers, werden wie der Rest des Romans viel zu nüchtern beschrieben. Die Dramatik, der unglaubliche Verlust an Leben, er wirkt hier bei Weitem nicht so dramatisch wie in früheren gelungenen Werken Webers. Stattdessen wird hier alles auf wenigen Seiten abgehandelt. Nach dem schweren Schlag, den Honor und ihre Unterstützer mit viel Glück und Intuition zumindest abmildern können, tritt die Regierung High Ridge geschlossen zurück (bzw. einige Mitglieder bringen sich einfach um). Auch diese Episode ist angesichts der hunderten Seiten, in denen über politische Winkelzüge langatmig beraten wurde, äußerst unbefriedigend. Weber nutzt das Potential, dass er über 700 Seiten aufbaut, im Finale nicht.

Und so ist dieser achte Band der bisher bis auf wenige kleine Punkte so überzeugenden „Honor Harrington“-Serie letztlich eine Prüfung für den Leser: Weber präsentiert auf 800 Seiten Stillstand mit einer clever konstruierten aber viel zu determinierten Handlung garniert mit einer operettenhaften Liebesgeschichte. Einzig die Tatsache, dass einem einige Charaktere dank der vorherigen Bücher ans Herz gewachsen sind, verhindert, dass man die Lektüre vorzeitig abbricht.

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