Brothers in Arms (von Lois McMaster Bujold)

Brothersinarmscover

dt. „Waffenbrüder“

Nachdem Miles Vorkosigan in einer spektakulären Aktion ein geheimes Kriegsgefangenengefängnis Cetagendas befreit hat, werden seine Dendarii-Söldner von der überragenden Streitmächten Cetagendas gejagt. Während der Flucht erleidet Miles Flotte schwere Verluste, sodass sie in den Orbit der Erde flüchtet, um dort dringend notwendige Reparaturen durchzuführen. Ebenso dringend ist frisches Geld von Barrayar, in dessen Dienst die Dendarii stehen – wohlweislich ohne dies zu wissen, schließlich spielt Miles als Admiral Naismith immer die Rolle eines unabhängigen Söldnerfürsten. Auf der Erde angekommen wendet Miles sich somit sofort an die barrayanische Botschaft. Hier wird dient er wieder in seiner Funktion als Lieutnant und wartet sehnlich auf das Geld für seine Reparaturen. Doch das Geld lässt auf sich warten, Miles hat in dem engen Pressenetz der Erde immer größere Probleme seine beiden Rollen getrennt zu halten und dann taucht auch noch ein Doppelgänger auf. Bald stellt sich heraus, dass alle Ereignisse mit den Taten seines Vaters, einem ehemaligen barrayanischen General und nun Regent des barrayanischen Imperiums, bei der Eroberung Komorrans zusammenhängt.

„Brothers in Arms“ ist der erste Vorkosigan-Roman, der auf der Erde spielt. Dies ist ein interessantes Szenario. Anders als in den meisten anderen Zukunftsvisionen ist die Heimat der Menschheit nämlich nicht geeint. Stattdessen gibt es noch immer zahlreiche Nationalstaaten, die alle ihre eigene Raumflotte haben. Und dennoch ist der Planet friedlich und durch wirtschaftlichen Handel miteinander und mit anderen Sternennationen äußerst reich. Dieser faszinierende Gedanke, der durchaus das Material für einen eigenen Roman geboten hätte, wird im Verlauf der Handlung leider nicht mehr aufgegriffen. Stattdessen konzentriert sich Bujold ganz auf den Botschaftsaspekt, in dem Miles mit seinen zwei Rollen (Vorkosigan und Admiral Naismith) jonglieren und gleichzeitig einen diplomatischen Eklat für Barrayar vermeiden muss. Auch dies ist ein spannendes Setting, allerdings deutlich weniger faszinierend als die Zukunftserde.

Wie Miles hat auch der Leser rasch das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Zu unverantwortlich erscheint es, dass der barrayanische Geheimdienst seine Dendarii-Söldner über eine langen Zeitraum ohne Geld lässt. Immerhin birgt die Flotte ungemeinen diplomatischen Sprengstoff. Allerdings erscheinen in dieser ersten Hälfte des Romans, in der über das Ausbleiben der Geldströme gerätselt, Miles Versuche seine Lage zu verbessern äußerst stümperhaft. Noch nie traten Vorkosigan und Naismith auf demselben Planeten zur selben Zeit auf. Die Art wie Miles diese prekäre Situation behandelt, erscheint äußerst riskant und unüberlegt.

Es ist daher gut, dass sich die Lage schnell zuspitzt, indem Rebellen Komorrans Miles als Sohn des derzeitigen Regenten Barbaras entführen. Dies erhöht nicht nur die Spannungskurve des Romans dramatisch, sondern beendet die Serie amateurhafter Verschleierungsversuche Miles. Bujold gelingt es, diese Handlung mit einem ironischen Unterton zu versehen, indem sie die Komorraner mit einem Klon Miles ausstattet, den dieser zuvor zur Verschleierung seiner Doppelidentität selbst gegenüber der Presse erfunden hat. Natürlich ist dies ein unangenehm auffällig konstruierter Zufall. Durch Bujolds augenzwinkernden Schreibstil, trägt dieser Einfall dennoch gut zur Handlung bei.

Mithilfe der wie immer gut gezeichneten Charaktere – Miles hat diesmal eine offene Romanze und einen mysteriösen komorranischen Vorgesetzten – kreiert Bujold ein zugespitztes Finale, das in einer wilden Schießerei auf der eigentlich von Waffen befreiten Erde endet. Wie in den meisten Barrayar-Romanen, kommt es dabei zu vielen verzweifelten Aktionen, die durch ihre Waghalsigkeiten die Spannung hochtreiben. Allerdings gelingt Bujold diesmal kein Höhepunkt, die Schießereien zum Schluss erscheinen eher konventionell. Trotzdem halten diese den Lesefluss und überzeugen unter anderem mit den ernsthaft geführten Konversationen zwischen Miles und seinem Klon (Mark). Dass Miles Marks anerzogene Skepsis in diesen Unterhaltungen nicht überwinden kann und ein reines Happy End damit ausbleibt, führt zu einem gelungenen Ende.

„Brothers in Arms“ ist somit ein kurzer, prägnanter und unterhaltsamer Barrayar-Roman, der wie seine Vorgänger an einigen Stellen mit Nachdenklichkeit überrascht. In diesem Fall sind es die Rechte geklonter Menschen die in einer kurzweiligen Verpackung angesprochen werden. Das steht hinter früheren Höhepunkten der Serie etwas zurück, ist aber dennoch eine unterhaltsame und gute Lektüre.

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