Borders Of Infinity (von Lois McMaster Bujold)

„Borders Of Infinity“ ist eine Kurzgeschichte, die in Bujolds Barrayar-Universum spielt. Miles Vorkosigan wird dabei in ein „perfektes“ Gefängnis der Cetagendaner eingewiesen. Alle interstellaren Vorschriften bezüglich Kriegsgefangener werden darin berücksichtigt. Es gibt genügend Freiraum, es wird für genügend Ernährung gesorgt und es wird keine Gewalt von Seiten der Gefängniswärter ausgeübt. Das bedeutet: Auf einem abgelegenen Mond gibt es eine riesige Kuppel, in der zehntausend Gefangene sich frei bewegen können. Zwei Mal am Tag werden Lebensmittel an zentralen Stellen verteilt, wer zu schwach ist, sich durchzusetzen, erhält somit keine Lebensmittelrationen. Miles, mit seinen Geburtsfehlern, zählt natürlich zu den Schwächeren, die in der Hackordnung dieser Gefängniswelt ganz unten stehen. Mit seiner Intelligenz gelingt es ihm jedoch, Anhänger um sich zu scharen und Ordnung ins Chaos zu bringen.

Mc Master Bujold gelingt es in der 60-seitigen Kurzgeschichte, in wenigen Sätzen eine faszinierende und gleichzeitig erschreckende Gefängniswelt zu skizzieren. Dabei gelingt es ihr einmal mehr Miles induktives Vermögen, Menschen von sich zu überzeugen, realistisch darzustellen. Per Zufall trifft Miles auf einen Wanderprediger in dem Gefängnis, dessen Prophezeiungen er sich zunutze macht, um Mithäftlinge von sich zu überzeugen. Tatsächlich gelingt es ihm in kürzester Zeit, eine Art staatliche Ordnung im Gefängnis herzustellen, sodass vor allem die Essensverteilung fair und geordnet abläuft.

Leider wird aus dieser Position die Geschichte nicht weitererzählt. Bis zum Schluss wird anerkannt, dass ein Ausbruch aus eigenen Möglichkeiten nicht machbar ist. Auch die psychologische Kriegsführung gegen die Cetagendaner, die von Miles kurzzeitig angedeutet wird, verfolg McMaster Bujold nicht weiter. Stattdessen greift sie auf ein äußeres Element zurück. Die Dondarii-Söldner, derren Admiral Miles ist, überfallen das Gefängnis. Ursprünglich sind sie nur gekommen, um Miles zu retten, doch der modelliert die Aktion kurzfristig in eine Rettung aller Gefangener um.

Dieser äußere Eingriff ist schade, da der Leser so keinen genialen Einfall Miles, wie die Cetagendaner ausgetrickst werden könnten, erleben kann. Stattdessen ist das Ende eine hektische Befreiungsaktion. Denn für die 10 000 zu befreienden Häftlinge stehen nur wenige Shuttles zur Verfügung, während die Cetagendaner immer mehr Schiffe in das System beordern. Je länger die Aktion also dauert, desto mehr Verluste gibt es. Das wirkt hauptsächlich eilig und ungeplant. Dabei kommt es zu vielen Verlusten, deren erschreckende Wirkung sich auf dem engen Raum der Kurzgeschichte kaum entfalten kann. Es bleibt leider auch kein Platz für Miles Verarbeitung der Verluste. Das ist schade, denn so ist das interessanteste Element an der Befreiungshandlung nicht genutzt worden.

„Borders Of Infinity“ ist eine Kurzgeschichte, die in einem faszinierenden Zukunftsgefängnis spielt. Leider werden die großen Möglichkeiten der Geschichte nicht genutzt. Anstatt auf Selbstbefreiung stützt sich die Autorin auf eine rasante Befreiungsaktion von außen, deren Potential auf dem engen Raum der Kurzgeschichte nicht ausgenutzt werden kann.

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