Transfer (von Oliver Fröhlich / Maddrax Band 400)

mx400Maddrax ist eine Heftromanserie des Bastei-Verlages, die alle Genregrenzen sprengt: 500 Jahre nach einem Kometenabsturz auf die Erde, reist der durch die Zeit gereiste Matthew Drax unter dem Spitznamen Matthew Drax durch eine postapokalyptische Erde, die gleichzeitig in die Barbarei zurückgefallen ist und sich weiterentwickelt hat. Die Serie verbindet damit Fantasy-Elemente mit Science-Fiction und Horror und ist nur schwer zu definieren. Das macht sie zu einem eigenwilligen aber besonderen Lesevergnügen. Einige Handlungsabschnitte habe ich mit großer Freude gelesen, doch bin ich immer wieder ausgestiegen. In meiner derzeitigen Heftromannostalgie wollte ich auch wieder in diese Serie hineinschnuppern und der Band 400 bot dafür eine ideale Möglichkeit.

Drax und seine Gefährtin Aruula treffen im CERN der Zukunft bei der Suche nach Freunden auf den Jet, mit dem Drax einst in die Zukunft gelang. Ohne sich dagegen wehren zu können, werden sie in diesen Jet getrieben. Das Gefährt bringt sie durch einen Tunnel auf einen fremden Planeten. Dort werden sie von den so genannten Friedenswahrern zunächst getestet und anschließend freigelassen. Der Planet besteht aus einer äußerst lebensfeindlichen Umwelt, sicher ist nur die einzige Stadt des Planeten. Doch die Sicherheit kommt mit einem Haken: Wer sich länger in der Stadt aufhält, vergisst aufgrund einer von den Friedenswahrern freigesetzten Strahlung woher er kommt. Während Aruula sich dank ihrer mentalen Kräfte dem Vergessen widersetzen kann, fängt dieser Prozess bei Drax sofort an zu wirken.

Der Jubiläumsband 400 ist für Einsteiger beworben und hält, was er verspricht. Über die Zustände auf der postapokalyptischen Erde braucht man nichts zu wissen, Maddrax und Aruula landen auf einem unbekannten Planeten und müssen sich dort erst einmal zu Recht finden. Was sie dort finden, ist äußerst verwirrend. Wie der Leser, scheinen die beiden noch nichts von den Friedenswahrern und ihren Motiven gehört zu haben. Deren Test ist relativ brachialisch: Gleich nach der Ankunft werden die beiden Gefährten mit einem monströsen Flugwesen konfrontiert, das sie scheinbar angreift. In einer Zeitschleife wird dieser Test mehrmals wiederholt. Aruulas telepathischen Fähigkeiten ist es zu verdanken, dass die beiden Erdbewohner die friedlichen Absichten des Wesens erkennen. Dieser Anfang ist etwas langatmig gestaltet, strahlt aber eine gewisse Faszination aus. Immerhin deutet er darauf hin, dass die Friedensbewohner in der Tat daran interessiert sind, friedliche Lebewesen zu erkennen.

In der zweiten Hälfte gelingt es den beiden, in die einzige Stadt des Planeten vorzudringen. Hier beginnt Drax bald, seine Vergangenheit zu vergessen. Dank einer Gruppe Rebellen können die Gefährten sich vor den Friedenswahrern verstecken. Unbewusst führen sie die Besatzer des Planeten jedoch auf die Spur der Rebellen, bei denen sich ihre Schutzanzüge – wie sich herausstellt, der einzige Schutz gegen das Vergessen – befinden. Diese zweite Hälfte des Romans ist immer noch überraschend ruhig geschildert, wirkt durch das bunte Leben in der Stadt aber bereits deutlich spannender als die erste Hälfte.

„Transfer“ ist somit ein ruhiger Auftakt für einen neuen Handlungsabschnitt der Serie. Der Planet sowie seine ominösen Besatzer sind faszinierend, auch wenn der Leser noch nicht viel über die Hintergründe erfährt. Ohne einen großen Höhepunkt legt „Transfer“ somit einen ruhigen Auftakt für weitere Abenteuer in einem fremden Sonnensystem.

Anmerkung: Der Roman ist zudem mit einer äußerst umfangreichen Zusammenfassung der vorherigen 399 Bänden ausgestattet, die jedoch aufgrund ihres komprimierten Detailreichtums auch für Leser einiger dieser Bände recht komplex ausfällt. Zudem ist eine verwirrende Zeitleiste beigefügt, die einige Ausschnitte der Maddrax-Geschichte zusammenfasst. Es scheint sich dabei um Erkenntnisse der vorherigen Bände im CERN zu handeln, die für die aktuelle Handlung (noch) nicht interessant sind. In welchem Zeitraum in der Serie gedacht wird, verrät ein Hinweis des leitenden Redakteurs: Auf der Leserseite kündigt er an, dass Maddrax spätestens zur Halbzeit des Zyklus in zwei Jahren (!) auf die Erde zurückkehrt. Es bleibt zu hoffen, dass das Rätsel um den Planeten nicht auf solch eine lange Zeit gestreckt wird (oder dass es zumindest sehr unterhaltsam gestreckt wird).

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