Informative Murder Porn (South Park)

Ein neuer Trend beunruhigt die Jugend South Parks: Ihre Eltern schauen jeden Abend Dokumentarfilme über Mordanschläge während oder kurz nach sexuellen Handlungen. Das regt zwar die Lust ihrer Eltern an. Bald werden jedoch auch die schlimmsten Befürchtungen der Kinder wahr. Der Vater eines Erstklässlers bringt seine Frau um – wie zuvor in einer der Dokumentationen gesehen. Es hilft also alles nichts, gemeinsam erringt man eine Elternsicherung bei dem zuständigen Kabelbetreiber. Dies Aktion bringt wiederum die Eltern zur Verzweiflung.

Neue Medienformate, die gesellschaftliche Konventionen verletzen, flößen Uneingeweihten zunächst Angst ein. In einer Eltern-Kind-Beziehung kann zum Beispiel die Furcht gewalttätigem Verhalten des Kindes nach dem Konsum gewalttätiger Filme sein. In der Vergangenheit musste sich jedes neue Medium dieser elterlichen Furcht erwehren. Begonnen mit dem Roman, fortgeführt über den Comic, das Radio und das Fernsehen, Sorgen sich Eltern heute über den extensiven Konsum des Internets, über dem ihre Schützlinge die wahre Welt völlig vergessen. Genau das befürchteten im 18. und 19. Jahrhundert Eltern, wenn sie ihren Sohn (oder ihre Tochter) mit einem „weltfremden“ Roman entdeckten.

Diese „South Park“-Episode stellt die darauf folgende Reaktion diesmal aus der Sicht der Kinder der Stadt nach. In dem zugegeben genau so scheußlichen wie absurden Beispiel von Morddokumentationen, die eigentlich hauptsächlich Pornos sind, fürchten die Kinder um das Leben ihrer Mütter. Glücklicherweise erlaubt der Kabelbetreiber, eine Sicherheitsfrage einzurichten, die als Elternfilter gelten kann. Also stellen die Kinder eine Frage zu dem Computerspiel Minecraft, das für Eltern unverständlich ist. Dieser Schachzug ist witzig und genial. Denn dadurch zeigt die Folge auf, dass in einer solchen Situation beide Seiten die Welt des anderen nicht verstehen.

Gezwungen, Minecraft zu erlernen, sind die Eltern zunächst völlig perplex, dass es in dem Spiel zu weiten Teilen um Arbeit geht. Holz besorgen, Dinge bauen, das verstehen sie nicht als Spiel. Die Kinder wiederum können den Reiz an Gewalt und Sex nicht verstehen und fürchten sich davor. Diese Konstellation sorgt für viele lustige Momente.

Gerade im Vergleich zur vorherigen Episode wird dadurch deutlich, dass „zeitlose“ Ansätze wie der ewige Generationenkonflikt über neue Medien deutlich unterhaltsamer aber nicht weniger bissig sein können, als Kommentare zu aktuellen Ereignissen. Bissig und lustig, „Informative Murder Porn“ ist nach dem schwachen Staffelstart eine überzeugende und unterhaltsame Folge.

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