Entscheidungen (Deep Space Nine Folge 126)

Inhalt: Die Tarnung Siskos und seiner Leute ist nach dem Angriff auf eine Dominion-Station aufgeflogen. Ohne Waffen und Warp-Antrieb sind sie ihren Verfolgern hilflos ausgeliefert. Gerade noch rechtzeitig können sie sich in einen Nebel retten. Doch dort stürzen sie auf einem unbewohnten Planeten ab. Allerdings sind sie dort nicht alleine: Ein Dominion-Schiff ist dort vor kurzem ebenfalls abgestürzt…
Auf der Station stellen Odo und Kira fest, dass das Dominion und die Bajoraner nicht besonders schlecht behandeln. Sie haben zwar ihre außenpolitische Freiheit verloren, aber ansonsten werden sie ganz gut behandelt. Daher ist Kira auch taub für Forderungen, eine Widerstandszelle ins Leben zu rufen. Das ist eigentlich eine sehr seltsame Einstellung für die ehemalige Widerstandskämpferin…

Kritik: Man fragt sich gleich zu Beginn, warum die Jem’hadar Sisko nicht in den Nebel folgen. Der Planet, der Siskos Schiff zum Absturz bringt, macht schnell deutlich, warum das so ist. Bei den vorherigen Kämpfen wird Jadzia stark verletzt, sie ist auf medizinische Versorgung angewiesen. Das ist auf einem unbewohnten Planeten natürlich nicht ganz einfach. Doch den Dominion-Truppen geht es nicht viel besser. Der Vorta ist ebenfalls schwer verletzt und ist auf Dr. Bashirs Hilfe angewiesen. Gleichzeitig hat er aber noch ein zweites Problem: Er hat kein White mehr, wodurch ihm die Kontrolle über seine Jem’hadar-Krieger entgleitet.

Nachdem er sich durch Erpressung von Dr. Bashir behandeln lassen hat, verkündet er Sisko daher, dass er den Jem’hadar befehlen wird, die Sternenflotte direkt anzugreifen. Zuvor wird er jedoch Sisko den Angriffsplan aushändigen. Dadurch dürfte es für Sisko ein leichtes sein, die Jem’hadar zu vernichten. Danach würde sich der Vorta in die Kriegsgefangenschaft der Föderation begeben und müsste sich keine Sorge mehr darum machen, von seinen Jem’hadar-Kriegern umgebracht zu werden.

Diese Episode zeigt auf eindrucksvolle Weise wie intrigant und niederträchtig die Vorta doch sind. Gegen den hier gezeigten Vorta ist Weyhoun die Ehrlichkeit in Person. Dieser Vorta opfert seine Krieger für das eigene Überleben. Das ist etwas merkwürdig, schließlich werden die Vorta regelmäßig wiedergeboren. Wahrscheinlich ist das zur Zeit aber nicht möglich, weil die Verbindung zum Alpha-Quadranten unterbrochen ist.

Die Folge ist aber vor allem deswegen gelungen, weil Sisko die Jem’hadar nicht einfach abschlachtet. Im Gegenteil, er versucht mit dem Anführer der Jem’hadar auf einer vernünftigen Basis zu kommunizieren und warnt ihn sogar davor, dass sein Vorta ihn betrogen hat. Für den Jem’hadar ist das jedoch kein Grund, den Angriff abzubrechen. Seine genetische Programmierung verhindert, dass er sich dem Befehl seines Vortas widersetzt. Das ist besonders tragisch, weil in den Gesprächen mit Sisko deutlich wird, dass die Jem’hadar durchaus in der Lage sind, selbst zu denken und eigene Strategien zu formulieren. Lediglich ihre Gene verhindern, dass sie die Ideen auch in die Tat umsetzen können.

Der „Gemetzel“ zum Schluss ist sehr gut inszeniert, die Trauer, die die Sternenflotten-Offiziere beim sinnlosen Blutvergießen empfinden, wirkt überzeugend. Auch Siskos Hass auf den Vorta ist sehr gut dargestellt. Schade ist nur, dass man nicht mehr mitbekommt, wie die Menschen von dem Planeten gelangen. Denn eigentlich ist man noch immer tief in cardassianischem Raum. Ein Hilferuf dürfte also in erster Linie das Dominion anlocken. Es ist leider zu vermuten, dass das Thema in der nächsten Episode nicht direkt aufgegriffen wird, sondern dass man einfach die richtige Hilfe gerufen hat. Das ist schade.

Auch diesmal ist die Nebenhandlung auf Deep Space Nine sehr gelungen. Kira und Odo arrangieren sich recht schnell mit der Besatzung durch das Dominino. Niemand leidet wirklich, lediglich ein paar Freiheiten sind beschnitten. Doch solange es niemandem schlechter geht, glauben Kira und Odo, dass Kooperation besser ist als Konfrontation, bei der Wesen ihr Leben verlieren könnten. In den Gesprächen mit Jake und einer Vedek vertritt Kira daher vehement eine gewaltfreie Strategie.

Erst der Selbstmord einer Vedek, die das Beschneiden von Freiheitsrechten nicht mehr ertragen kann, rüttelt Kira auf. Sie beschließt daraufhin, mit Odo eine Widerstandszelle zu gründen. Das ist etwas merkwürdig. Denn die Argumente der beiden stimmen noch immer. Es wäre noch immer das Beste, weiter darauf zu warten, bis sich das Kriegsglück eventuell dreht. Denn im Gegensatz zu den Cardassianern, wird man das Dominion nur abschütteln können, wenn es im Krieg besiegt wird. Das liegt aber nicht in Bajors Händen.

Es wäre also tatsächlich das Klügste, zu kooperieren und sich in eine Position zu versetzen, in der man die Zerstörung des Minenfeld um Deep Space Nine verhindern kann. Denn solange das Minenfeld noch steht, besteht zumindest eine entfernte Chance, dass die Föderation im Krieg siegt. Kira ändert ihre Meinung allerdings allein aufgrund des Selbstmord der Vedek, weitere Erklärungen folgen nicht. Das ist etwas zu kurz gegriffen, für die sonst sehr ergreifende Nebenhandlung.

Bis auf Kiras Meinungsumschwung und der fehlenden Flucht von dem Planeten ist „Entscheidungen“ eine sehr gelungene und spannende Episode, die die gute Geschichte aus der vorherigen Episode ohne große Schwächen fortsetzt. 5 von 5 Punkten.

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