Real Humans – Echte Menschen (Folge 3+4)

Die von ARTE am letzten Donnerstag ausgestrahlten Episoden drei und vier der schwedischen Serie „Real Humans“, schließen nahtlos an die beiden ersten Folgen an. Die Handlung nimmt dabei deutlich an Fahrt auf. Die einzelnen Folgen tragen keinen eigenen Titel. Das verdeutlicht, dass hier eine große Geschichte erzählt wird, die nicht in einzelne Unterhandlungen unterteilt werden kann. Tatsächlich ist der Dreh- und Angelpunkt der Serie die Vermenschlichung der Hubots. Hubots sind die Roboter, die eigentlich dazu dienen sollen, den Menschen arbeiten abzunehmen. Zunehmend entwickeln Menschen aber emotionale Bindungen zu ihren Hubots und stören sich daran, dass sie wie Dinge behandelt werden. Eine Minderheit hingegen, meist Menschen, die ihren Job an einen Hubot verloren haben, protestieren gegen diese gesellschaftliche Entwicklung. Dazwischen agiert eine Handvoll Hubots, die keinen Besitzer mehr hat. Das ist eigentlich illegal, doch diese Hubots haben einen starken Freiheitsdrang entwickelt und sind sogar in der Lage, Menschen Leid zuzufügen – ein Akt, der eigentlich durch ihre Programmierung ausgeschlossen sein müsste.

Beide Episoden zeigen Wendepunkte in den Mensch-Hubot-Beziehungen. Der erste ist ein negativer. Roger hat sich den Echten Menschen angeschlossen, da seine Frau mit einem Hubot durchgebrannt ist. Deren Position ist ihm jedoch nicht radikal genug. Daher wendet er sich einer Splittergruppe zu, die terroristische Anschläge auf Hubots plant. Anhand dieser Unterhandlung wird der Frust vieler Menschen deutlich. Denn der Anführer der radikalen Gruppe ist ein Postbote, der nicht nur immer schlechter bezahlt wird, sondern zudem befürchten muss, von Hubots ersetzt zu werden. Das Gehalt scheint nicht einmal auszureichen, um von seiner Mutter wegzuziehen. So verbirgt er sich hinter dem Argument, er müsse auf seine Mutter aufpassen und wolle das keinen Hubot tun lassen. Sein Frust über die gesellschaftliche Entwicklung wird aber sehr deutlich.

Ander sieht es in der Familie Engmann aus. Der Großvater riskiert viel, um seinen kaputten ersten Hubot Odi zu verstecken. Der neue Hubot macht ihm zu viele Vorschriften, er sehnt sich nach etwas mehr Freiheit. Die sieht er in seinem alten Roboter. Seine Zuneigung zu Odi geht sogar so weit, dass er sich und andere in Gefahr bringt. Inge Engmann erlebt bei zwei Freundinnen, wie eine Beziehung zwischen Hubot und Menschen funktionieren kann. Daher erklärt sie sich bereit, den Haushaltshubot Anita zu behalten. Sie macht ihrer Familie jedoch viele Vorschriften, wie sie Anita zu behandeln haben: Als gleichberechtigtes Familienmitglied, nicht als Sklavin. Das geht vor allem ihrer ältesten Tochter zu weit. Der Sohn der Familie befindet sich mitten in der Pupertät und fühlt sich von Anita angezogen. Noch schreckt er vor zu großen sexuellem Missbrauch des Hubots aber zurück. Inge lässt sich in der vierten Episode aber sogar dazu überreden, einen Rechtsstreit für die Hubot-Rechte zu beginnen. Ihre Freundinnen wurden in eine Disko gelassen, ihren Hubots der Zutritt aber verwehrt. Das sei Diskriminierung, sagen sie und Inge überlegt, ob sich daraus ein Präzedenzfall machen lassen kann. Anhand dieser Handlung erlebt man in Inges Anwaltskanzlei, dass Frauen auch in der Realität der Serie noch diskriminiert werden. Wie zuvor, überzeugt dieser Handlungsstrang am meisten, da die Familie Engmann sehr authentisch wirkt.

Leo arbeitet nun in einer illegalen Fabrik, die Hubots tuned. Dabei stellt sich heraus, dass er nicht jeden Hubot im Sinne der Klienten aufrüstet. Die meisten möchten andere Sex- oder Gewaltfunktionen, nur wenige möchten die Hubots menschlicher haben. Leos Ziel ist noch immer, den Verbleib von Anita zu klären. In seinen Erinnerungen erkennt man immer mehr, dass er an einer traurigen Familiengeschichte leidet. Während seine Mutter in einem See ertrunken ist, rettete ihn Anita. Doch Leo konnte nicht natürlich genesen. Er scheint ein Mischwesen aus Hubot und Mensch zu sein. Dies bietet viele interessante Möglichkeiten für weitere Handlungsansätze. Wie zuvor wirkt Leos Verhalten aber nicht ganz überzeugend. Er geht zu radikal vor und scheint vor allem nie zu wissen, wann er sich selbst aufladen muss. Dadurch bringt er sich regelmäßig unnötig in Gefahr.

Die wilden Hubots finden Unterschlupf in einer Kirche und bleiben dort beide Folgen über. Sie werden von der Polizei entdeckt. Dabei stellt sich aber heraus, dass die Polizistin Bea selbst ein Hubot ist. Obwohl sie bei den Extremisten Rogers mitarbeitet, scheint sie auf der Seite der wilden Hubots zu kämpfen. Ihre Motive und ihre Herkunft sind noch nicht ganz klar. In einer Rückblende wird sie als Leos Mutter dargestellt. Das wäre aber sehr merkwürdig. Auf jeden Fall bleiben Beas genaue Motive ein Rätsel. In ihrer Handlung wird aber offenbart, dass der freie Wille der wilden Hubots auf einem Programm basiert. Bea hat nun den größten Teil davon in der Hand, der Rest des Programms ist bei Leo. Warum Bea aber die Extremisten unterstützt, wird in diesen beiden Episoden nicht geklärt.

„Real Humans“ strotzt bereits nach vier Episoden vor interessanten Handlungssträngen. Das Tempo ist hoch, die Spannung ebenfalls. Dennoch kann die Serie regelmäßig interessante Themen wie die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz oder Gewalt in Familien ganz selbstverständlich aufgreifen und in die Handlung einbinden. Die Serie weist hier kaum noch Schwächen auf, die Charaktere sind allesamt überzeugend gespielt. Das unterhält sehr gut und hält das Interesse an der Handlung durchgehend hoch. So freut man sich bereits auf die Ausstrahlung der fünften und sechsten Folge am kommenden Donnerstag.

Bis zum Donnerstag kann man sich die beiden Episoden noch auf der ARTE-Homepage kostenlos ansehen.

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