Real Humans – Echte Menschen (Episode 1 + 2)

Gestern begann ARTE die schwedische Serie „Real Humans – Echte Menschen“ auszustrahlen. Die Handlung setzt in einer Gesellschaft an, die sich von unserer lediglich in einem Punkt unterscheidet. Die Menschheit hat Roboter, sogenannte Hubots, entwickelt, die ihr viele Arbeiten abnehmen können. So arbeiten in Fabriken hauptsächlich Roboter und die Haushaltsarbeit gehört für Menschen ebenfalls der Vergangenheit an. Allerdings gibt es noch immer Skeptiker, die sich von den Robotern bedroht sehen. Sie sehen die zunehmenden persönlichen Beziehungen zwischen Robotern und Menschen, in denen die Roboter mal nur als Sex-Objekt, mal aber auch als wirklicher Liebhaber genutzt werden, als widernatürlich an. Außerdem streift eine Gruppe von Menschen unabhängiger Roboter durch Schweden, die sich langsam aber sicher in ihrem Unabhängigkeitsdrang radikalisiert.
Die Handlung setzt bei der Familie Engman ein. Der Hubot des Großvaters ist kaput gegangen, ein neuer muss her. Dabei erhalten die Engmans einen eigenen Gratis-Haushaltsroboter. Dabei handelt es sich um Mimi aus der Gruppe unabhängiger Roboter. Sie wurde von Menschen gestohlen, umprogrammiert und an die Engmans verkauft. Während Teile der Gruppe nach Mimi suchen, gewöhnen sich die Engmans an ihren Haushaltsroboter.

„Real Humans – Echte Menschen“ überrascht mit einem erschreckend realen Szenario. Alles wirkt wie die heutige Welt, sie wird nur von Robotern dominiert. Die Roboter werden dabei wie Dinge behandelt, obwohl einige bereits Gefühle und menschliche Verhaltensweisen angewöhnt haben. Und auch die Menschen behandeln Roboter längst nicht nur wie Maschinen. Stattdessen bauen sie alle in irgendeiner Form Beziehungen zu ihren elektronischen Gegenständen auf. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Hubots keinerlei Rechte haben und auch als Dinge angesehen werden. Das ist der große Widerspruch in der hier dargestellten Gesellschaft: Emotional werden Roboter durchaus wie Menschen behandelt, sobald es aber um rationalere Dinge geht, haben sie keinerlei Rechte.

Die Handlung ist sehr dicht erzählt, die beiden Episoden bleiben immer spannend. Das unterscheidet die neue ARTE-Serie von der jüngst ausgestrahlten „The Hour„. Denn es gibt gleich vier Handlungsebenen.
Auf der einen Seite erlebt man an der bereits erwähnten Familie Engman wie sich eine Gemeinschaft auf einen Roboter einstellt. Gleichzeitig kann man an dem Großvater auch sehen, wie schmerzhaft der Abschied von einem Roboter sein kann. Geradezu rührend rettet er „seinen“ Odi vor dem Recyclinghof und versteckt ihn im Keller vor der neuen Haushaltshilfe.
Viel Bildschirmzeit erhält auch die Grupe unabhängiger Hubots. Sie wird – nachdem der Mensch Leo mit einem Roboter Max die Gruppe verlässt, um Mimi zu suchen – von Niska angeführt. Während die meisten Roboter Niska naiv folgen, wendet sie regelmäßig Gewalt gegen Menschen an. Hier erlebt man das Bedrohungspotential der Hubots.
Davor hat Roger Angst. Er hasst Hubots unter anderem auch, weil sich seine Frau in einen verliebt hat und ihn deswegen verlassen hat. Außerdem wird er an seinem Arbeitsplatz mehr und mehr von Robotern verdrängt. Deswegen schließt er sich den „Echten Menschen“ an, einer Bewegung, die Roboter am liebsten verbieten lassen möchte. An Roger erlebt man den Strukturwandel, den die Gesellschaft aufgrund der Hubots durch machen muss.
Der kleinste Handlungsstrang dreht sich um eine Polizeieinheit, die Hubot-Kriminalität aufklären soll. Sie ist der Gruppe unabhängiger Roboter auf den Fersen, macht in den ersten beiden Episoden jedoch kaum Fortschritte.

Der einzige Kritikpunkt an den ersten beiden Episoden ist, dass Männer Hubots lediglich als Prostituierte und Sex-Objekte verwenden, während sich die Frauen in sie verlieben. Das greift zu stark in den Geschlechterklischeetopf. Abgesehen davon weiß aber jeder Handlungsstrang zu überzeugen, keiner wirkt aufgesetzt und die meisten regen zum Nachdenken darüber, wie man sich selbst in der Situation verhalten würde, an. Damit ist der Auftakt von „Real Humans – Echte Menschen“ sehr gelungen und regt zu Weitersehen der Serie an. Anders als bei „The Hour“ werde ich die erste Staffel der Serie daher auf ARTE weiterverfolgen.

Die beiden Episoden kann man sich noch sieben Tage lang auf Arte+7 kostenlos ansehen.

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