Zähl bis 90 (Gefährliche Seilschaften Folge 2)

Nachdem die Vorsitzender der Moderatenpartei in der vorherigen Folge einen überwältigen Wahlsieg erreicht hat, geht es nun um die Regierungsbildung. Brigitte Nyborg Christensen geht relativ optimistisch in die Verhandlungen, fragt sich aber, ob sie die richtige für den Job der Premierministerin ist. Die Verhandlungen erweisen sich rasch als äußerst kompliziert. Denn ihre männlichen Kollegen sind in dem Spiel um die Macht weitaus versierter. Obwohl Christensen die größte Partei im Parlament führt, erheben auch die Arbeiterpartei und die Liberalen den Anspruch, die Regierung zu führen. Christensen bleibt rasch nichts anderes mehr übrig, als sich mit dem Job der Wirtschaftsministerin abzufinden. So scheint es zumindest.

„Zähl bis 90“ kann das hohe Tempo des Pilotfilms aufrecht erhalten. Gleichzeitig beeindruckt die zweite Episode der Serie aber mit einer noch besseren Story als der Auftakt. In Deutschland stellt ganz klar der Kandidat der größten Koalitionspartei das Regierungsoberhaupt. Da Christensen nur auf wenig Verhandlungserfahrung zurückblicken kann, gehen alle anderen Parteien davon aus, sie über den Tisch ziehen zu können. Zu recht, denn Christensen muss tatsächlich erst einmal lernen, wie sie sich durchsetzen kann.

Die Folge dreht sich daher in erster Linie um die Hauptperson der Serie. Christensen ist von Beginn an von Selbstzweifeln geplagt. Einzig von ihrem Mann lässt sie sich regelmäßig aufbauen. Ihre Zuversicht sinkt rasch, als die Arbeiterpartei ihr die Gefolgschaft verweigert und verlangt, das Regierungsoberhaupt zu stellen. Da sie ein vermeintlich gutes Angebot der Arbeiterpartei erhält, ist sie durchaus gewillt es anzunehmen. Im Verlauf der Episode gelingt es ihr jedoch, aufgrund innerer Streitigkeiten in der Arbeiterpartei, diese zu überlisten. Mithilfe ihres Mentors Bent Sejrø gelingt es ihr am Ende das Koalitionsspiel zu gewinnen. Dabei muss Christensen durch Hochs und Tiefs gehen, wird aber insbesondere von ihrer Familie sehr unterstützt. Gleichzeitig zeigt sich jedoch bereits in dieser Folge, dass sie aufgrund ihrer Arbeit, ihre Familie arg vernachlässigt. Das wird sicherlich eine weitere Entwicklung nach sich ziehen.

Nicht vergessen wird die Handlung um den gefeuerten Spin-Doktor Christensens, Juul, und die Journalistin Katrine Fønsmark. Hier wird sich nur wenig auf den Journalismus konzentriert. Einzig die Szene, in der eine geschasste Journalistin Fønsmark vorhält, die junge Generation wäre nur noch fernsehgeil und nicht mehr an investigativem Journalismus interessiert, bezieht sich darauf. Dennoch ist dieser Handlungsstrang mitreißend, da die Charaktere authentisch wirken und man Interesse an ihrem Schicksal entwickelt.

Koalitionsverhandlungen können spannend sein. „Zähl bis 90“ bietet ein breites Spektrum an politischen Intrigen, Machtspielchen und männlichem Gockel-Verhalten. Dem gegenüber steht Christensen, die anfänglich naiv, im Laufe der Episode einige Methoden ihrer männlichen Kollegen übernimmt und sie mit ihrer eigenen idealistischen Art mischt. Letztlich spielt sie die Männer mit ihren eigenen Methoden aus.

Mit der zweiten Episode ist Christensen, nachdem sie einiges an Lehrgeld zahlen musste, zur Premierministerin geworden. Neben den beeindruckend spannend inszenierten Koalitionsverhandlungen überzeugen auch die persönlichen Handlungen um Christensens Familien und die Journalistin Fønsmark. Besonders Highlights sind zudem die internen Schwierigkeiten der Arbeiterpartei, die Christensen für sich ausnutzt und eine Szene, in der Christensen mit der Liberalen Partei kurz verhandelt. „Zähl bis 90“ ist eine äußerst spannende Folge ohne Schwächen und setzt den sehr guten Kurs der Serie souverän fort.

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