Die Momentaufnahme der vergangenen 24 Stunden

Gestern erschien die wöchentliche „Spiegel Online“-Kolumne Sascha Lobos. Diese Woche beschäftigte er sich mit der Veränderung der Nachrichtenübermittlung. Das mit der Insolvenz der Frankfurter Rundschau eingeleitete Zeitungssterben, das nach gestrigen Berichten auch die Financial Times Deutschland umfasst, sieht er in diesem Zusammenhang. Zulange hätten sich Zeitschriften darauf konzentriert mit Artikeln Momentaufnahmen zu liefern. Die fortlaufende Prozessualisierung verlangt nach „fließenderer“ Berichterstattung in der Art von Live-Streams (nur in einer schöneren Präsentation). Journalisten liefern dabei vor allem Analysen, Hintergrundberichte und Meinung. Dadurch wird dem Leser geholfen, sich im Strom der Neuigkeiten zurechtzufinden.

Für Internetmedien mag das die Zukunft sein. Bereits jetzt, Lobo verweist darauf, werden Artikel hier regelmäßig aktualisiert. Solange, bis genügend Material für einen neuen bereit steht, der den alten dann ersetzt. Dadurch können die Artikel deutlich aktueller sein. Gemeinsam mit Live-Streams machen sie Prozesse immer schneller sichtbar. Mit der Aktualität von Ereignissen werden Printmedien tatsächlich nicht konkurrieren können.

Die Frage ist aber, ob das notwendig ist. Bereits jetzt besteht ein Artikel aus mehr als der Information über das aktuelle Ereignis. Das ist die Meldung, die viele Tageszeitungen ebenfalls noch drucken. In Artikeln erhält der Leser aber meist auch Hintergrundinformationen sowie die Zusammenfassung der Ereignisse, die zum Nachrichtenwert geführt haben. Ein Live-Stream bietet diesen Service nicht. Wenn ich zum Beispiel in einem (unsäglichen) Live-Stream zu einem Kriegsereignis lese, dass eine Stadt bombardiert wird, hilft mir das nur, wenn ich den Verlauf des Konflikts verfolgt habe. Die meisten Zeitungen würden dies nicht als Meldung bringen, sondern in einem Artikel, der dem Leser die Möglichkeit gibt, den Verlauf und die groben Ursachen des Konflikts kennen zu lernen.

Zutreffend ist hingegen das Tageszeitungen sich mehr als Alternative zum Internet präsentieren müssen. Immer häufiger merke ich, wie viel Zeit ich vor verschiedenen Nachrichtenseiten verbringe. Diese Klage wird mir zudem immer öfter zugetragen. Die Tageszeitung (gedruckt oder als PDF/epub) bot und bietet hingegen die Möglichkeit, das wichtigste der vergangenen 24 Stunden zu überblicken. Schon immer bestand sie nicht nur aus Artikeln und Meldungen, sondern auch aus der „Seite 3“, meist gefüllt mit Reportagen. Schon immer gab es Kommentare, schon immer gab es Hintergrundberichte. Früher war das die beste Möglichkeit, an Nachrichten zu kommen. Heute gelingt das über das Netz, unter dem Preis, das man sich dort verliert.

Daher müssen sich Printprodukte weiterhin durch ihre Qualität profilieren. Sie müssen zudem deutlich machen, dass es ihre Produkte meist im Internet (auf der Homepage) aber auch in ausführlicherer Form, einmal am Tag in ihrer elektronischen und gedruckten Form gibt. Diese Betonung der einmaligen Informationsgewinnung am Tag ist wichtig. Das Problem ist hauptsächlich, dass diese Art der Lektüre Geld kostet, während es die meisten Internetnachrichten umsonst gibt.

Was dringend gebraucht wird, ist eine Idee, wie die Internetberichterstattung profitabler werden kann. Die meisten Portale subventionieren sich direkt (durch Geld) oder indirekt (durch Artikel) durch ihr gedrucktes Produkt. Ein reines Internetmedium, dass sich hauptsächlich auf qualitativ hochwertige Nachrichten konzentriert, ist bisher noch nicht wirklich profitabel geworden. Mittlerweile erscheint es dem Leser als normal, Nachrichten abgesehen von umgebahrer Internetwerbung kostenlos zu erhalten. Ob das ewig tragbar ist, sei dahin gestellt. Nur wirklich profitabler Journalismus im Internet, der sinkende Auflagen kompensieren kann, kann Zeitungen retten.

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