Die Kunst des Möglichen (Gefährliche Seilschaften Folge 3)

Die Regierung Nyborg ist seit zwei Monaten im Amt und die erste große Bewährungsprobe steht an. Die Koalition mit knapper Mehrheit muss einen Haushaltsentwurf verabschieden, der die Grundlage für die zukünftige Politik bilden soll. Kurz vor Weihnachten sieht alles nach einem großen Erfolg aus, bis zwei Abgeordnete aus der Arbeiterpartei Nyborg die Gefolgschaft verweigern.

Die Premierministerin regiert auch nach zwei Monaten noch nicht sicher. Im Gegenteil, der Beginn der Episode macht deutlich, wie schmal ihre Machtbasis eigentlich ist. Zwei Abgeordnete reichen, um sie beinahe zu stürzen. Erschwerend kommt hinzu, dass der ehemalige Vorsitzende der Arbeiterpartei, Laugesen, nun Chefredakteur einer Boulevardzeitung geworden ist und nichts unversucht lässt, um seine Konkurrentin Nyborg zu diskreditieren. Nyborg aber hat ihren Spin-Doktor und Medienberater Juul bereits in der ersten Episode gefeuert, da er ihre Moralvorstellungen nicht teilte. Somit hat sie keine Antwort auf das Medienfeuer.

Es wird aber in der Folge auch deutlich, dass sie zunächst keine Antwort auf die schwierige Situation hat. Ihr Lösungsansatz ist dann denkbar einfach, sie gibt den beiden abtrünnigen Abgeordneten, was die wollen. Dabei wird sie von ihrem in der Folge neu eingestellten, sehr motivierten Medienberater unterstützt. Dennoch scheint nichts zu funktionieren. Im Gegenteil, die Episode wirkt wie ein Sog, in dem Nyborg immer weiter untergeht.

Das ist spannend, aber an einigen Stellen etwas schade. So ist Nyborgs Medienberater ganz offensichtlich unfähig. Er hat sich akademische Meriten erarbeitet, ist Professor der Rhetorik. Doch von praktischer Politik und Empathie hat er keine Ahnung. So beleidigt er tatsächlich vor laufender Kamera alle Leser des Express. Kein Wunder, dass er danach gefeuert wird. Trotzdem unterstützt Nyborg bis zu diesem Ereignis jede einzelne Entscheidung ihres Medienberaters. Ihre Entscheidungsfindung sollte die Premierministerin also noch einmal überdenken.

Wobei Nyborg am Ende von alleine auf die rettende Idee kommt, eine Oppositionspartei in das Regierungslager einzubinden. Ihr agieren hier, ist selbstständig und zeigt, dass sie das Machtspiel doch beherrschen kann – wenn sie denn möchte.

Neben der sehr spannenden politischen Handlung glänzt die Episode auch mit zwei persönlichen Handlungssträngen. Nyborg vernachlässigt zunehmend ihre Familie. Die Politik veranschlagt all ihre Ressourcen. Sie schafft es nicht, mit ihren Kindern Geschenke einkaufen zu gehen und sie schenkt ihrem Mann einen Füller, den sie ihm bereits wenige Jahre zuvor geschenkt hat. Beachtlich ist, wie ruhig die Familie das noch aufnimmt. Dabei werden immer mehr Zeichen der Unzufriedenheit deutlich, die Nyborg nicht deuten kann. Dabei ist gerade ihr Mann eine wichtige Stütze. Seine Zwischenfragen am Abend bewegen Nyborg meist, letztlich doch den richtigen Kurs einzuschlagen. Dabei hilft ihr vor allem seine Außenseiterperspektive. So versteht er nicht, warum sie Juul entlassen hat. Seine Zweifel führen letztlich zu Juuls Wiedereinstellung.

Noch gelungener ist die Handlung um Klaas Juul und die Journalistin Katrine Fønsmark. Die beiden waren einst ein Paar, haben sich jedoch vor längerem getrennt. Wie das geschehen konnte, verraten Rückblenden. Dabei verstrickt sich Juul in immer mehr Unwahrheiten über seine Eltern. Die Frage, was wirklich mit Juuls Eltern geschehen ist, bleibt ungeklärt. Deutlich ist aber, dass er Katrine belügt. Derzeit ist Katrine Fønsmark von ihrem verstorbenen Liebhaber schwanger. Sie hält das für eine sehr gute Sache, freut sich über das Zeichen ihrer Liebe. Nur war ihr Liebhaber verheiratet, niemand darf die Vaterschaft wissen. Dennoch glaubt sie, alle seien begeistert, wenn sie von dem Kind erzählt. Das ist unglaublich naiv, wird von der Darstellerin aber genau so unglaublich gut gespielt. Die Szenen mit Katrine wirken wirklich glaubwürdig. Ganz stark ist eine Szene am Grab des Verstorbenen, an dem es zu der Konfrontation mit der Ex-Frau kommt. Hier hat sich Katrine so sehr in die Sache hineingesteigert, dass sie glaubt, die Frau fände die Nachricht über die Schwangerschaft sogar gut. Die Wahrheit ist schmerzhaft und führt zu einer Abtreibung.

„Die Kunst des Möglichen“ hält vielleicht nicht ganz das Tempo der dramatischen Koalitionsverhandlungen. Dafür überzeugt die Episode mit einer genau so spannenden politischen Handlung wie die vorherige und kann zudem mit sehr gelungenen, authentischen und ebenfalls spannenden Charakterhandlungen glänzen. Die Serie unterhält damit auch in der dritten Folge sehr gut und auf hohem Niveau.

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