Sprachlos (Rosenstolz)

„Sprachlos“ ist das vierte Lied auf dem neuen Rosenstolz-Album „Wir sind am Leben“. Das Lied ist relativ unscheinbar und fällt beim ersten Hören der CD kaum auf. Das liegt vor allem daran, dass die Melodie sehr von Streichern getragen wird und sich der Gesang nicht stark von ihr abhebt.

Dabei beginnt das Lied mit einem relativ starken Streicherparte, der eine halbe Minute dauert. Erst dann kommt AnNas Stimme hinzu. Zunächst hat man das Gefühl, dass sich AnNas Stimme mit den Streichern zu einer Art Einheitsbrei zusammentut.

Dieses Gefühl wird dadurch verstärkt, dass es keinen eindeutigen Refrain gibt. Dieser wird erst langsam aufgebaut. Die beiden Strophen des Stückes werden zwar durch dieselben Zeilen beendet, diese heben sich klanglich jedoch kaum von den Strophen ab. Erst in der zweiten Hälfte des Liedes wird der Refrain dann ausgebaut und deutlicher.

Erst bei späteren Durchläufen merkt man, dass das Lied wirklich gut ist. Vor allem die Platzierung besticht. Während das vorherige Lied von den Vergessenen mit einem eingängigen Rhythmus ein Stück für Einsame darstellte, beschreibt „Sprachlos“ mit eher ruhiger Melodie die positiven Seiten des „Sprachlos“ sein.

Die erste Strophe beschreibt eine Person, die sich wundert, dass jemand durch ihre gut aufgebauten, geschützten und etwas einsamen Mauern gedrungen ist. Jemand kam ungefragt in diese Welt was die Person erst einmal sprachlos macht. In der zweiten Strophe versucht die Person nun ihr Leben, ein anderes Lied, das von Hoffnung, Angst und Liebe, das von langer Einsamkeit darzulegen. Das misslingt jedoch, wieder wegen der eigenen Sprachlosigkeit.

Doch auch in der zweiten Strophe scheint die Sprachlosigkeit nichts Negatives zu sein. Denn die neue Person macht verunsichert zwar, macht sprachlos, ist aber nicht negativ. Ich geb meine Waffen ab, weil ich sie nicht nötig hab, heißt es nach der zweiten Strophe. Die „Waffe“, in diesem Fall wohl die Sprache, wird also freiwillig abgeben.

Insofern beschreibt „Sprachlos“ in passend ruhigen Klängen das unerwartete Eintreten eines guten Freundes bzw. einer zukünftigen Beziehung in ein Leben. Dies scheint ein so blindes Vertrauen auszulösen, dass die Sprache, eigentlich die wichtigste menschliche Eigenschaft, erst einmal unnötig ist. In gewisser Weise ist das die ideale Fortsetzung für das „Lied von den Vergessenen“.

 

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