Ehrbare Töchter (ARD-Radiotatort)

Eine junge muslimische Frau wird ermordet. Sie hat sich wenige Tage zuvor ihr Jungfernhäutchen wieder herstellen lassen, um „rein“ in die für das Wochenende geplante Hochzeit zu gehen. Die Familie ist entsetzt, ihr Verlobter wusste von dem Eingriff natürlich nichts, hält ihn aber für unnötig. Den Ermittlern fehlt jede Spur. Kurz darauf wird eine weitere Muslimin getötet, diesmal wird sie kurz vorher sogar noch vergewaltigt. Das Opfer hat sich ihr Jungefernhäutchen bei dem selben Arzt wiederherstellen lassen wie das erste Opfer. Außerdem hat sie ihr Brautkleid in demselben Geschäft gekauft. Die Ermittler haben also schon zwei Spuren…

Dieser Radiotatort erzählt eigentlich eine spannende und gut konstruierte Geschichte, leidet jedoch an zwei starken Schwächen.

Die Geschichte ist gut inszeniert und wir differenziert dargestellt. Einer der Ermittler ist zwar in Deutschland geboren, fühlt sich auch in Deutschland, hat aber einen Migrationshintergrund. Er wird von seinen Kollegen sofort als „Experte“ für den Fall gehandelt, obwohl er von muslimischen Riten und Ehrenmorden überhaupt gar keine Ahnung hat. Die Ignoranz der angeblichen Leitkultur, die sofort alles verallgemeinert ist recht gelungen.

Außerdem baut dieser Radiotatort viel Spannung auf. Mal wieder ist kein Ermittler in direkter Gefahr. Da jedoch nie eine Beweisspur wirklich erfolgversprechend wirkt, rätselt man permanent mit.

Dem Tatort fehlen jedoch die zehn bis fünfzehn Minuten, die zum Beispiel der Berliner Tatort mehr hatte. Denn die Ermittler haben kaum eigene Auftritte. Ein Stotterer darf ein wenig über seine gescheiterten Beziehungen berichten und bei dem Hauptermittler wird HIV diagnostiziert. Eigentlich ist das schon viel Beziehungsgefüge für ein 45-minütiges Höhrspiel. Doch beide Handlungsstränge werden nicht zu einem vernünftigen Ende geführt. Stattdessen hängen zum Schluss beide ein wenig in der Luft, was ärgerlicher ist als wenn man gleich darauf verzichtet hätte.

Und zum Schluss ist die Auflösung einfach zu zufällig. In ihrer Hilflosigkeit wenden sich die Polizisten an einen ehemaligen Polizisten, der jetzt auf einer Hochzeitsmeile einen Laden betreibt. Von ihm, der ebenfalls einen Migrationshintergrund aufweist, erhoffen sich die Ermittler Insider-Informationen über die Szene. Das ist sehr stereotyp, schließlich wird hier genau so verallgemeinert wie bei dem vorhin angesprochenen Ermittler. Und dann ist dieser ehemalige Polizist überraschenderweise auch noch der Täter. Das ist etwas überkonstruiert und schadet dem Tatort.

„Ehrbare Töchter“ geht differenziert an ein heikles Thema heran, scheitert aber an der zu kurzem Zeit, die dem Hörspiel gewährt wurde und kann die aufgebaute Spannung zudem zum Schluss nicht vernünftig auflösen.

Das Hörspiel ist noch bis zum 11. September hier „downloadbar“.

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.