Positive Diskriminierung?

Bekanntlich steht mit dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg für Jan Fleischhauer die Apokalypse vor der Tür. Zumindest hat er gleich nach der Wahl in äußerst bunten Farben geschildert, wie grün-rot das Land in den Abgrund führen will. Dabei könnte man den Koalitionären immerhin edle Motive unterstellen, doch auch damit ist es jetzt vorbei. Denn für Fleischhauer machen sich Grüne und SPD mit der Bennenung des Integrationsministeriums der positiven Diskriminierung schuldig.

Identitätspolitik hat nach Fleischhauer das Problem, dass der Akteur immer aus der betroffenen Gruppe kommen muss. Er nennt unter anderem Frauen in der Gleichstellungspolitik als Beispiel. Daher zähle allein die Herkunft, was zwar positive Diskriminierung sei, aber dennoch Diskriminierung bleibe.

Auf dem flachen Niveau verharrt der Artikel. Es wird zwar erwähnt, dass grün-rot Vorbilder für Migranten schaffen wollen, aber gleichzeitig kritisiert, warum das unbedingt mit bisher nicht erfahrenen Personen im Integrationsministerium geschehen muss. Blöd nur, dass man irgendwo mal anfangen muss. Und wenn die Qualifikationen bei der neuen Integrationsministerin tatsächlich fehlen sollten, dann zeigt dass doch nur, dass man sich unbedingt daran machen muss, für mehr zu sorgen. Das geht aber nun einmal nicht, wenn das Ministerium nicht auch mit Vertretern der betroffenen Zielgruppe besetzt wird.

Abgesehen davon gibt es innerhalb der positiven Diskriminierung noch einmal Unterschiede. Wenn jemand ständig herausstreicht wie fleißig doch die eine Frau im Unternehmen ist, wie normal sich der der Homosexuelle verhält und wie überraschend änstandig doch der türkischsstämmige Mitarbeiter ist, dann ist das schlecht. Denn es zeigt, dass besagte „Gruppen“ besonders beobachtet werdendass alte Vorurteile noch da sind und dass man eigentlich immer noch an sie glaubt. Aber gerade für Frauen und Migranten gibt es oft unsichbare Barrieren, vor allem in der Beförderungsleiter. Insofern kann es nicht anrüchig sein, einige mal ein paar – vielleicht ungerechtfertigt- Beförderungsstufen überspringen zu lassen, damit sie überhaupt die Chance bekommen, sich auf bestimmten Ebenen zu beweisen.

Allerdings ist es natürlich etwas problematisch, dass das Ganze etwas willkürlich passiert. In den USA gibt es ein System, das sich „Affirmative Action“ nennt. Dabei beugen die Amerikaner gewissen Diskriminierungstendenzen vor. Meist endet das darin, dass bei gleicher Qualifikation zum Beispiel das Attribut „Frau“ Ausschlag gebend ist. Aber es gibt auch Anwendungen, in denen Quotenregelungen greifen.

Das wäre wiederum gute „positive Diskriminierung“, da damit vorherrschende „unsichtbare Barrieren“ aufegelöst würden. Man darf die Maßnahme jedoch nur mit Vorsicht einsetzen, soll sie nicht zu viel mehr Unmut führen. Schwach ist es auf jeden Fall bei dem Fazit „positive Diskriminierung“ stehen zu bleiben. Denn Fleischhauers Kommentar sagt mal wieder nichts aus, außer polemisch zu schreien: „Diskriminierung, bäh!“

Immerhin versteckt sich ein guter Gedanke in einem Nebensatz: Warum  bedarf es eigentlich eines Integrationsministeriums? Weiß irgendjemand womit die sich permanent beschäfitgen sollen? Sein Vorschlag eine gut ausgestattete Stelle im Innen- oder Sozialministerium mit einer Integrationsbeauftragten zu schaffen, ist sogar ein Gedanke wert. So lohnt sich der Artikel immerhin für eine Satzhälfte.

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