Jons Welt

Ryan arbeitet an einer Zeitmaschine. Mit dieser möchte er zurück in die Zeit vor dem Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion reisen. In diesem Krieg wurde die Erde nicht nur zerstört, sondern es wurden auch Roboter entwickelt, die die gesamte Menschheit zerstörten.
Nun möchte er mithilfe eines Industriekonzerns in der Zeit zurückreisen, um die technische Formel für die Entwicklung eines künstlichen Gehirns (auf dem die todbringenden Roboter aufbauten) zu kopieren. Mithilfe künstlicher Intelligenz möchte er die zerstörte Erde wieder aufbauen.
Während er an der Maschine baut hat sein Sohn Jon Visionen. Er sieht eine heile, unzerstörte Welt und glaubt, dass es bald dazu kommen wird…

Wieder einmal beginnt eine Geschichte Dicks in einer zerstörten Welt.

Die Visionen Jons sind zunächst einmal sehr irritierend. Wie soll so etwas gehen?
Der Plan, künstliche Intelligenzen zu schaffen, wird keine heile Welt erschaffen. Im Gegenteil mit Pech wird es wieder zu einem Krieg kommen. Insofern nimmt man zunächst wirklich an, dass Ryans Sohn fantasiert.

Die Zeitreise bringt dann aber Klarheit. Ryan stoppt an verschiedenen Stationen während des Krieges. Erst dadurch kann man mit Gewissheit sagen, dass „Jons Welt“ eine Fortsetzung von „Variante zwei“ ist. Scheinbar konnten die Menschen damals auf dem Mond überleben.

Während der Zeitreise ahnt der Leser aber schon, was es mit den Visionen auf sich hat. Und das nimmt der Geschichte ein wenig die Spannung. Denn mit dem Diebstahl der Formel für die technischen Wesen wird die Zeitlinie verändert. Die Roboter vernichten die Menschheit nicht, die Menschheit entwickelt sich weiter, es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen auf der Welt.

Das ist ein merkwürdiges Ende für eine Kurzgeschichte von Dick. Allerdings verschwindet mit dieser neuen Zeitlinie auch Ryans Sohn Jon. Die gesamte postapokalyptische Welt verschwindet. Damit muss Ryan erst einmal klar kommen. Für die Menschheit ist seine Tat eine Wohltat, sie lebt in Frieden. Er aber hat den Menschen verloren, der ihm am wichtigsten war. Und zu allem Überfluss muss er auch noch damit leben, dass dieser Mensch recht hatte, wofür er ihn beinahe in eine Anstalt eingeliefert hat.
Somit entwickelt sich die Zeitreise zu einer kleinen Tragödie für Ryan.

Spannend ist die Geschichte eigentlich nur bei den Stopps während des Krieges und während des Diebstahls der Formeln. Ansonsten plätschert die Geschichte solide vor sich hin.

Der Ansatz ist trotzdem ganz interessant, schließlich ist bei Zeitreisen immer die Frage, ob nicht schon die kleinste Veränderung große Auswirkungen in der Zeitlinie mit sich bringt. Dass so etwas schon 1955 thematisiert wird, ist irgendwie erstaunlich. Viele „Star Trek“-Folgen gehen mit Zeitreisen zum Beispiel weitaus weniger kritisch um als „Jons Welt“.

Außerdem ist es sehr angenehm, mal eine Fortsetzung einer Dick Kurzgeschichte zu erleben. Gerade zu “ [Macro error in Link: Macro Link not allowed in sandbox] “ passt das auch sehr gut.

„Jons Welt“, 47 Seiten, 1954 von Philip K. Dick, erhältlich bei Zweitausendeins in der Anthologie „Variante zwei“.

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