Variante 2 (von Philip K. Dick)

Der dritte Weltkrieg ist in vollem Gange. Die Russen haben die Amerikaner angegriffen, damit wurde der Kalte Krieg zu einem heißen Krieg. Doch seit neuestem haben die Amerikaner die Nase vorn. Denn sie haben Drehscheiben entwickelt, die selbstständig denken können und sich auch selbstständig bauen können.
Während die amerikanische Regierung längst auf den Mond geflüchtet hat, siegen die amerikanischen Soldaten allmählich gegen die Russen. Doch dann bitten die Russen um Verhanldungen. Major Hendricks macht sich auf den Weg. In deren Bunker angekommen entdeckt er etwas schreckliches: Die Drehscheiben haben sich selbst Roboter-Körper entwickelt, die nicht von Menschen zu unterscheiden sind…

Der Mensch baut sich seinen eigenen Todfeind und geht daran unter. Diese Idee ist bei Dicks Kurzgeschichten nicht gerade neu. Und so lässt sich das Ende der Kurzgeschichte auch schon nach der Hälfte relativ einfach vorraussagen. Die Mondstation und der Versuch, sich dorthin zu retten, ist einfach zu offensichtlich. Es ist klar, dass die Roboter versuchen, auch noch dorthin zu gelangen.

Das Hauptproblem von Hendricks ist, dass es nur wenige Robotervarianten gibt. Was eigentlich helfen sollte, wird kompliziert als nur die Varianten 1 und 3 auftauchen. Somit muss er noch herausfinden, wer seiner Begleiter Variante 2 ist.

Wie für Dicks Kurzgeschichten üblich, endet auch diese eher bedrückend, nämlich mit dem Ende der Menschheit. Zumindest sind die Chancen der verbliebenen Menschen kaum messbar.
Aber wie für Dicks Kurzgeschichten und für Kurzgeschichten im Allgemeinen üblich, gibt es zum Schluss noch einmal eine Wendung. In der stellt Hendricks kurz bevor er verstirbt fest, dass die verschiedenen Varianten bereits an Möglichkeiten arbeiten, sich gegenseitig umzubringen.

Somit wird der Krieg nicht mit den Menschen von der Erde verschwinden. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass die Roboter den Krieg fortführen und sich gegenseitig zerstören. Eine bedrückende Idee, schließlich wäre das einzige, was die Menschen zurücklassen, kriegstreiebende Roboter.

„Variante 2“ ist für eine Kurzgeschichte extrem lang. Das ist ein Nachteil, denn eigentlich trägt die Idee keine 60 Seiten, zumal – wie bereits erwähnt – relativ schnell erkennbar ist, wohin die Geschichte steuert. Allerdings gibt es durchaus gelungene Szenen. Vor allem das Misstrauen zwischen den Überlebenden ist sehr gut in Szene gesetzt.

Ansonsten hat „Variante 2“ zwar kein originelles, aber ein interessantes Thema und ist überwiegend spannend. Nebenbei regt sie noch ein wenig zum Nachdenken an, obwohl der Kalte Krieg mittlerweile längst vorbei ist.

„Variante 2“, 63 Seiten, 1953 von Philip K. Dick, erhältlich bei Zweitausendeins in der Anthologie „Variante zwei“.

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