Woyzeck (im Thalia Theater)

Im letzten Jahr war mein Deutsch-Lk ebenfalls in einer Büchner Aufführung im Thalia Theater. Damals wurde <% link to="http://gedankenecke.blogger.de/stories/1330406/" text="Leonce und Lena"%> gespielt. Diese Aufführung gestaltete sich als relativ langwierige und damit in Teilen auch langweilig.

Die jetzige „Woyzeck“ Aufführung leidet unter einem ähnlichen Problem.

Das Stück beginnt mit der Woyzeck-Version des Sterntaler Märchens. Kurz darauf klettert Woyzeck eine riesige Leiter hinunter. Auf der Bühne angekommen, beginnt er damit, dass in dem Youtube-Video zu hörende Lied, anzustimmen. Nach der ersten Strophe wird er damit von allen anderen Schauspielern des Stückes begleitet.

Nachdem ich nun die Originalversion von Tom Waits gehört habe, weiß ich auch zu schätzen, wie das Lied im Thalia-Theater gespielt wurde.
Im Chor hört es sich nämlich noch weitaus beeindruckender an.

Mit den anderen Darstellern wird dann auch der heimliche Hauptdarsteller des Stückes eingeführt: Ein riesiges Netz. <% link to="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-51061.html" text="Die Fotos bei Spiegel Online"%> geben einen guten Eindruck, wie das Stück aufgebaut ist. Alles dreht sich um das riesige, weitmaschige und bewegliches Netz.

Das ist teilweise wirklich beeindruckend. So kommt es vor, dass ein Schauspieler, kopfüber vom Netz hinunterhängt und trotzdem noch sein Lied singt.
Außerdem werden mit dieser recht sparsamen Kulisse die verschiedensten Orte aus dem „Woyzeck“ überzeugend dargestellt. Zumindest lässt sich, der Ort, an dem sich die Charaktere befinden, fast immer vorstellen.

Auch die Schauspieler überzeugen. Neben der schauspielerischen Leistung muss in dieser Inszenierung beinahe jeder noch ein Lied von Tom Waits vertonen. Das hört sich in meinen Ohren weitaus besser an, als wenn Waits sich selbst vertont.

Originell ist auch, den Tambourmajor zu einer ästhetischen Katastrophe verkommen zu lassen.
Auch die dankbarste Rolle des Stückes – der Doktor – ist mit einem genialen Song in Szene gesetzt.

Aber – und das macht die Aufführung doch sehr zäh – die Lieder strecken das Stück doch arg. Ständig wird die Handlung von einem Lied unterbrochen. Dabei ist die Begleitmusik so laut, dass der Text kaum bis gar nicht verständlich ist. Zumal die englischen Texte sowieso nicht richtig zu dem deutschen Stück passen wollen. Aber ohne ein rudimentäres Textverständnis ist es auch nicht möglich, die Lieder in Verbindung mit der Handlung zu setzen.
So kann man sich bei den Liedern nur an der Schönheit erfreuen. Und das reicht nach zwei Stunden, die zu einem großen Teil aus Liedern bestehen, irgendwie nicht.

Da wäre es schön gewesen, die Texte im Vorraus zu haben.

Die Spielszenen zwischendrin sind sehr textgetreu. Was aber auch dafür sorgt, dass die Lieder noch mehr fehl am Platz wirken.

Insgesamt war auch „Woyzeck“ in meinen Augen zwiespältig. Die Netzidee war gut, die Lieder eigentlich auch. Nur irgendwie konnte der anfängliche Schwung nicht gehalten werden und so wurde die Aufführung zum Ende hin sehr zäh.

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