Ulrike Maria Stuart (im Thalia Theater Hamburg)

Ulrike Maria Stuart ist ein Theaterstück von Elfriede Jelinek. Der Titel des Stückes spielt sowohl auf die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof als auch auf das Drama von Schiller „Maria Stuart“ an.

Das Stück selber folgt keiner wirklich erkennbaren Handlung. Unser Lehrer nannte das „post-dramatisches Drama“. Galten früher für ein Drama oder eine Tragödie Grundsätze wie die Einheit des Ortes, der Zeit, der Handlung, der Personen und was noch nicht alles, so hat sich das Drama immer weiter entwickelt. Der bis jetzt letzte Schritt ist ein Drama, das nicht mehr dramatisches hat. Toll oder? Das hörte sich wirklich nach einem Super-Stück an…

Überraschenderweise war es das dann jedoch auch. Aus Schillers Maria Stuart selber war nur sehr wenig entnommen. Wirklich offensichtlich war nur die Parallele Elisabeth-Gudrun Ensslin, Maria-Ulrike Meinhof. Textlich hörten sich nur wenige Passagen so an, als könnten sie von Schiller stammen.

Der Großteil war also von Jelinek oder dem Regisseur. Denn das Stück dreht sich zu einem großen Teil auch um drei junge Männer, die in Frauenklamotten an Jelineks Stück proben.

Dazwischen treten immer wieder Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, die beiden gespielt von älteren Schauspielern (also um die 70), der alte Baader und ein paar andere skurile Gestalten.

Viel wird geredet. Geredet über das Proletariat, das Kapital, die Rolle der Frau und so weiter. Allerdings immer in einer außerordentlich witzigen Art und Weise.

So kommen häufig Fragen wie „Was muss geschehen, damit etwas passiert?“ auf, die wohl auch schon die RAF damals bewegt hat. Hier wird es aber sehr ins abstruse gezogen.

Zusammenfassen lässt sich das Stück eigentlich gar nicht, auch der Sinn hat sich mir höchstwahrscheinlich nicht ganz erschlossen (geh ja nicht so oft ins Theater). Was mir nur aufgefallen ist, ist dass man in der ersten Hälfte eigentlich das Gefühl hat, das Stück beginnt ständig von vorne (unter anderem weil die Schauspieler häufig neu starten), während es in der zweiten Hälfte mindestens drei Situation gibt, die super als Finale hätten dienen können. Das sorgte für einiges an Spannung in der nicht wirklich vorhandenen Handlung.

Doch auch sonst war das Stück gespickt mit verrückten Einfällen. Von „Vaginadialogen“ bis hin zu Totengesängen wurde einem alles geboten. In der zweiten Hälfte konnte man seine „revolutionäre Energie“ mit Wassbomben an Pappfiguren von Helmut Schmidt, Kai Diekmann, Angela Merkel, Joseph Ackermann und noch einer Figur, die ich nun vergessen habe auslassen. Auch recht witzig.

Vor allem der Spruch, der kurz danach (nachdem sich zwei nackte Männer mit Schweinsköpfen vor den edelsten Teilen mit Farbe übergossen haben) fiel blieb hängen: Ich setz mich jetzt hier hin und kack, bis die ganze Scheiße hier vorbei ist.
Dieser Spruch wurde noch in unterschiedlichster Form wiederholt und sorgte für viele Lacher.

Die Aussage blieb auf dem Rückweg umstritten. „Wir sollen etwas tun“, meinte eine Schülerin. Schließlich beneiden die drei Jungen im Stück die RAF-Leute auch darum, dass sie einen korrupten Staatsapparat als Feindbild hatte. Ihre Generation habe gar keines mehr.
Doch irgendwie kann das ja nicht die Aussage gewesen sein. Denn der Weg der RAF war ja offensichtlich falsch. Irgendwie hatte man auch das Gefühl, dass im gesamten Stück auch versucht wurde zu rechtfertigen, warum man denn jetzt losschießen müsse. Da es so lustig war, muss da wohl etwas ordentlich daneben gegangen sein. Und vielleicht ist es auch nur eine Warnung, sich nicht zu sehr in eine Ideologie hineinzusteigern.

Wissen tut man es nicht. Allerdings weiß ich, dass mir das Stück sehr gut gefallen hat. Sogar so gut, dass ich mir fast vorstellen könnte, es noch einmal zu gucken.

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