Such Sweet Sorrow – Part 2 (Star Trek: Discovery, Episode 2×14)

Das Staffelfinale setzt nahtlos an die vorherige Episode an. Burnham und die Besatzungen der Enterprise und Discovery haben erkannt, dass sie die Sphärendaten mitsamt der Discovery nicht zerstören können. Doch wenn diese dem Computerprogramm Control in die Hände fallen, so wird dieses alles Leben in der Galaxis auslöschen. Die einzige Lösung ist, dass Burnham mithilfe des Zeitkristalls in die Zukunft reist und die Discovery in Schlepptau nimmt. Dadurch würde die Besatzung des Schiffes für immer in der Zukunft verschwinden – und Leben in der Galaxis gesichert sein. Die Vorbereitungen für diesen Schritt laufen auf Hochtouren, als Controls gekaperte Flotte die beiden Sternenflottenschiffe umstellt.

Für den Zuschauer und die Protagonisten der Serie ist in der letzten Folge der zweiten Staffel alles geklärt. Zwei Sternenflottenschiffe steht einer Armada seelenloser, von dem Computerprogramm Control kontrollierter Schiffe gegenüber. Der einzige Ausweg aus dieser Situation, ist die Discovery in die Zukunft zu versetzen, um Control daran zu hindern, an die auf der Discovery gespeicherten Daten zu kommen. Für den Zuschauer ist klar, dass das Leben in der Galaxis nicht von Control ausgelöscht wird – schließlich spielen viele „Star Trek“-Serien zeitlich später. Die Frage ist aber, wie es mit der Serie „Discovery“ weitergeht. Wird es zu einer anderen Lösung als einem Zeitsprung von mehreren hundert Jahren kommen? Oder wird die Serie in der Zukunft fortgesetzt werden?

Bevor der Zuschauer auf diese Frage eine Antwort erhält, gibt es aber erst einmal eine nicht enden wollende Feuerorgie. Denn in dieser Episode wird permanent gekämpft und geschossen. Dabei setzen beide Seite auf recht ungewöhnliche Art und Weise Shuttles und Rettungskapseln ein. Obwohl dies optisch beeindruckend ist und inhaltlich wahrscheinlich die einzige mögliche Erklärung ist, wie es zwei Schiff über so lange Zeit schaffen können, eine ganze Flotte aufzuhalten, wirkt dies wie ein großer Bruch von bekannten Kampftaktiken im „Star Trek“-Universum. Da hilft es auch nicht, dass irgendwann die Klingonen in einem ähnlich unwahrscheinlich großen Raumschiff zu Hilfe eilen.

Abgesehen von diesem Aspekt gelingt es der Episode ganz gut, einen Wettlauf gegen die Zeit zu kreieren. Leider wird dadurch recht schnell klar, dass sich in dieser Episode keine Alternative zu einem Zeitsprung über mehrere hundert Jahre auftun wird. Das tut der Spannung zwar keinen Abbruch, schließlich steht immer noch im Raum, wie die Disocvery in die Zukunft kommt. Und dennoch wirkt die Episode dadurch etwas gestreckt, was auch daran liegen mag, dass Burnham bei der Vorbereitung des Zeitsprungs merkt, dass sie erst noch die roten Zeichen setzen muss, die die Discovery während der gesamten Staffel über verfolgt hat. Obwohl dies logisch ist, nutzen die Autoren der Serie dies für einen Rückblick auf die zweite Staffel. Diese Rückblenden wirken ein wenig überflüssig angesichts der sonst so verdichteten Handlung.

Sehr schön ist, dass jeder Charakter der Serie noch einmal eine „eigene“ Szene erhält. So erklärt sich die Weigerung Tylers in die Zukunft mitzukommen mit der Notwendigkeit, die Klingonen zur Hilfe hinzuzuziehen. In einem anderen Moment versöhnen sich Stamets und Culber wieder. Und vor allem die Zusammenarbeit von Georgiou mit diversene Besatzungsmitgliedern ist sehr gelungen. Der Abschied zwischen Burnham und Spock fällt etwas arg rührig aus, ist aber ebenfalls gelungen inszeniert. Das ist alles sehr stark und hinterlässt einen sehr guten Eindruck. Dazwischen gibt es aber auch unnötige Momente. So kommt auch „Such Sweet Sorrow“ nicht ohne ein heldenhaftes Opfer aus. Diesmal trifft es Admiral Cornwell. Auch wenn Cornwells Ende in überzeugenden Bildern eingefangen ist, hätte dieser Teil nicht unbedingt oder wenn dann eher in der direkten Konfrontation mit Control sein müssen. Glücklicherweise kann dieser Moment den ansonsten sehr guten Eindruck nicht besonders schmälern.

Im Epilog wird die Discovery und vor allem der Sporenantrieb de facto aus der „Star Trek“-Handlung geschrieben. Das Schicksal der Besatzung, des Schiffes und ihrer mächtigen Technologie geraten entweder unter Verschluss oder werden durch die konsequenten Lügen der „Enterprise“-Besatzung, die behauptet, die Discovery sei zerstört worden, vertuscht. Dabei erscheint es überstürzt, dass auf einmal auch der Sporenantrieb nicht mehr erwähnt werden darf. Dadurch wird der Prozess der zweiten Staffel, indem die Ereignisse der Serie mit denen aus der Originalserie in Einklang gebracht werden, abgeschlossen. Gleichzeitig ist dieses komplette Ausmerzen jedweden Einflusses ein wenig enttäuschend. Außerdem hinterlässt es viele offene Fragen, wie z.B. wie die Sektion 31 nach diesen Ereignissen in kürzester Zeit wieder auf einen schiefen Weg geraten konnte. Auch das letztliche Schicksal Controls, ob wirklich alle Überreste der Intelligenz ausgelöscht wurden, bleibt unklar. Andererseits geht der Epilog in keiner Weise darauf ein, was die Discovery in der Zukunft erwartet. Burnham setzt nur das mit Spock verabredete Zeichen, dass die Discovery es geschafft hat, ab. Und insofern hinterlässt die atemlose Handlung dieses Finalzweiteilers, die die Discovery in eine im „Star Trek“-Universum bisher kaum erforschte Zukunft katapultiert vor allem viel Spannung auf die nächste Staffel. Diese zweite Staffel schaffte einen sehr unterhaltsamen Mix aus Einzelfolgen und einer immer größer werdenden Rahmenhandlung, in der gleichzeitig immer mehr Rücksicht auf den bisherigen „Star Trek“-Kanon genommen wurde. Dabei mag nicht jede inhaltliche Wendung logisch überzeugend gewesen sein, doch keine der temporeichen Episode hatte langatmige Durchhänger. Und so rätselt man am Ende dieses Finales nicht nur über das Schicksal der Discovery, sondern ist gespannt darauf, wie „Star Trek: Discovery“ den „Star Trek“-Ethos in eine weit entfernte Serien-Zukunft übersetzt.

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