Höllenschlund (von Ian Rolf Hill / Maddrax Band 536)

Rulfan verfolgt die vier Krieger des Lichts, die von einem Bewusstsein aus der Zukunft übernommen wurden. Sie haben dadurch einen enormen Energiebedarf, den sie durch radioaktive Organe von Menschen oder gleich durch Kraftwerke stillen. Rulfan folgt ihrer Spur der Verwüstung und trifft dabei auf die Höhlenstadt New Peoria. An einem Wärmekraftwerk gelegen, geht es den Menschen hier verhältnismäßig gut. Durch einen Überfall der Krieger des Lichts ist das einstige Bergwerk jedoch alles andere als stabil. Doch die Bewohner der Gemeinschaft wollen ihren Komfort nicht aufgeben und diffamieren die einzige Zeugin des Überfalls, Nadiin, daher als verrückt. Angesichts immer stärker werdender Beben bleibt Rulfan nicht viel Zeit, um die Verantwortlichen der Siedlung von der drohenden Gefahr zu überzeugen.

„Höllenschlund“ baut eine sehr gelungene post-apokalyptische Gemeinschaft auf, die an ein stillgelegtes Bergwerk und Kraftwerk angelehnt, ein ausgesprochen angenehmes Leben führt. Die Figuren sind angenehm skurril und sich ihrer überlegenen Position so sicher, dass sie in allem, was ihr Dorf produziert das beste Produkt im ganzen Umland sehen. Dieser Hochmut führt zum Fall: Die Krieger des Lichts haben die Struktur des Bergwerkes beschädigt, über kurz oder lang wird ein mit dem Werk verbundener Vulkan ausbrechen. Hill beschreibt eindringlich, wie die gesamte Dorfgemeinschaft in Realitätsverweigerung verfällt und versucht, jede warnende Stimme zum Schweigen zu bringen. Dabei ist die Figur der zunächst verrückt wirkenden Augenzeugin des Überfalls, Nadiin, eine Hommage an eine Gewinnerin eines Maddrax-Preisauschreibens. Der Charakter fügt sich sehr gut in die dramatische Geschichte ein. Auch die anderen Bewohner New Peroias sind interessant. So ist Max zwischen seiner Loyalität zu dem Stadtrat der Gemeinschaft und seiner Liebe zu Nadiin hin- und hergerissen. Ähnlich sieht die Situation für die Tochter der Bürgermeisterin, Diana, aus, die ihre Schwierigkeiten, sich aus dem Schatten ihrer Mutter zu befreien, letztlich mit dem Leben bezahlt. All das macht den Besuch in New Peoria lebhaft, faszinierend und spannend.

Leider bleiben die Krieger des Lichts auch in diesem Heft etwas blass. Sie wurden von einem Wesen übernommen, das in der Zukunft erschaffen wurde, um die Dimensionsrisse in der Seriengegenwart zu beenden. Nun sind sie gefühlskalte und zunehmend instinktgesteuerte Wesen, die auch nicht davor zurückschrecken, gegeneinander vorzugehen, um schneller reisen zu können. Das ist skrupellos, aber nicht besonders spannend. Man würde sich wünschen, irgendwo in den einstigen Kriegern befänden sich noch ihre alten Bewusstseine, die gegen ihren Willen zu grausamen Taten getrieben werden. So überzeugt „Höllenschlund“ mit einem spannenden Abenteuer in einer dekadenten post-apokalyptischen Gesellschaft, deren Bequemlichkeit ihr zum Verhängnis wird, und erzeugt gleichzeitig den Wunsch, der Handlungsstrang um die Krieger des Lichts möge bald zu Ende sein.

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