Das dunkle Netz (ARD Radiotatort)

Der 17-jährige Schüler Tristan läuft in seiner Schule Amok. Die Waffe scheint nicht von seinem Vater, einem Hobbyschützen, zu kommen. Stattdessen hat der junge sie über einen Marktplatz im Darknet gekauft. Für Brändle und Finkbeiner bedeutet dies eine neue Welt. Während die beiden Polizisten mit Mühe und Not die technischen Rahmenbedingungen des Darknet verstehen, sorgt die Prominenz des Anschlags dafür, dass sie rasch Ergebnisse bei der Aufklärung der Tathintergründe liefern müssen.

„Das dunkle Netz“ beginnt mit der vielleicht hektischsten und spannendsten Eröffnungssequenz. Der Amoklauf ist gruselig beschrieben und die Szene fährt unter die Haut. Danach dreht sich der Krimi jedoch in erster Lini um Internetkriminalität. Es erscheint unwahrscheinlich, dass zwei Kommissare diese Ermittlung nicht an ein spezialisierteres Team abgeben. Natürlich ist es nützlich, dass der Zuschauer im selben Tempo wie Finkbeiner und Brändle Wissen über technische Eigenarten des Darknets erhält und die Kommissare einem nicht einen Schritt voraus sind. Die hier präsentierten Teilnehmer und Akteure des Darknets wirken so, wie sich der öffentliche Rundfunk das Internet wohl vorstellt. Entweder sind verblendete Idealisten am Werk oder aber beschränkte Jugendliche, die nicht über die Folgen ihres Tuns nachdenken. Wirkliche kriminelle Energie sucht man hier jedoch vergeblich. Dabei dürfte das Darknet gerade für das organisierte Verbrechen eine Fundgrube sein. Einige Abschnitte des Krimis wirken daher etwas unglaubwürdig.

Im Gegenzug gelingt es „Das dunkle Netz“ einige überzeugende, teilweise gar unterhaltsame Szenen zu produzieren. Der Technikpessimismus der Kommissarin Brändle wirkt etwas abgenutzt. Aber dieser Handlungsstrang endet in einem unterhaltsamen Moment, in dem ein junger, technikaffiner Polizist von einem Hacker in seinem Smarthome eingesperrt wird. Und auch Brändle muss bald erfahren, dass man auch mit Skepsis gegenüber technischen Innovationen nicht vor Hackern geschützt ist. Das sorgt für eine lebensbedrohliche Situation, die auf überzeugende Art der Wendepunkt der Ermittlungen ist. Die Episode ist daher durchaus spannend und unterhaltsam. Am Ende scheint es etwas unverständlich, dass die Motivation und sowieso der Täter weder die Kommissare noch die Öffentlichkeit wirklich beschäftigen. Hier geht es einzig allein darum, wo Tristan die Waffe gekauft hat. Und das führt zu einem spannenden, wenn auch nicht immer glaubwürdigen Ausflug in das Darknet, deren Protagonisten von unbedarften Polizisten hier mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden.

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