Through the Flash (von Nana Kwame Adjei-Brenyah)

Die 14-jährige Ama wacht jeden Morgen auf und erlebt wie alle Bewohner ihres Vororts denselben Tag. Vermutlich seit einer Atombombenexplosion in der Nähe ist die kleine Gemeinschaft in diesem Loop gefangen. Ama nutzte die Situation zunächst dafür, sich an ihren Peinigern zu retten. Doch die Zeiten, in denen sie in Rekordzeit alle Bewohner des Vororts tötete oder nur ihren größten Schulbully folterte, sind längst vorbei. Sie versucht eine bessere Version ihrer selbst zu sein und lässt sich auch mal von ihrem Vater töten, falls dieser einen schlechten Tag hat. Dabei verändert sich etwas: eines Morgens wacht sie auf und hat etwas anderes geträumt als an den anderen Tagen. Der Loop scheint langsam brüchig zu werden.

Was macht die ständige, monotone Wiederholung mit Menschen? In Amas kleinem Vorort scheint den meisten Mitbürgern vor allem die Lebenslust vergangen zu sein. Selbst ihr Bruder fleht Ama jeden Morgen an, ihn doch zu töten, um ihm einen weiteren langweiligen Tag zu ersparen. Diese böse Satire auf eintönige Lebensentwürfe verbindet Adjei-Brenyah mit der Frage, was die Abwesenheit von Konsequenzen mit Menschen macht. Ama wird dadurch zum Monster. In der Schule gehänselt, rächt sie sich kurz nach dem „Flash“ an ihren ärgsten Peinigern. Da dies nicht ausreicht, um ihren jugendlichen Hass zu überwinden, vergint sie sich gelegentlich auch an dem ganzen Viertel. Diese Verbindung aus vorörtlicher Monotonie und dem verdeckten Grauen, das in Menschen steckt, schafft eine schaurige und gleichzeitig immer ironisch-distanzierte Atmosphäre.

Vor dieser Kulisse gibt es kaum Handlung. Ama gerät in eine Situation, in der sie an die von ihr ausgeübte Gewalt erinnert wird. Sie erinnert sich dabei auch an das einschneidende Erlebnis, in der sie zum ersten Mal unterlag und die dadurch ausgelösten Schmerzen, die sie von der Gewalt entfernt haben. Diese Erzählung einer Charakterwandlung ist etwas oberflächlich beschrieben und nicht ganz überzeugend. Denn Adam wandelt zwischen den Extremen, vom abgestumpften Monster wird sie zur energiegeladenen Idealistin. Interessanter ist, was die Menschen des Vororts noch antreibt. Es ist die Hoffnung, dass der Loop irgendwann einmal enden möge. Die Kurzgeschichte beginnt mit einem Traum Amas, den sie an den Tagen zuvor nicht hatte. Da am Ende jeden Tages die Zeit wieder zurückgestellt wird, dürfte das eigentlich nicht sein. „Through the Flash“ gibt den Bewohnern des gefangenen Vororts dadurch einen kleinen Strohhalm Hoffnung, an den sich jeder, der davon erfährt, begeistert klammert. Hinter all der (unterhaltsamen) Ironie und Satire ist die Stärke dieser Kurzgeschichte diese Illustration davon, wie Menschen selbst in der monotonsten Situation Hoffnung finden können.

Die Kurzgeschichte „Through the Flash“ von Nana Kwame Adjei-Brenyah ist 2018 in der Anthologie des Autors „Friday Black“ erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2019“, herausgegeben von Carmen Maria Machado und John Joseph Adam.

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