Six Killings in the Land of Unkillable Women (von Theodore McCombs)

Kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg stellt sich heraus, dass sich Frauen nicht mehr ermorden lassen. Der versuchte Mord an Frauen steht jedoch weiterhin unter Strafe, um Exzesse gegen Frauen zu vermeiden. Das Rechtssystem steht jedoch vor einer großen Schwierigkeit: Wie soll man zum Tode verurteilte weibliche Mörderinnen hinrichten, wenn diese alles überleben? Edith, die Gattin des Polizeidirektors Gerald Smylie ist sich sicher, dass nur Frauen andere Frauen töten können. Sie bietet sich daher als Henkerin an. Zunächst lehnen die Männer der Polizeiverwaltung ab, dies sei unsittlich. Als sie keine Alternativen haben, stimmen sie doch zu. Edith jedoch beschleichen Zweifel, ist die Todesstrafe überhaupt eine gerechte Strafe? Am Schaffott ist sie nicht in der Lage, die Hinrichtung durchzuführen, möchte von ihrem Amt zurücktreten. Ein männlicher Polizist nimmt jedoch ihre Hand, um den Hebel des Galgen zu betätigen, die Verurteilte stirbt.

Zwischen der eigentlichen Handlung gibt es immer wieder Beschreibungen von (versuchten) Morden, deren männliche Urheber am Ende hingerichtet werden. Das ist angesichts der Unverwundbarkeit der Frauen teilweise unfreiwillig komisch. Andererseits sind die knappen Beschreibungen laut dem Autor an tatsächliche Berichte über Frauenmördern des 20. Jahrhunderts angelehnt. Bei der Lektüre einer Sammlung solcher Berichte über alle Exekutionen im Vereinigten Königreich des 20. Jahrhunderts fiel McCombs auf, dass fast alle Opfer der Männer Frauen waren. Dadurch erhält die Geschichte einen schaurigeren Unterton. Die Tatsache, dass die Sinnlosigkeit ihres Tuns Männer nicht davon abhält, unverwundbaren Frauen Schmerzen zuzufügen, illustriert die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen auf ungewöhnliche Weise. Da man sich aber genau diese Entwicklung sehr gut vorstellen kann, illustrieren sie dies zudem sehr gelungen.

Die Geschichte spielt zum Ende des 19., vielleicht zu Beginn des 20. Jahrhundert. Man sollte meinen, nach der Entdeckung weiblicher Unverwundbarkeit, wäre die These des „schwachen Geschlechts“ umgehend relativiert worde.n „Six Hangings in the Land of Unkillable Women“ zeigt das genaue Gegenteil auf. Männer haben ihr dominante Rolle in der Gesellschaft bewahrt, schreiben Frauen weiterhin vor, was sie zu tun und zu lassen haben. Außerdem drängen vor allem Männer auf die harten Strafen des Justizsystems. Auf die Spitze getrieben wird diese Position der Stärke durch die klare Negierung Ediths freien Willens: Obwohl sie sich gegen die Ausführung der Exekution entscheidet, zwingen Männer sie körperlich dazu, diese durchzuführen. Die spannende Entwicklung Ediths von einer in erster Linie am „dem Gemeinwohl dienen“ interessierten Gattin zu einem kritischen Geist angesichts ihrer selbstgewählten Bürde findet durch diesen Missbrauch ein abrubtes Ende. McCombs gelingt es also sowohl durch sein Gedankenspiel als auch durch seine Unterdrückungsmetapher das Thema gesellschaftliche Unterdrückung von und Gewalt gegen Frauen in eine gelungene, weil sowohl spannende als auch berührende Kurzgeschichte zu verwandeln.

Die Kurzgeschichte „Six Hangings in the Land of Unkillable Women“ von Theodore McCombs ist 2018 im „Nightmare„-Magazin erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2019“, herausgegeben von Carmen Maria Machado und John Joseph Adam.

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