Poor Unfortunate Fools (von Silvia Park)

Meermenschen stehen kurz vor dem Aussterben. Die menschenähnlichen Tiere leiden unter zu wenigen Weibchen. Astra ist die große Hoffnung einer Umweltschutzorganisation. In Gefangenschaft hat sie sich von einem geschlechtslosen Wesen zu einem Alpha-Weibchen entwickelt und kann gut mit Menschen kommunizieren. Doch trotz großer Bemühungen gelingt es den Forschern nicht, geeignete Partner für Astra zu finden. Die beiden Männchen, die Astra auswählt, entwickeln Gefühle füreinander. Nach einem Leben unter dem großen Druck, sich zu vermehren, wird Astra von einem der Männchen vertrieben und stirbt allein auf der Flucht.

Die Kurzgeschichte beschreibt empathisch die Bemühungen, vom Aussterben bedrohte Tierarten zu retten. Die Beweggründe der Helfer sind dabei in der Regel, dass sie etwas von sich selbst in den Tieren sehen. Die Autorin macht dies deutlich, in dem sie eine fiktive Meervolkspezies in den Fokus der Handlung rückt. Die Tiere sind in der Lage, die menschliche Sprache zu einem Teil zu erlernen. Ihre Interaktionen sind komplex und daher von menschlicher Umweltverschmutzung rasch unterbrochen. Zusammen mit den Erzählern fiebert man bei den Bemühungen ein erfolgreich groß gezogenes Weibchen zur Stammhalter einer Wiederaufstockung der Bestände zu machen. Die Stimmung ist gelungen, die Vermischung aus (fiktiven) wissenschaftlichen Studien und Berichten und den hoffnungsfrohen Schilderungen der Expeditionsteilnehmerinnen ist packend.

Dennoch ist „Poor Unfortunate Fools“ eine Geschichte des Versagens. Aufgrund ihrer Fähigkeit, die menschliche Sprache zu erlernen, wird Astra von den Forschern wie eine von ihnen behandelt. Dabei vergessen sie immer wieder, dass die Meermenschen ganz anders funktionieren. Astra bleibt bis zum Schluss ein mysteriöses Wesen. Sie steht unter einem enormen Druck, verspürt einen großen Drang, ihren menschlichen Freunden Freude zu bereiten, und dementsprechend leidet sie unter ihren mangelnden Fortpflanzungserfolgen. Die Ursache dafür ist jedoch die Unfruchtbarkeit ihrer Männchen. Obwohl die beiden sie langfristig ablehnen, hält Astra ihnen die Loyalität, beschützt sie und verteidigt sie. Am Ende wird sie aber ausgerechnet von ihnen ausgestoßen und verliert, von den Forschern von ihrem Nachwuchs getrennt, ihren Lebenswillen. Die Geschichte ist gleichzeitig berührend und wirkt dennoch ausgesprochen animalisch. Die eine unvorhergesehene Komponente in den Überlegungen der Forscher ist, dass Tiere schlicht nicht rational alles dem Überlebenswillen unterordnen können. Gerade deswegen haben die Auswirkungen menschlicher Umweltverschmutzung oft so fatale Konsequenzen für bedrohte Tierarten.

Im Rückblick machen diese Ereignisse die Einstiegszene ganz besonders emotional. Hier versucht das Männchen, das Astras Ende einleiten wird, Selbstmord zu begehen. Was zunächst unverständlich erscheint, wird als eine emotionale Überreaktion auf Liebeskummer erklärt. Es könnte aber genau so gut der verzweifelte Versuch sein, gegen die eigenen Instinkte anzugehen und den rationalen Plan, die eigene Spezies zu retten, nicht zu vereiteln. Solche Momente der Vieldeutigkeit und Fremdartigkeit finden sich an vielen Stellen der Geschichte und machen sie zu einer faszinierenden, beeindruckenden und nachdenklichen Lektüre.

Die Kurzgeschichte „Variations on a Theme from Turandot “ von Ada Hoffmann ist 2018 im „Strange Horizons„-Magazin erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2019“, herausgegeben von Carmen Maria Machado und John Joseph Adam.

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