Zen and the Art of Starship Maintenance (von Tobias S. Buckell)

Kurz nach einer gewaltigen Schlacht ist ein Roboter dafür zuständig, ein Raumschiff in seinen Heimathafen zu bringen. Der erzählende Roboter war einst ein Mensch, tauschte seinen Körper aber gegen den Roboterkörper ein, um länger zu leben und durch das Weltall reisen zu können. Im Gegenzug sind in seinem Gehirn Routinen verankert, die ihn die robotischen Gesetze befolgen lassen. Kurz nach Ankunft im Heimathafen entdeckt der Roboter den Armand, CEO eines feindlichen Raumschiffes, verwundet an der Außenhülle. Wegen seiner Routinen ist der Roboter gezwungen, Armand zu helfen und sein Leben zu schützen, obwohl Armand eine radikale Einstellung gegenüber robotischem Leben hat, jede Veränderung menschlicher Körper ablehnt und dies lautstark mit seinem freien Willen, der als Roboter verloren ginge, begründet. Im Krieg hat er Verbrechen an Robotern begangen und einige von ihnen ermorden lassen. Deswegen wird er gesucht, auf ihn wartet die Todesstrafe. Deswegen muss der Roboter Armand verstecken, um dessen Leben zu beschützen. Doch auf geschickte Weise gelingt es ihm, Armand zu helfen, die Robotergesetze zu befolgen und den gefährlichen Mann gleichzeitig außer Gefecht zu setzen und sich sein Vermögen anzueignen, um robotisches Leben weiter zu unterstützen.

„Zen and the Art of Starship Maintenace“ ist eine sehr dynamische Kurzgeschichte. Nach einem direkten Einstieg, der das Ende eines Krieges bzw. einer Schlacht beschreibt, überschlagen sich die Ereignisse permanent. Der namenlose Roboter, der in der ersten Person die Geschichte erzählt, entdeckt einen gegnerischen Kommandanten an Bord und muss ihm helfen. Das geschieht gänzlich ohne hektische bzw. gewalttätige Szenen, doch für den Roboter ist es ein ständiger Kampf. Denn indem er einem Gegner hilft, bedroht er seine eigene Stellung an Bord. Da die Hauptmotivation, sich in einen Roboter zu verwandeln, das Reisen in Raumschiffen ist, ist dies ein große Gefahr. Durch die dichte Beschreibung der Emotionen und Gedanken des Roboters entsteht ein hohes Maß an Spannung, das Buckell bis zum Schluss aufrecht erhält.

Mit jedem Satz wird die Geschichte stärker. Es beginnt mit der Debatte um den freien Willen. Armand lehnt Roboter ab, da sie bestimmten Routinen unterworfen sind. Der Roboter entgegnet, dass auch biologische Menschen zwar mit freiem Willen ausgestattet sind, aber häufig nicht über die Mittel verfügen, diesen auch umzusetzen. Der schwer verletzte Armand möchte zum Beispie überleben, ist aber auf die Hilfe eines verabscheuten Roboters angewiesen. Diese recht abstrakte Unterhaltung wird in „Zen and the Art of Starship Maintenance“ auf bemerkenswerte Weise anschaulich umgesetzt.

Denn zu der theoretischen Diskussion gesellt sich Armands politische Einstellung als praktische Komponente. Der Roboter ist fühlbar abgestoßen von der Gewalt, die Armand gegenüber Robotern einsetzt. Für ihn sind er und andere Roboter nichts weiter als Gegenstände, die man herumkommandiert. Armands Position ist eine absolute Minderheiteneinstellung. Der Begriff Roboter wird von der Gesellschaft bereits als abwertend betrachtet, da die meisten kaum einen Unterschied zwischen biologischen und in künstliche Körper transferierte Menschen machen. Mithilfe der robotischen Gesetze, die jedwede Gewalt gegenüber Menschen verbieten und außerdem dazu verpflichten, Menschen in Notlagen zu helfen, kann Armand Roboter jedoch ausnutzen und zum Teil sogar in den Tod führen. Der stärkste Punkt der Kurzgeschichte ist der passive Widerstand den der Roboter gegen Armand leistet und der Armand letztlich in ein selbstgebautes Gefängnis führt. Das kreative Auslegen der Regeln zeigt wie Widerstand selbst angesichts der klarsten Regeln möglich ist, wenn diese für eigensinnige Zwecke missbraucht werden. Denn die Gesetze, die eigentlich „normale“ Menschen gegenüber Robotern schützen müssen, stehen hier dem Schutz intelligenten Lebens vor besagten „normalen“ Menschen im Weg. „Zen and the Art of Starship Maintenance“ zeigt dieses gelegentlich auftretende Paradox in dieser spannenden, ergreifenden und gleichzeitig nachdenklichen Kurzgeschichte gekonnt auf und illustriert wie selbst das kleinste Rad im Getriebe mit kleinen Nadelstichen für großen Widerstand sorgen kann. Das ist alles in allem ausgesprochen lesenswert.

Die Kurzgeschichte „Zen and the Art of Starship Maintenance“ von Tobias S. Buckell ist 2017 in der Anthologie „Cosmic Powers“ erschienen und wurde 2019 im „Lightspeed„-Magazin nachgedruckt. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2018“, herausgegeben von N.K. Jemisin und John Joseph Adam.

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