Point of Light (Star Trek: Discovery, Episode 2:03)

Amanda Grayson, Spocks Mutter und Burnhams Ziehmutter, erreicht die Discovery. Sie hat Spocks Krankenakte gestohlen. Captain Pike zögert, die illegal angeeignete Datei zu dechiffrieren. Doch als Spock dreifacher Mord vorgeworfen wird, entschließt er sich einzugreifen. Tilly sieht derweil während des Kommandotrainings weiterhin ein Gespenst in Form ihrer verstorbenen Schulfreundin. Oder hat es mit dieser Erscheinung etwa mehr auf sich? Im klingonischen Imperium steht Kanzlerin L’Rell derweil zunehmend unter Druck, die Häuser ringen nach dem Krieg wieder um die Macht und Tyler bzw. Voq stellt sich dabei zunehmend als Problem heraus.

„Point of Light“ spricht gleich mehrere Kanon-Probleme an. Es werden wieder traditionelle D7-Krezuer gezeigt, die Klingonen lassen sich wieder Haare wachsen und sogar die weit fortgeschrittenen Hologramme werden thematisiert. Darüber hinaus gibt es nette Gimmicks wie Datenträger, die Disketten ähneln. Das ist irgendwie nett gemacht.

Darüber hinaus ist auch die Handlung um Ensign Tilly interessant. Der Zuschauer rätselt hier mit, was eigentlich vor sich geht. Es kommt zu einer Reihe peinlicher Situationen, in deren Folge Tilly das Trainingsprogramm verlässt. In einem Gespräch vertraut sie sich Burnham an. Etwas überraschend erkennt diese das Problem sofort: Sie glaubt nicht, dass Tilly verrückt geworden ist, sondern geht davon aus, dass der Asteroid irgendwie von einem Teil Tillys Geist Besitz ergriffen hat. Dieser schnelle Abschluss dieser Handlung ist sehr ehrenhaft, eine Verzögerung dieses Strangs hätte rasch nervig gewirkt. Es ist dennoch etwas überraschend, dass Stamets das Asteroidenwesen sofort aus Tilly herauszieht. Man hätte ja auch, ganz „Star Trek“-typisch, erst einmal versuchen können, mit der Entität zu kommunizieren.

Die Handlung um Spock bietet dem Zuschauer nichts außer dem Knüller, das Spock angeblich ein Mörder ist. Muss das sein? Eigentlich nicht. Denn hier gibt es nur ein etwas lahmes Gespräch, in dem Amanda ihre Schuldgefühle auslässt. Burnham beichtet daraufhin ihre schwere Tat, dass sie Spock von sich gestoßen hat, um ihn vor Terroristen zu schützen. Details werden wieder einmal keine genannt und Burnhams Motiv macht auch nicht viel mehr Sinn. Es ist auf der einen Seite, dass sich Amanda daraufhin kühl von ihrer Ziehtochter abwendet. Andererseits, hätte sie wenigstens einmal kurz fragen können, was Burnham eigentlich genau getan hat? Zurück bleibt damit ein Drama ohne eigentlich Handlung. Die nennenswerte Erkenntnis ist, dass Spock den merkwürdigen roten Engel, der die jüngst aufgetauchten Signale begleitet, bereits als Kind gesehen hat.

Auf Qo’noS ist die Handlung nicht weniger schräg. Wie konnte L’Rell auf die Idee kommen, dass Tyler in Menschenform als öffentliche Figur akzeptiert wird? Warum verwendet sie ihn nicht als Waffe in der Hinterhand? Oder als Berater? Wieso kommt Tyler auf die Idee, es sei pfiffig die Föderation vor den Klingonen zu wahren? Warum sieht L’Rell darin nicht umgehend einen Loyalitätskonflikt? Wie geschwächt müssen die Klingonen sein, dass Sektion 31 mal eben reinspazieren kann, um die Kanzlerin zu retten? Genau so gut hätte man sie dadurch ja auch um die Ecke bringen können? Warum hatten die Attentäter in dem sechsten „Star Trek“-Film diese Möglichkeiten nicht? Und warum sollte Tyler, nachdem ihn Sektion 31 von seinem Sohn getrennt hat, nun für die Sektion arbeiten? Was ist da für ein Motiv? Und überhaupt, warum hat man Tyler am Ende der ersten Staffel nach Qo’noS gebracht, nur um ihn gleich zu Beginn der zweiten Staffel von dort wieder abzuziehen? Dieser Handlungsstrang bietet letztlich nichts bis auf eine etwas holprig inszenierte Action-Sequenz und endlos viele Fragen an die Drehbuchautoren.

Alles in allem erreicht „Point of Light“ ein sehr hohes Tempo, das mal vor sich hinplätschert, mal in Actionszenen mündet und dadurch irgendwie gefällig wirkt. Das kann aber nur schwer darüber hinweg täuschen, dass die meisten Handlungsstränge keinen Sinn machen oder ausgesprochen schwache sind. Hier wären kohärentere Einzelabenteuer wie in den vorherigen beiden Episoden besser gewesen.

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