Runaway & Calypso (Star Trek: Short Treks Episode 1 & 2)

Am 18. Januar startet in Deutschland die zweite Staffel „Star Trek: Discovery“ auf der Streamingplattform Netflix. Im vergangenen halben Jahr strahlte CBS im Monatstakt vier „Star Trek: Short Treks“-Episoden aus, die jeweils einen Charakter der Reihe in den Mittelpunkt einer knapp 15 minütigen Episode stellten. Angesichts des Staffelauftakt in knapp zwei Wochen ist es Zeit für ein paar Gedanken zu diesen Füllfolgen.

Runaway 

Ensign Tilly nimmt an einem Fortbildungskurs für Kommando-Aufgaben teil. Dabei wird sie von ihrer Mutter eher behindert als unterstützt. In einem besonders frustrierten Moment begegnet sie einem Eindringling auf der Discovery. Die junge Po stammt von einem jüngst besuchten Planeten und sollte nicht an Bord sein. Anstatt die junge Frau auffliegen zu lassen, versucht Tilly herauszufinden, warum diese von ihrer Heimat geflohen ist. Mit etwas Einfühlungsvermögen unterstützt Tilly Po dabei, sich für eine Rückkehr zu entscheiden, um ihrem Volk bei der weiteren Entwicklung zu helfen. Das ist eine weise Entscheidung wie sich herausstellt: Po ist nämlich die designierte Königin ihres Volkes und wollte vor ihrer Krönung einmal dem strikten Codex entkommen.

„Runaway“ soll dem Zuschauer demonstrieren, dass Tilly langsam an sich wächst und bereit für mehr Verantwortung ist. Aber eigentlich zeigt die Folge das genaue Gegenteil. Es ist natürlich menschlich verständlich, dass Tilly alles tut, um Po erst einmal zu helfen. Natürlich ist es angemessen, Pos Aussage, sie musste von ihrem Planeten fliehen, ernst zu nehmen. Aber das hätte man auch mit den angemessenen Prozeduren der Sternenflotte tun können. Tilly ist in all ihren Entscheidungen gefühlsgeleitet, projiziert ihre eigene Familiengeschichte in die Pos. Das geht hier gut, es hätte aber auch genau so gut äußerst schief gehen können.

Abgesehen von diesem Grundproblem weist die Episode für ihre 13 Minuten etwas zu viele Wendungen auf, versucht zu häufig lustig zu sein und ist alles in allem weder in der Darstellung Tillys noch in der Darstellung Pos wirklich überzeugend. Der stärkste Moment ist eigentlich der Anfang. Denn die Folge kehrt zu der Tradition zurück, dass in „Star Trek“ fremde Völker ihre spezielle Sicht auf das Universum in die Serie einbringen und den Zuschauer zum Rätseln und Nachdenken anregen. Das ist ein sentimentaler Start, auf den im Anschluss leider kaum Entwicklungen folgen.

Calypso

Die Discovery schwebt seit 1.000 Jahren in einer Warteposition im All. Der Bordcomputer hat mittlerweile eine eigene Persönlichkeit entwickelt. Als ein Escape Pod an der Discovery vorbeischwebt, nimmt das sich als Zora bezeichnende Computerprogramm den Krieger Craft an Bord und heilt ihn. Craft ist bald jedoch verzweifelt, Zora kann die Discovery aufgrund alter Befehle nicht bewegen. Über die Zeit entstehen zwischen den beiden Einsamen „Seelen“ Gefühle. Doch kurz bevor Craft ein Hologramm Zoras küsst, blockiert ihn der Gedanke an seine Frau und Kind in der Heimat. Zora hilft ihm daraufhin mit einem Shuttle zurückzukehren, obwohl es ungewiss ist, dass das Shuttle ausreicht, um Crafts Heimat zu erreichen.

Die Idee eines emotionalen Computerprogramms ist nicht neu, aber nett. Die Tatsache, dass das Ganze 1.000 Jahre in der Zukunft spielt ist zunächst einmal ebenfalls interessant. Doch aus dieser Ausgangssituation wird sehr wenig gemacht: Die Gefühle zwischen den beiden Protagonisten wirken überzeugend, werden aber nicht wirklich tiefgründig erforscht. Hintergründe über das Zukunftsszenario werden ebenfalls keine gegeben. Die Folge schwebt daher so ziellos im Raum wie die Discovery.

Immerhin nimmt man Craft den Schmerz über die Trennung von seiner Familie ab. Da jedoch nie ganz klar wird, warum und wieso er in einem Krieg gekämpft hat und worum es dabei ging, kann die Episode aus diesem guten Start nur wenig machen. Insofern pendelt „Calypso“ zwischen irritierend überzeugend inszenierten Emotionen und der Tatsache, dass die Folge ohne richtigen Anfang oder Abschluss mit unbekannten Charakteren kaum Interesse bzw. Sogwirkung aufbauen kann.

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