The Art of Space Travel (von Nina Allen)

Emily Clarah Starr wächst bei ihrer alleinerziehenden Mutter Moolie auf. Über ihren Vater weiß sie nichts. Moolie deutet an, dass sie ihn als Astronaut einst bei einem Forschungsaufenthalt vor der ersten bemannten Marsmission kennen gelernt hat. Diese Mission endete mit dem Tod aller ihrer Mitglieder. Moolies wissenschaftliche Karriere brachte sie später in Kontakt mit giftigen Materialien, wodurch sie stark geistig und physisch eingeschränkt ist. Nun wird nach mehreren Jahrzehnten eine neue Marsmission vorbereitet und die Astronauten verbringen ihre letzten Tage auf der Erde ausgerechnet in dem Hotel, in dem Emily arbeitet, um sich und Moolie über die Runden zu bringen. Unter den sehr verständnisvollen Augen ihres Chefs Benny versucht sie mit ihren Emotionen und der permanenten Pflege Moolies umzugehen.

Die Familiengeschichte in „The Art of Space Travel“ ist vorhersehbar. Benny kennt Emily außerhalb ihres Jobs nicht, erkundet sich aber immer nach Moolie und zeigt sich für einen Hotelbesitzer unwahrscheinlich nachsichtig mit ihren Pflegeverpflichtungen. Es ist daher in keiner Weise überraschend, dass er sich auf den letzten Seiten als Vater herausstellt. Interessanter ist hier Moolies Behauptung, Emilys Vater sei einer der verstorbenen Astronauten gewesen. Auf der einen Seite ist dies ein mit dem Beginn der Hotelarbeit stark veränderte Geschichte, vorher behauptete sie, Emilys Vater habe kein richtiges Ziel verfolgen können. Durch die Marserzählung, reflektiert Emily darüber welche Motive Menschen dazu bringen, ihr eigenes Leben zu riskieren.

In erster Linie trifft das auf die Astronauten zu. Sie sollen eine Kolonie auf dem Mars gründen und lassen dafür im Extremfall sogar ihre Kinder auf der Erde zurück. Ist es wissenschaftliche Neugier? Die Hoffnung auf ewigen Ruhm? Oder aber einfach nur Leichtsinnigkeit? Die Motive werden hier natürlich nicht klar. Überdeutlich ist aber, dass auch Moolie einen Großteil ihres Lebens trotz Kindes riskiert hat, um eine gefährliche Situation zu entschärfen, bei der sie sich vergiftet hat. Diese Gedanken über Leben, den Wert desselben und die Spekulationen über ihren Vater geben der Geschichte eine einnehmende, melancholische Atmosphäre.

Denn Emily fühlt sich geteilt. Auf der einen Seite sieht sie ihr Leben in einer Warteschleife bis sie (die eigentlich noch recht junge) Moolie bis zu deren Ende gepflegt hat. Auf der anderen Seite fürchtet sie dieses Ende, da sie anschließend niemand auf der Welt mehr habe. Aus diesem Zwiespalt entsteht einerseits die Neugierde auf ihren Vater und andererseits ein gewisses, diffuses Verständnis für die Astronauten, die ihr eigenes Leben aufgeben, um ein neues ungewisses auf dem Mars zu suchen bzw. ihr frühzeitiges Ende riskieren. Diese persönlichen Reflexionen vor dem Hintergrund eines großen Wagnis machen diese Kurzgeschichte zu aufrührender Lektüre, die durch Emilys nüchtern-rationalen Ton und Gedanken besonders eindringlich werden.

Die Kurzgeschichte „The Art of Space Travel“ von Nina Allen ist 2016 auf tor.com erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Year’s Best Science Fiction (34. Annual Collection)“, herausgegeben von Gardener Dozois. 

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